Auf den demografischen Wandel folgt Wissensmanagement

Im Zuge des demografischen Wandels wird die Zahl der potenziell erwerbsfähigen Personen laut Angaben des Statistischen Bundesamts in den nächsten Jahren um ca. 30 Prozent zurückgehen. Übertragen auf das Gesundheitswesen bedeutet das: Von den derzeit etwa 4,7 Millionen Beschäftigten[1] fallen allein in der medizinischen Versorgung künftig knapp 1,5 Millionen weg. Die steigenden Patientenzahlen und Behandlungsbedarfe sowie die wachsenden Pflegeaufwände müssten nach dieser Prognose dann von nur noch 3,3 Millionen Angestellten bewältigt werden. Das ist in erster Linie ein Versorgungsproblem. Aber auch ein Fall für das Wissensmanagement.

Gesundheitswesen macht Demografiespirale offensichtlich

Das Gesundheitswesen repräsentiert die Folgen des demografischen Wandels so deutlich wie keine andere Branche. Immer weniger medizinische Fachkräfte müssen immer mehr (oft) ältere und multimorbide Patienten versorgen – und es fehlt weiterhin an Nachwuchskräften. Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass die Berufsattraktivität des Health Sector für die bereits zahlenmäßig unterlegene junge Generation sinkt.

Auf der Suche nach einer Lösung aus diesem Dilemma stößt man zwangsläufig auf das Wissensmanagement. Es setzt an den drei entscheidenden Stellschrauben an, mit denen sich der demografische Wandel abfedern und der drohende Versorgungsengpass potentiell abwenden lässt.

  1. Herausforderung: Arbeitsaufwände reduzieren

Ein Blick in die Prozesse und Abläufe eines Krankenhauses machen deutlich, wie hoch der administrative Aufwand für die Mitarbeiter ist. Die Folge: Die Beschäftigten können nur einen Bruchteil ihrer Zeit tatsächlich den Patienten widmen. Wissensmanagement kann auf den demografischen Wandel reagieren –  insbesondere im Zuge des digitalen Wandels, Routineaufgaben automatisieren. Das spart personelle und finanzielle Ressourcen. Die wichtigste Voraussetzung dafür sind digitale Daten. Einzelne Prozessschritte lassen sich nämlich nur dann intelligent vernetzen, wenn alle erforderlichen Prozessdaten in elektronischer Form vorliegen.

  1. Herausforderung: Wissensverluste vermeiden

Im Gesundheitswesen sind es nicht einzelne Mitarbeiter, die sich demnächst in den Ruhestand verabschieden, sondern eine ganze Flut. Größtenteils lassen sich diese nicht eins zu eins durch (jüngere) Beschäftigte aus zweierlei Gründen ersetzen: Zum einen geht nicht nur eine wertvolle Arbeitskraft verloren, sondern viel entscheidender ist der Wissensverlust, der sich durch den Abschied der Mitarbeiter verzeichnen lässt. Die ausscheidenden Fachkräfte verfügen über einen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz. Oftmals ist es genau dieses Wissen, dass die Klinikprozesse auch unter erschwerten Bedingungen sowie in Spitzenzeiten nicht unterbrechen lassen. Wissenssicherung, idealerweise in Form von moderierten Interviews, kann den Großteil dieses Wissensschatzes bewahren, damit das wertvolle Fachwissen der Babyboomer auch den nachfolgenden Generationen zugänglich wird.

  1. Herausforderung: Neues medizinisches Fachpersonal akquirieren

Wissenssicherung ist gut, aber neues Personal, die auf das Wissen zugreifen, noch besser. Kliniken und Krankenhäuser stehen zunehmend im Wettbewerb mit der Industrie und der freien Wirtschaft. Um mit diesen gleichwertig konkurrieren zu können, bedarf es vor allem einer Wissenskultur. Vertreter der Generationen Y und Z wollen auf Augenhöhe kommunizieren sowie Wertschätzung für ihre Arbeit und Meinung erfahren. Sie verstehen Fehler als mögliche Lernquelle und fordern aktiv eine konstruktive Feedbackkultur. Krankenhäuser müssen diese Rahmenbedingungen zunächst intern noch schaffen, um sie anschließend authentisch nach außen tragen zu können. So gelingt Employer Branding auch unter erschwerten demografischen Bedingungen.

 

Quelle:

[1] https://www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/pwc-das-deutsche-gesundheitswesen-auf-dem-pruefstand.pdf

nl/KWM

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