Aus 2 mach 1 – Fachinformationen für das Hygienemanagement

©Thieme & Frohberg GmbH

Die beiden Fachzeitschriften Hygiene_managment und Hygiene & Medizin fusionierten – Erstere liefert Fachinformationen rund um die Aspekte der Aufbereitung von Medizinprodukten in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie ambulanten OP-Zentren und Letztere ist im deutschsprachigen Raum führend im Bereich der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Wir haben bei dem herausgebenden Verlag einmal nachgefragt, was der Anlass für diese Fusion war, welchen Mehrwert sie bietet und wie die generelle Bedeutung des Hygienemanagements einzuschätzen ist. Ein Interview mit Dr. med. Gudrun Westermann, Bereichsleitung Hygiene & Aufbereitung bei mhp_medien:

Die beiden Hygiene-Fachzeitschriften Hygiene_management und Hygiene & Medizin wurden zusammengeführt. Was war der Grund dafür?

Es ist keine Fusion im engeren Sinne, sondern Hygiene_management wird jetzt jeder Ausgabe Hygiene & Medizin als „Heft im Heft“ beigefügt. Beide Zeitschriften werden aber weiterhin von unterschiedlichen Herausgebern betreut. Die Leserschaft der Hygiene & Medizin besteht nicht nur aus Fachärzt*innen für Hygiene, sondern zu einem guten Teil auch aus Hygienefachkräften. Dieser Anteil hat sich aktuell noch erhöht, weil die Vereinigung der Hygienefachkräfte der Bundesrepublik Deutschland (VHD) seit Kurzem Hygiene & Medizin ebenfalls als Mitteilungsorgan nutzt. Für diesen Teil der Leserschaft sind praxisorientierte Artikel zur Unterstützung ihrer täglichen Arbeit besonders wichtig. Daher haben wir die praxisnahen Inhalte aus Hygiene_management auch allen Abonnenten der Hygiene & Medizin zugänglich gemacht.

Der Mehrwert, der sich dadurch der Leserschaft bietet, ist somit die Kombination aus Theorie und Praxis?

Ja, das lässt sich so sagen. Durch das „Heft im Heft“ erhalten jetzt sowohl die vertretenen Berufsgruppen als auch wissenschaftlich arbeitende Hygieniker*innen die Fachinformation, die für sie von hoher Relevanz sind. Für Hygienefachkräfte und Hygienemanager*innen in Arztpraxen sind wahrscheinlich die Fortbildungsreihen und Erfahrungsberichte von besonderem Interesse – aktuell beispielsweise zur Verbesserung der Compliance bei der Händehygiene. Zusätzlich profitiert die Leserschaft von den enthaltenen wissenschaftlichen Hauptarbeiten, die dem Peer-Review-Verfahren unterliegen und den Mitteilungen und Empfehlungen relevanter Fachgesellschaften. Dazu zählen zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaft (AWMF), der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) und die Ständige Arbeitsgemeinschaft Allgemeine und Krankenhaushygiene der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM).

Welche wichtigen Themen gibt es aktuell im Bereich Hygienemanagement – sowohl für Praxen als auch Krankenhäuser?

Natürlich ist momentan vieles bestimmt durch die Maßnahmen, die aufgrund der COVID-19-Pandemie umzusetzen sind, was Krankenhäuser und Praxen vor besondere Herausforderungen stellt. Die Maßnahmen als solche sind allerdings nicht neu, und zugrunde liegt immer das große Thema Compliance aufseiten des Personals wie der Patienten. Am wichtigsten für die korrekte und durchgängige Umsetzung von Maßnahmen ist das Verständnis des „Warum“. Die Sinnhaftigkeit und korrekte Umsetzung von Maßnahmen in diesem Sinne auf eine erklärende Basis zu stellen, gehört zu den Hauptaufgaben der Fortbildungsreihen in unseren Zeitschriften. Auch das Thema Überwachung geht in diese Richtung: Gesundheitseinrichtungen müssen auf Begehungen durch Behörden vorbereitet sein, andererseits müssen die Hygieneverantwortlichen einer Einrichtung durch eigene Begehungen oder interne Audits fortlaufend sicherstellen, dass die grundlegenden Vorgaben eingehalten werden.

Gibt es sichtbare Veränderungen im Hygienemanagement?

Sichtbar ist vor dem Hintergrund der aktuellen Situation eine verstärkte Wahrnehmung des Themas Hygiene allgemein, die sich teilweise auch in den behördlichen Vorgaben (z. B. zur Ausstattung mit Hygiene-Fachpersonal) niedergeschlagen hat. Zugenommen hat gerade im niedergelassenen Bereich sicher auch die Nutzung kompletter Hygienekonzepte von externen Dienstleistern, die sich dann um Themen wie Hygienepläne, Medizinprodukteaufbereitung oder Schutzausrüstung, sozusagen „aus einer Hand“ kümmern. Allerdings hat die Hygiene teilweise immer noch das Image eines kostenverursachenden, ungeliebten Themas. Hier wären in der Tat noch Veränderungen der Sichtweise notwendig.

Wie würden Sie die Bedeutung der Zeitschrift(en) im Vergleich „gestern und heute“ einschätzen?

Hygiene war und ist unter dem Gesichtspunkt Patientensicherheit die Basis jeder Tätigkeit und Maßnahme im Gesundheitswesen. Die Bedeutung der grundlegenden Hygienemaßnahmen hat eher wieder zugenommen, aktuell natürlich durch die COVID-19-Pandemie, die zu einer verstärkten Etablierung und Wahrnehmung von Hygienemaßnahmen in der breiten Bevölkerung beigetragen hat. Zudem stellen aber multiresistente, mit den verfügbaren Antibiotika teils nicht mehr behandelbare Mikroorganismen ein wachsendes Problem dar. Daher wird die Prävention von Infektionen durch Hygienemaßnahmen ihren Stellenwert gegenüber der Behandlung noch ausbauen.

Vielen Dank an Dr. Gudrun Westermann für das Interview!

Was passiert mit den laufenden Abos der Zeitschrift Hygiene_Management?

Für die Abonnenten der Zeitschrift ändert sich in diesem Jahr nicht viel. Anstelle der drei Ausgaben von Hygiene_Management erhalten sie sechs Ausgaben der Hygiene & Medizin zum gewohnten Preis. Allen, die von diesem Angebot keinen Gebrauch machen wollen und das Abo kündigen, schreibt der Verlag die nicht gelieferten Ausgaben von Hygiene_Management, gut.

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