Anatomie, Diagnostik, Wissensmanagement … Medizinisches Personal braucht neue Kompetenzen

Anatomie, Diagnostik, Wissensmanagement … Medizinisches Personal braucht neue Kompetenzen
©Thieme & Frohberg GmbH

Das Gesundheitswesen ist von der Digitalisierung besonders betroffen: 69 Prozent der Bevölkerung erwarten in dieser Branche starke bis sehr starke Veränderungen. [1] Neue Technologien, smarte Workflows und intelligente Datenanalysen werden sich bereits in den nächsten drei bis fünf Jahren bemerkbar machen. Stärkere Auswirkungen sieht die Gesellschaft lediglich für den (Online-)Handel. Damit der Change gelingt, bedarf es neben digitaler Strategien und IT-Lösungen auch digital-kompetenter Mitarbeiter. Der Weg zur Digitalkompetenz führt dabei unweigerlich über das Wissensmanagement. Bestehendes Personal muss sich das Handwerkszeug parallel zum Joballtag aneignen. Das kostet Zeit und Geld. Für die künftigen Generationen empfiehlt es sich daher, Wissensmanagement zum festen Bestandteil der Ausbildung zu machen.

Digitalisierung: Die dringende Suche nach der richtigen Umsetzungsstrategie

Immerhin 93 Prozent der Krankenhäuser stellen ihren Patienten die Untersuchungsergebnisse heute digital zur Verfügung – das heißt in dem Fall: auf CD. Was vor einigen Jahren noch fortschrittlich anmutete, klingt heute eher rückständig. Schließlich gehören CD-ROM-Laufwerke mittlerweile schon zu den Auslaufmodellen. Doch das Gesundheitswesen ist noch immer auf der Suche nach dem richtigen Digitalisierungsweg – und steht gleichzeitig unter Zugzwang. Denn moderne Medizin und wettbewerbsfähige Versorgung sind zunehmend abhängig von schlanken Prozessen, automatisierten Abläufen und intelligenter IT – vom Wissensmanagement also.

Wissensmanagement ist vielerorts noch Mangelware

Doch die Stabstelle des Wissensmanagers ist nach wie vor eine Seltenheit in der Kliniklandschaft – stattdessen sollen vielerorts noch immer einzelne Mitarbeiter das stations- oder klinikweite Wissensmanagement „nebenbei“ erledigen. An dieser Stelle zeigt sich, woran es in Krankenhäusern oftmals noch mangelt: am richtigen Bewusstsein für die (wettbewerbskritische) Bedeutung der Ressource Wissen. Dabei ist der effiziente Umgang mit dem expliziten und impliziten Know-how gerade im Gesundheitswesen essentiell – und zwar für die Qualität der Medizin und die Patientensicherheit ebenso wie für die wirtschaftliche Zukunft der Einrichtungen.

Hoher Weiterbildungsbedarf in Kliniken

Doch das Handwerkszeug für nachhaltiges Wissensmanagement kann man lernen. Muss man sogar! Allerdings bedeutet das parallel zum Klinikalltag einen immensen Kraftakt. Schichtdienst, Überstunden und hohe physische sowie psychische Belastung lassen kaum Raum für einen Wissenserwerb, der über die klassischen Pflichtschulungen und den medizinischen Bereich hinausgeht. Dennoch sind entsprechende Weiterbildungen alternativlos. Hier ist zunächst das Klinikmanagement gefordert, dem Wissensmanagement – als Grundlage für erfolgreiche Digitalisierung – den entsprechenden Stellenwert zu geben. Das gelingt einerseits, indem dieser Aufgabenbereich auf Leitungsebene angesiedelt wird. Andererseits braucht das Personal feste Zeitkontingente, um sich speziell in dieser Disziplin weiterzubilden.

Wissensmanagement von Anfang an

Künftig aber muss Wissensmanagement Eingang in die Ausbildung und Lehre finden. Nur so entsteht von Anfang an ein Bewusstsein für wissensintensive Prozesse und den effizienten Umgang mit Daten. Dieses Bewusstsein ist die Voraussetzung für ein wissensfokussiertes Mindset, das den digitalen Wandel mitträgt und die Weichen stellt für intelligente Prozesse im Smart Hospital.

Quelle:

[1] https://initiatived21.de/app/uploads/2020/02/d21_index2019_2020.pdf

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