Anziehend für Pflegepersonal: Magnetkrankenhäuser

Anziehungskraft Fachkräfte © arahan/Adobe.stock.com

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Immer mehr Pflegestellen können hierzulande derzeit nicht neu besetzt werden. Im Wettbewerb um qualifiziertes Personal wird daher die Klinik punkten, die attraktive Arbeitsbedingungen bietet und sich so von der Konkurrenz unterscheidet. Aber womit ziehen Krankenhäuser potenzielle Mitarbeiter an und halten sie langfristig bei der Stange? Das sogenannte „Magnetkrankenhausmodell“ zeigt, unter welchen Bedingungen Pflegekräfte gerne, engagiert und langfristig in einer Klinik arbeiten. Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA, findet mittlerweile aber auch in Deutschland Beachtung.

In den USA kämpften die Gesundheitseinrichtungen bereits in den 1980er Jahren mit einem Fachkräftemangel in der Pflege. Allerdings litten nicht alle Häuser gleichermaßen darunter. Die American Academy of Nursing (AAN) nahm daraufhin die Einrichtungen, denen es leichter fiel Personal für sich zu gewinnen und langfristig zu binden, genau unter die Lupe. Die Eigenschaften, die diese Krankenhäuser von anderen unterschieden, wurden fortan als „Magnetkräfte“ bezeichnet. Bis heute entwickelten sich daraus insgesamt 14 zentrale Aspekte (FOM = forces of magnetism), die in fünf Gruppen eingeteilt sind.

  1. Transformationale Führung
    Darin werden Eigenschaften von Pflegeführungskräften zusammengefasst, die Mitarbeiter inspirieren sie sich zum Vorbild zu nehmen und unter ihnen gern hinzuzulernen sowie motiviert und selbständig für gemeinsam gesteckte Ziele zu arbeiten. Darunter fallen exzellente kommunikative und klinische Kompetenzen und eine klare Vorstellung der professionellen Rolle der Pflege. Des Weiteren benötigen sie eine Vision zukünftiger Herausforderungen, unternehmensinternen Einfluss, um Strukturen zu verändern sowie eine gute Vernetzung mit anderen Abteilungen und Berufsgruppen.
  2. Strukturelles Empowerment der Pflege
    Die Pflege ist auf allen Ebenen der Organisationen in Entscheidungen eingebunden und entscheidet selbständig über ihre Pflegepraxis. Die Mitarbeiter werden kontinuierlich in ihrer Weiterbildung gefördert und es besteht ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander zu anderen Berufsgruppen.
  3. Exemplarische professionelle Praxis
    Das Pflegepersonal arbeitet auf Basis professioneller und evidenzbasierter Pflegemodelle. Jeder hat ein klares Verständnis seiner Rolle, seiner Aufgaben und Standards und kann das gegenüber Patienten und Angehörigen, aber auch innerhalb des interdisziplinären Teams eindeutig formulieren.
  4. Neues Wissen, Innovationen und Verbesserungen
    Pflege auf dem neuesten Stand, das heißt, die Mitarbeiter orientieren sich an neuesten Erkenntnissen der Pflegeforschung. Sie überdenken und überarbeiten deshalb regelmäßig die einrichtungsinternen Prozesse.
  5. Empirische Outcomes
    Es findet kontinuierlich eine Qualitätsprüfung statt: Das heißt, die Mitarbeiter- und Patientenzufriedenheit sowie der Einfluss der Arbeit auf die gesamte Einrichtung werden regelmäßig untersucht und bewertet. Idealerweise dienen diese Messungen auch dazu, sich dem Vergleich mit anderen Einrichtungen zu stellen und Benchmarks aufzustellen.

Motiviertes Pflegepersonal wirkt sich auf Behandlungsqualität aus

Studien belegen inzwischen, dass Magnetkrankenhäuser eine deutlich höhere Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung aufweisen. Gleichzeitig geht der Krankenstand in der Belegschaft zurück. Das wirkt sich auch nachweislich auf die Versorgungsqualität aus. So zeigen Untersuchungen, dass Magnetkrankenhäuser eine geringere Komplikations- und Mortalitätsrate haben, weniger Behandlungsfehler auftreten und die Liegedauer der Patienten kürzer ist.

Aus der Praxis: RKU verfolgt Qualitätsentwicklung nach Magnetkrankenhausmodell seit 2013

In Deutschland haben beispielsweise die Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) die Entscheidung getroffen, ihre Qualitätsentwicklung dementsprechend auszurichten. 2013 absolvierte Helene Maucher, Pflegedirektorin im RKU, eine Hospitation im Magnetkrankenhaus UF Health in Jacksonville, Florida. Motiviert durch diese Erfahrung entwickelte sie mit ihrem Team eine klare Strategie zur Qualitätsentwicklung in der Pflege. Abgesegnet durch den Klinikvorstand wurde die Pflegedirektion umstrukturiert. 2017 startete in Kooperation mit der Hochschule Neu-Ulm ein RKU-spezifischer Bachelorstudiengang „Management für Gesundheits- und Pflegeberufe“ im Rahmen dessen sich bereits 15 Mitarbeiter weiterbilden. Auf der Internetseite der Sana Kliniken AG berichtet Helene Maucher ausführlich über die bisherigen Schritte auf dem Weg zum Magnetkrankenhaus.

Quellen:
Das Magnetkonzept: Eine Antwort auf den Fachkräftemangel in der Pflege, www.medical-careerblog.de, 25.8.2015
Qualität und Strategie in Kliniken, Newsletter Qualitätskliniken.de; September 2017

cp/KWM
Bildquelle: © arahan/Adobe.stock.com

 

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