Ältere Patienten & ältere Mediziner: Wie können Kliniken den demografischen Wandel meistern?

Demografischer Wandel © Fotolia kamasigns

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Krankenhäuser sind von den Herausforderungen des demografischen Wandels gleich in dreifacher Hinsicht betroffen: Erstens sind sie aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der seit Jahrzehnten rückläufigen Geburtenrate zunehmend mit älteren Patienten beschäftigt. Gleichzeitig altert aber auch die Klinikbelegschaft, ohne dass ausreichend junge Fachkräfte nachrücken. Und – drittens – sind Krankenhausmitarbeiter als Privatpersonen auch im persönlichen Umfeld immer häufiger mit den Folgen des Alters konfrontiert, nämlich in Form pflegebedürftiger Familienangehöriger. Diesem Dreigespann müssen die Klinikleitung und vor allem das strategische Personalmanagement mit fortschrittlichen Lösungsansätzen begegnen.

Ältere Patienten als wachsende Herausforderung

Wir werden immer älter. Grund dafür ist – maßgeblich – der medizinische Fortschritt. Also eigentlich eine gute Nachricht für alle Klinikangehörigen. Doch immer mehr und vor allem immer ältere sowie demenente Patienten stellen das Gesundheitssystem auch vor ganz neue Herausforderungen. Dem wachsenden Patientenaufkommen stehen rückläufige Mitarbeiterzahlen und der steigende Kostendruck gegenüber. Will man den Bedürfnissen der Patienten auch im hohen Alter gerecht werden, bedarf es neuer innovativer Ansätze. Dazu zählen in erster Linie interdisziplinäre Versorgungszentren und bereichsübergreifende Behandlungsangebote. Nur so wird es möglich, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln und die zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen optimal einzusetzen.

Ältere Mediziner als Chance

Doch was passiert mit all den Patienten, wenn die verantwortlichen Ärzte und zuständigen Pfleger selbst immer älter werden und in den Ruhestand gehen, ohne dass ihre Stellen adäquat nachbesetzt werden können? Denn genau dieses Szenario droht schon in wenigen Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer das Rentenalter erreichen. Immer wieder kommt an dieser Stelle eine mögliche längere Beschäftigungsdauer ins Gespräch. Viele erfahrene Mediziner sehen das für sich selbst durchaus als Option. Auch das Klinikmanagement ist nicht abgeneigt, befürchtet aber eine abnehmende Leistungskurve, sinkende Flexibilität – und stattdessen zunehmende Ausfalltage und wachsende Kosten.

Hier muss dringend ein Paradigmenwechsel stattfinden. Denn der Wert langjähriger Mitarbeiter jenseits des Renteneintrittsalters wird gerade in Kliniken oftmals unterschätzt. Vor allem ihr Erfahrungswissen ist für die Krankenhäuser kaum in Geld aufzuwiegen. Hinzu kommen Engagement und aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit häufig auch eine starke Verbundenheit zur Einrichtung. Um die Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten, bedarf es langfristig angelegter Maßnahmen aus dem Werkzeugkasten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Auch flexible Arbeitszeitmodelle und eine dem Alter entsprechende Arbeitsplatzgestaltung gehören dazu. Hier muss die klinikeigene Personalentwicklung tätig werden und maßgeschneiderte Angebote entwickeln.

Ältere Angehörige als zusätzliche Belastung

Solche Angebote bedarf es auch, wenn Klinikmitarbeiter sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Eine alternde Gesellschaft ist auch für Familien eine Herausforderung. Den Spagat zwischen Beruf und privater Pflege zu meistern, ist ohnehin schon schwer. Für Mitarbeiter mit Schicht- und Bereitschaftsdiensten wird er in der Regel unmöglich. Damit sich Beschäftigte in solchen Situationen nicht gegen ihren Job entscheiden, müssen Kliniken die Bedürfnisse ihrer Angestellten erkennen – und individuelle Lösungen finden. Nur so können die Einrichtungen ihr für sie und den Patienten wertvolles Personal langfristig binden und den Herausforderungen des demografischen Wandels trotzen.

nl/KWM
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