APS vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2019

Im Rahmen seiner 14. Jahrestagung hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) erneut verschiedene Projekte gewürdigt, die zu einer besseren und sicheren Patientenversorgung beitragen. Den Hauptpreis hat in diesem Jahr ein sektorenübergreifendes Konzept erhalten, das die Medikamentenversorgung von Pflegeheimbewohnern verbessert.

Platz 1: Bessere Vernetzung zwischen Pflegepersonal und Hausärzten

1. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit © APS

1. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit: v.l.n.r.: Burkhard Bachnick, Dr. Franziska Diel, Dr. Irmgard Landgraf © APS

Die Berliner Internistin Dr. Irmgard Landgraf hat sich über eine elektronische Pflegeheimakte digital mit den von ihr betreuten Pflegeheimen vernetzt. Ihr erklärtes Ziel: Die Versorgung von Pflegeheimbewohnern durch den Hausarzt verbessern, Kommunikationslücken schließen und damit Fehler in der Medikation der Pflegeheimbewohner minimieren.

Gute und regelmäßige Kommunikation ist das A und O

„Die Akte enthält neben den üblichen Dokumentationsfeldern auch Kommunikationsmodule“, erklärt Landgraf. In dieses Feld können alle Pflegekräfte zu jedem Zeitpunkt alle auffälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Heimbewohners eintragen. Die Hausärztin kann sich von ihrer Praxis aus in die Pflegeheimsoftware einwählen. „Ich lese morgens und abends die Eintragungen und kann somit schnell und adäquat reagieren“, sagt sie. Außerdem nutzt sie e-Pflegeakten zur regelmäßigen Kontrolle der Medikation und der Behandlungsverläufe, koordiniert notwendige Untersuchungen und bereitet auch die wöchentlichen Stationsvisiten vor. So wird die Zeit vor Ort geringer und die Effektivität größer.

Patienten erhalten weniger Medikamente und müssen seltener in die Klinik

Die Ergebnisse dieser jahrelangen Zusammenarbeit hat sie 2017 in ihrer Dissertation zusammengefasst. „Hier wird eindeutig nachgewiesen, dass auf diese Art betreute Pflegeheimbewohner weniger Medikamente erhalten, seltener ins Krankenhaus müssen und eine höhere Lebenserwartung sowie mehr Lebensqualität haben“, lobt die APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner die Arbeit der Preisträgerin. Für den ersten Platz erhält die Berliner Hausärztin ein Preisgeld von 10.000 Euro.

Platz 2: Eltern von Neugeborenen gut informiert nach Haus entlassen

2. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit © APS

2. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit: v.l.n.r.: Dr. Ruth Hecker (Stellv. Vorsitzende APS), Marion Rink, Dr. Britta Hüning, Christine Molik, Margarete Reimann, Andrea
Galda © APS

Den 2. Platz des Deutschen Preises für Patientensicherheit mit 6.000 Euro Preisgeld vergibt die Jury dieses Jahr an ein Projekt zur Optimierung des Entlassmanagements für die Neonatologie und Pädiatrie am Universitätsklinikum Essen in Zusammenarbeit mit der Vestischen Kinder- und Jugendklinik im nordrhein-westfälischen Datteln. Das Team um Dr. Britta M. Hüning bezieht die Bedürfnisse des Kindes und die Ressourcen der Familie frühzeitig in die Entlassplanung mit ein. „Durch einen strukturierten Entlassmanagementprozess mit transparenten Standards können Fehler durch Informationsverluste und Verzögerungen im Patientenpfad vermieden werden“, erläutert François-Kettner.

Platz 3: Mehr Sicherheit während der Narkose

3. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit © APS

3. Platz Deutscher Preis für Patientensicherheit: v.l.n.r.: Dr. Ruth Hecker, Dr. Melanie Witt, Dr. Heike Vogelsang, Nikolaj Botteck, Jean‐Noel Antoinette © APS

Auf den mit 3.500 Euro dotierten 3. Platz wählte die Jury das Projekt von Dr. Heike Vogelsang von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Katholischen Klinikum Bochum. Um die Sicherheit während der kritischen Phase der Narkose zu verbessern, hat sie gemeinsam mit ihrem Team eine umfangreiche Cockpit-Strategie aus CRM-Elementen der zivilen Luftfahrt entwickelt und in die Anästhesiologie überführt. Das sogenannte Crew-Resource-Management beinhaltet die Bereiche Kommunikation, Führen, Entscheiden, Stress und Fehlermanagement. Sowohl in Routine- als auch in Notfallsituationen kann das Team mit Hilfe der Cockpit-Strategie sicher und effektiv handeln. Alle am Team beteiligten Pflegekräfte und Ärzte arbeiten dabei unmittelbar zusammen, um den Patienten vor Schaden zu schützen. Das Konzept wurde 2009 entwickelt und seit 2010 im Katholischen Klinikum Bochum erfolgreich eingesetzt.

Sonderpreis: Forschungsarbeit zu Nebenwirkungen in der Psychotherapie

Sonderpreis Deutscher Preis für Patientensicherheit © APS

Sonderpreis Deutscher Preis für Patientensicherheit: Dr. Ruth Hecker, Daniel Bents, Prof. Dr. Michael Linden © APS

Das APS verleiht auch in diesem Jahr wieder einen Sonderpreis. Dieser geht an Professor Dr. Michael Linden vom Institut für Verhaltenstherapie Berlin (IVB). Es ist inzwischen wissenschaftlich belegt, dass Psychotherapie auch schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann. Beispiele sind Symptomverstärkungen, Problemaggravierungen, Induktion von False Memories, Probleme in der Familie oder im Beruf. Ein Projektteam des IVB hat das Spektrum und die Häufigkeit von Nebenwirkungen der Verhaltenstherapie wissenschaftlich untersucht und ausgewertet und Seminare dazu in die Ausbildungscurricula aufgenommen. Es ist davon auszugehen, dass in der Zukunft derartige Kurse an allen Psychotherapieausbildungsinstituten eingeführt werden.

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Projekten bieten die ensprechenden Exposés:
Platz 1: Dr. med. Irmgard Landgraf
Platz 2: Dr. Britta M. Hüning et al.
Platz 3: Dr. med. Heike Vogelsang et al.
Sonderpreis: Prof. Dr. Michael Linden

Quelle:
Pressemeldung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. (APS) vom 10.5.2019

cp/KWM
Bildquelle:
© Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS)

Hinterlassen Sie einen Kommentar