Aufsichts- und Verwaltungsrat in Gesundheits- und Sozialunternehmen

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Im Gesundheits- und Sozialbereich haben Aufsichts- und Verwaltungsräte, Kuratorien und Beiräte als Aufsichtsgremien im Vergleich zum Wirtschaftssektor noch keine lange Tradition. Die Antworten auf das Warum/Wozu erweitern die landläufige Auffassung, dass es um Prüfung, Aufsicht, Kontrolle gehe. Heute ist beziehungsweise steht mehr auf dem Spiel; was Bezugs- und Handlungsrahmen für diese Aufgaben sein soll, erfährt wachsende Bedeutung: Denn das Geschehen ist im Gesundheits- und Sozialsektor durch Vornahmen des Gesetzgebers auf allen Unternehmensebenen (Träger, Aufsichtsgremium, Management) komplexer geworden.

Versorgungssicherheit, Qualität, Bestehen im Wettbewerb verlangen Strategien bei gleichzeitig guter, regelgerechter und rechtssicherer Unternehmensführung (Corporate Governance). Dazu zwingt eine zum Beispiel eher restriktive Fördermittelpolitik zu höherem Einsatz von Eigenmitteln, entsprechend steht mehr auf dem Spiel und Risiken nehmen zu. Prägend bleibt jedoch, dass die Aufgabenerfüllung trotz schwieriger Bedingungen gesellschaftlichen und humanen Zwecken dient. Die damit gegebene Balance zwischen Ökonomie und Ethik, Risiko und Verantwortung muss zwangsläufig auf allen Ebenen gelingen.

Was ist der Auftrag von Aufsichtsgremien?

Folglich ist nicht mehr randständig, welchen Beitrag die Aufsichtsgremien von Gesundheits- und Sozialunternehmen – mit ihrer daseinsfürsorgenden und wertbesetzten Verpflichtung – über Prüfung, Aufsicht, Kontrolle hinaus ihrerseits leisten können und sollen. Im Gegenteil: Es gehört heute zu den genuinen Trägeraufgaben, die Bestellung von Aufsichtsgremien mit einem Auftrag zu verknüpfen, nämlich dass unter Maßgabe ziel- und qualitätsorientierter, bedarfsgerechter und verantwortungsbewusster Arbeit der Fortbestand der übernommenen, am Gemeinwesen orientierten Aufgabenerfüllung zugleich materiell und ethisch verankert sowie nachhaltig gesichert wird. Nimmt man diesen Bezugsrahmen ernst, zeitigt er allerdings substanzielle Konsequenzen für Konstruktion, Zusammensetzung, Arbeitsweise, Qualifikation und Aufgabenwahrnehmung von Aufsichtsgremien; dazu kommt, dass sich Rechte und Pflichten für Gremienmitglieder in den letzten Jahren deutlich präzisiert, zum Teilverschärft haben. All diese Aspekte zu bedenken und ihnen bei der Bestellung aber auch im Alltag der Gremien fundiert Rechnung zu tragen, ist für Träger und Aufsichtsgremien zweifelsohne nicht einfach. Folglich ist die Diskussion fortzusetzen, zumal hier abschließende Antworten im Gesundheits- und Sozialbereich auch noch nicht gefunden sind. Dennoch lohnen hierzu Befassung, Reflexion und Arbeit, sie sind herausfordernd, spannend, reizvoll – und für das Unternehmen, seine Ziele und Werte auf jeden Fall ertragreich.

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Buchtipp:
Halbe, B.; Schmid, R.
Aufsichts- und Verwaltungsrat in Gesundheits- und Sozialunternehmen
Aufgaben, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen
Medhochzwei Verlag, 2017

Autoren:
Professor Dr. Rudolf Schmid ist wissenschaftlicher Direktor der Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich mbH – (FOGS GmbH) und Autor verschiedener Titel im medhochzwei Verlag, zuletzt (gemeinsam mit Professor Dr. Bernd Halbe) „Aufsichts- und Verwaltungsrat in Gesundheits- und Sozialunternehmen – Aufgaben, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen“

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