Ärzte müssen mit IT-Entwicklungen Schritt halten! Aber wie?

Medizinischer Fortschritt © Luis Louro/adobe.stock.com

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Im Klinikalltag arbeiten Ärzte bereits täglich mit modernen elektronischen Technologien und IT-Systemen: Sie nutzen Programme, um Patientendaten zu verwalten oder Anwendungen zur Organisation des Klinikalltags. Immer mehr sind IT-Lösungen aber auch Bestandteil der Diagnose- und Therapieverfahren. Deshalb ist es notwendig, dass Ärzte nicht nur über medizinische Kompetenzen verfügen, sondern auch ihr technisches Verständnis wächst. Kliniken können ihr ärztliches Personal im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen dabei unterstützen. Im Idealfall setzen sich Mediziner jedoch bereits während des Studiums mit den technischen Hintergründen auseinander, sofern es ein entsprechendes Angebot gibt.

Die Bedeutung von Informationstechnologie im medizinischen Alltag wächst: Beispiele aus der Neurotechnik, wie sogenannte Brain-Computer-Faces, zeigen, wie Technik und Medizin ineinandergreifen. So ist möglich, Nervenzellen im Gehirn mit einer Recheneinheit zu koppeln. Elektrische Impulse des Gehirns können auf diesem Weg in Steuersignale umgewandelt werden. Das ermöglicht es Patienten, beispielsweise eine Prothese zu steuern.

High-Tech-Medizin erfordert neue Kompetenzen

Werden solche Methoden in naher Zukunft in größerem Umfang eingesetzt, setzt das ein hohes Maß an technischem Verständnis voraus, damit eine erfolgreiche Therapie gewährleistet werden kann. Von Ärzten der Zukunft wird erwartet, Funktionalität und Aufbau solcher Technologien zu verstehen und mit dem technischen Personal besprechen zu können. Nur dann kann interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet werden, die dem Patienten nutzt.

An der Universität Witten/Herdecke haben die Verantwortlichen erkannt, dass Ärzte bereits im Rahmen des Medizinstudiums auf die veränderte Arbeitswelt vorbereitet werden müssen: „Eine High-Tech-Versorgung ist aber immer nur so gut wie der Arzt, der sie durchführt. Er muss daher mehr als ein grundlegendes Verständnis dafür besitzen. Moderne Mediziner benötigen dringend auch die Kompetenz, neue Methoden kritisch hinterfragen sowie Vorteile und Risiken einschätzen zu können“, sagt Prof. Dr. Jan Ehlers, Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke (UW/H).

Digital Medicine: Interdisziplinäres Angebot für Studierende

Bereits seit dem Wintersemester 2016/2017 bietet die Hochschule im Rahmen des fächerübergreifenden „Studium fundamentale (Stufu)“ den Kurs „Digital Medicine – how data will change the way we treat” an. Er ist multiprofessionell ausgelegt und steht Studierenden aus allen Studiengängen offen. Ziel ist es, die Studierenden für das Thema zu sensibilisieren und den reflektierten, interdisziplinären Umgang mit den digitalen Medien zu fördern. Die Themen sind breit aufgestellt – von Big Data über Datensicherheit bis hin zu Startup-Gründung. Seitens der Studierenden wird das Angebot gut angenommen – die Anmeldezahl steigt kontinuierlich an: waren es anfangs 15, sind es heute bereits 183 Teilnehmer.

IT in der Klinik: Bessere Software und mehr Schulungen

Laut einer Umfrage des Marburger Bundes unter 1.800 Ärzten sind 80 Prozent der Befragten der Überzeugung, dass die Digitalisierung die medizinische Qualität ihrer Arbeit verbessern wird. Allerdings sind nur 19 Prozent von ihnen mit der IT-Ausstattung am Arbeitsplatz zufrieden. Den meisten fehlt es im Krankenhaus an benutzerfreundlichen Geräten und Computerprogrammen. Auch Schulungen sind selten. Nur neun Prozent der Teilnehmer hatten eine Fortbildung erhalten.

Quelle: Digitalisierung im Krankenhaus: Bundesweite Umfrage unter Mitgliedern des Marburger Bundes

Quellen:
Wie die Digitalisierung die Gesundheitsbranche verändert, Pressemeldung der Universität Witten/Herdecke vom 31.1.2018
MB-Umfrage: MB-Umfrage Digitales Krankenhaus: große Hoffnungen, ernüchternde Realität, Pressemeldung des Marburger Bundes vom 14.12.2017

cp/KWM
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