Attraktiver Arbeitgeber dank Teilzeit

Ärzte der Generation Y wünschen sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wer qualifizierte Mitarbeiter werben und langfristig halten will, muss auf diesem Gebiet punkten. Etwa mit Teilzeitmodellen, die es Angestellten ermöglichen, eine Familie zu gründen. Damit ließen sich in der Vergangenheit zwar vor allem weibliche Fachkräfte halten, doch in den jungen Generationen wollen sich zunehmend auch Männer ihrer Familie widmen. Das Angebot sollte deshalb gleichermaßen weibliche und männliche Angestellte berücksichtigen.

Beruf und Familie noch schlecht vereinbar

Derzeit wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) unter ihren Mitgliedern mehrheitlich als „schwierig“ eingestuft. 71 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, eine Vereinbarkeit sei nur mit Kompromissen möglich. Für viele weibliche DGHO-Mitglieder bestand der Kompromiss in der Entscheidung, kinderlos zu bleiben. Lediglich elf Prozent der befragten Ärztinnen und 12 Prozent ihrer männlichen Kollegen fanden, dass Beruf und Familie unter den jetzigen Bedingungen „eher gut“ bis „sehr gut“ vereinbar seien.

Besondere Bedeutung hat ein Umdenken in den Kliniken in einer Zeit, in der der Bedarf an Fachärzten steigt, sich aber gleichzeitig der Nachwuchsmangel verschärft. Im Bereich Hämatologie und Onkologie beispielsweise wird durch eine erwartete Zunahme an Krebsneuerkrankungen erheblicher Mehrbedarf entstehen. „Gleichzeitig wird aber etwa ein Viertel der derzeit tätigen Hämatologen und Onkologen in den Ruhestand gehen”, warnt Professor Diana Lüftner, Vorsitzende der DGHO, vor einer absehbaren Versorgungslücke. Fachrichtungsübergreifend waren Ende 2012 bundesweit bereits rund 6000 Medizinerstellen nicht besetzt, Tendenz steigend.

Attraktiv: Nach Elternzeit kommt Teilzeit

Die Notwendigkeit zu reagieren betont auch Professor Tanja Fehm, Direktorin der Frauenklinik an der Universitätsklinik Düsseldorf. „Wir müssen Arbeitsmodelle entwickeln, die es jungen Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, Familie und Beruf besser zu kombinieren und eine zeitnahe Rückkehr von jungen Müttern und Vätern in den Beruf erleichtern“, fordert sie. Langfristig werde man die Nachwuchsproblematik nur lösen können, wenn man den Bedürfnissen des ärztlichen Nachwuchses gerecht werde.

Bewährte Modelle: Zwei Köpfe, vier Hände, ein Job

Bei der Frage nach möglichen Teilzeitmodellen ist das einfachste Modell die Reduktion der täglichen Arbeitszeit auf vier oder sechs Stunden. Es funktioniert am besten in Bereichen mit klar einzugrenzendem Arbeitsaufkommen oder im Rahmen von Teamarbeit. Um eine übermäßige Arbeitsverdichtung oder Reduzierung auf Routinetätigkeit zu verhindern, sollte die Arbeitszeitkürzung mit einem Jobsharing kombiniert werden. Beim Jobsharing teilen zwei oder mehr Arbeitnehmer mindestens einen Arbeitsplatz unter sich auf. Das sichert dem Arbeitgeber die Erfahrung und das Wissen der Arbeitnehmer und Abstimmung untereinander bei komplexen Fällen. Allerdings sollte die Klinik damit rechnen, dass der Kommunikations- und Abstimmungsaufwand bei Jobsharern höher ist. Die DGHO fordert deshalb, für Teilzeitkräfte einen Zuschlag von zehn Prozent auf das Personalbudget einzuplanen.

Ebenfalls gängig ist die tageweise Tätigkeit oder die Blockteilzeit, bei der die Arbeit an zwei oder drei Tagen in der Woche geleistet wird. Alternativ kann eine Arbeitswoche gefolgt von einer arbeitsfreien Woche geleistet werden. In manchen Fällen ist das Sabbatical, auch „unsichtbare Teilzeit“ genannt, die passende Lösung. Einer Phase mit Vollzeit und Teilzeitbezahlung folgt anschließend eine Phase entsprechend bezahlter Freizeit. Und auch Mitarbeiter ausschließlich für Bereitschaftsdienst zu beschäftigen ist bewährt.

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am/KWM

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