Alles Einstellungssache? Wissensmanagement verändert das Miteinander

Wissensmanagement Kommunikation

©Thieme & Frohberg GmbH

Wie steht es um Ihre Klinikkultur? Herrscht bei Ihnen eine positive Grundstimmung? Sind die Mitarbeiter motiviert? Und sieht das Gros des Personals seine berufliche Zukunft beim aktuellen Arbeitgeber? Wie wohl sich die Beschäftigten fühlen, hängt maßgeblich von der Organisationskultur ab. Entscheidend ist unter anderem, ob Wissen bereitwillig ausgetauscht wird oder im Sinne von „Wissen ist Macht“ als (Allein-)Herrschungsmerkmal gilt.

Wissensförderliche Rahmenbedingungen – von Kommunikation bis Wertschätzung

Kommunikation auf Augenhöhe und konstruktives Feedback sind die Grundpfeiler einer Wissenskultur. Zudem sollten Fehler als Lernquelle angesehen werden. Das heißt: Indem man seine Fehler reflektiert, deren Zustandekommen analysiert und künftige Vermeidungsstrategien entwirft, verhindert man das Wiederholen von Fehlern. Macht man diesen Diskurs öffentlich, profitieren auch die Kollegen davon. Eine Fehlerkultur gehört also unbedingt zur Wissenskultur. Ebenso wie der sonstige Wissensaustausch – nicht nur über Fehler, sondern über Erfahrungen allgemein.

Die Bedeutung impliziten Wissens

Das Teilen von (Erfahrungs-)Wissen nimmt in der Lernenden Organisation dabei eine besonders wichtige Stellung ein. Schließlich ist es das implizite Know-how, das vor allem in wissensintensiven Organisationen – zu denen auch Kliniken gehören – einen Großteil zur Wertschöpfung beiträgt. Allerdings ist implizites Wissen gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel fragil: Im Zuge der Verrentungswelle droht das Erfahrungswissen der Babyboomer-Generation in den Ruhestand zu wechseln. Das Teilen von Wissen nimmt daher aktuell eine herausragende Bedeutung ein.

Wissensmanagement ist eine Frage der Unternehmenskultur

Um das immaterielle Kapital einer gesamten Generation zu bewahren, sollte es also möglichst zügig gesichert werden. Allerdings stehen insbesondere Kliniken dabei oft vor unerwarteten Hürden. Viele Krankenhausorganisationen haben es bislang schlichtweg nicht geschafft, eine Wissenskultur zu etablieren. Statt sich über eigene Erfahrungen auszutauschen und das persönliche Wissen mit den Erkenntnissen der Kollegen zu teilen, behält jeder sein Know-how für sich.

Wissen gilt in vielen Krankenhäusern nach wie vor als Machtsymbol. Es ist ein Teil der Reputation, den es gut zu schützen gilt. Wer mit diesem Mindset aufgewachsen ist und es sein gesamtes Berufsleben über aufrechterhalten hat, dem fällt es auch kurz vor dem Ruhestand schwer, sein „wertvollstes Gut“ preiszugeben. Dabei ist dieses Wissen wettbewerbsentscheidend und nicht selten elementar, um bestehende Klinikprozesse auch zukünftig aufrechterhalten zu können.

Ändert sich die Einstellung, ändert sich das Miteinander

Es muss ein radikales Umdenken stattfinden: Vor allem hierarchieübergreifend gilt es, mehr miteinander zu reden. Und zwar auf Augenhöhe und im gegenseitigen Austausch. Davon profitieren beiden Seiten. Nicht nur die jüngeren Mitarbeiter können von den älteren lernen, sondern auch umgekehrt. Stichwort: Digitalkompetenz.

Damit der Schritt hin zur offenen Wissenskommunikation gelingt, braucht es allerdings Vertrauen. Denn oft gibt man im Gespräch Unsicherheiten preis oder gesteht Fehler ein. Wer in solchen Situationen Angst vor Repressalien hat, der behält sein Know-how lieber für sich. Ober- und Chefärzte sowie die Pflegeleitung sollten daher mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Erfahrungen teilen. Anschließend gilt es, ein offenes Ohr für das Wissen anderer zu haben und konstruktiv darüber zu diskutieren. So wird nicht nur Wissen weitergegeben, sondern auch Verständnis geschaffen für die Situation des Gegenüber. Und dieses Wissen trägt nachhaltig zur mehr Motivation und Zufriedenheit bei. Zudem fördert es ein positives Betriebsklima. Der systematische Austausch von Wissen schlägt damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er sorgt dafür, dass wichtiges Know-how auf mehrere Köpfe verteilt wird. Er trägt zur Fehlervermeidung bei. Und er fördert die Mitarbeiterbindung – ein Aspekt, der angesichts des Fachkräftemangels nicht unterschätzt werden darf.

2 Kommentare auf “Alles Einstellungssache? Wissensmanagement verändert das Miteinander”

  1. Mia sagt:

    Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar