Ausblick: Wie wissensintensiv wird 2021 für das Gesundheitswesen?

Wissensmanagement 2021

©Thieme & Frohberg GmbH

Mit 2020 liegt ein Jahr voller neuer Erfahrungen hinter uns. Persönlich. Beruflich. Und gesellschaftlich. Diese Erfahrungen prägen jeden Einzelnen, aber auch ganze Organisationen. Politik, Industrie und Wirtschaft gehen anders in den Jahreswechsel als in der Vergangenheit. Und das hat Auswirkungen für die Zukunft. Waren beispielsweise Home-Office-Modelle bis vor einigen Monaten noch die seltene Ausnahme, so sind sie in vielen Branchen mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Gleiches gilt im Gesundheitswesen für das Wissensmanagement. Daher liegt es nahe, dass vielen Kliniken ein besonders wissensintensives Jahr bevorsteht.

„Das haben wir doch schon immer so gemacht …“

Apps, mobile Devices und digitale Vernetzung? Wofür? Es gibt doch Kladde und Laufzettel! In der Vergangenheit zählte: „Das haben wir doch schon immer so gemacht“, zu den häufigsten – und schlagkräftigsten – Argumenten gegen innovative Wissensmanagement-Projekte. Neue IT-Lösungen kosten zunächst einmal Geld. Und die Einführung überarbeiteter Prozesse braucht Zeit. Jede Abweichung von der Routine bindet Ressourcen. Daher hatten Wissensmanagement-Verweigerer bzw. -Skeptiker bisher ein leichtes Spiel. Doch in den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, was noch viel teurer, ressourcen- und zeitintensiver ist: das Festhalten an längst überholten Prozessen.

Das DIVI-Intensivregister wäre ohne Wissensmanagement nicht möglich. Die Daten des RKI würden – traditionell übermittelt – nicht das Infektionsgeschehen vor ein oder zwei Wochen abbilden, sondern vor ein oder zwei Monaten. Und die Corona-Warn-App wäre ohne Wissensmanagement und Digitalisierung ein papiergebundener Anschlag am schwarzen Brett des nächstgelegenen Rathauses. Insbesondere digitales Wissensmanagement ist also gerade aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Zu groß sind die Datenmengen, die tagtäglich entstehen und verarbeitet werden müssen. Das ist nicht erst seit diesem Jahr so. Aber nie zuvor war es so offensichtlich wie im Pandemie-Jahr 2020.

Das Gesundheitswesen am Scheideweg

Das Gesundheitswesen befindet sich am Scheideweg. Quasi von heute auf morgen wurden Gesundheitsämter, Kliniken und alle damit verbundenen Institutionen hinein katapultiert ins digitale Zeitalter. Die globale Dimension des Infektionsgeschehens hat die Situation zusätzlich verschärft. Es ging nicht mehr darum, Daten von Hamburg nach München oder von Berlin nach Köln zu übertragen. Vielmehr musste das weltweite Informationsgeschehen transparent werden. Das ist gelungen. Im Vergleich zu anderen Projekten erstaunlich schnell und unkompliziert.

Oft liest man: „Die Welt nach Corona wird eine andere sein.“ Das gilt auch für das Wissensmanagement im Gesundheitswesen. Keiner wird die Notwendigkeit von Echtzeitdaten, Vernetzung und Collaboration mehr in Frage stellen. Weder lokal noch international. Dabei geht es nicht nur darum, die aktuelle Pandemie bestmöglich zu bewältigen und auf künftige Infektionswellen – welcher Art auch immer – optimal vorbereitet zu sein. Vielmehr steht die Qualität der Medizin im Fokus.

DMS, Collaboration, E-Learning & Search als künftige Top-Themen

Vernetzte Daten bündeln das Wissen weltweiter Experten. Das hilft nicht nur bei der aktuellen Suche nach einem Impfstoff, sondern auch bei der Therapie jedes einzelnen Patienten – und zwar unabhängig von Corona. Die Welt rückt folglich näher zusammen – zum Wohle der Patienten. Fachlicher Austausch wird künftig eine noch höhere Priorität haben. Aufgrund von Wissensmanagement und Digitalisierung kann er aber viel leichter gelingen als bisher. Collaboration-Plattformen machen vernetzte Zusammenarbeit möglich. Ohne Zeit und Geld für aufwändige Reisen zu vergeuden. Dieser Ansatz wird sich auch in der Weiterbildung bemerkbar machen. E-Learning-Formate sind im Gesundheitswesen auf dem Vormarsch. Online-Konferenz, Web-Kongresse und digitale Schulungsangebote werden Teil unseres Alltags sein. Dokumentenmanagement, Search-Lösungen, Collaboration und E-Learning sind daher diejenigen Wissensmanagement-Themen, die Krankenhäuser als erstes angehen werden, sobald sie wieder zum Tagesgeschäft übergehen.

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