Ausgezeichnetes Prozessmanagement im Krankenhaus

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In einer Klinik durchlaufen Patienten von der Aufnahme bis zu ihrer Entlassung verschiedene Stationen. Damit Untersuchungen, Operationen sowie therapeutische Maßnahmen zielgerichtet ineinandergreifen und Personal aufwandsentsprechend eingeplant werden kann, ist es wichtig, alle Teilschritte des Behandlungsprozesses zu kennen und aufeinander abzustimmen. In der Realität ist das oft nicht der Fall. Auch im Krankenhauses Lübbecke-Rahden sahen die Verantwortlichen Verbesserungsbedarf. Ein ursprünglich aus der Luftfahrt kommendes Software-Tool sorgt hier nun für mehr Transparenz der einzelnen Prozesse, eine kürzere Liegezeiten und eine höhere Patientenzufriedenheit.

Fehlende Transparenz kostet Geld

„Wie fast allen Kliniken in Deutschland fehlte auch uns die übergreifende Transparenz in Teilschritten im Gesamtprozess der Patientenbehandlung“, berichtet Krankenhaus-Geschäftsführerin Dr. Fuchs. Das ist jedoch wichtig, um etwaige Engpässe identifizieren zu können und Ressourcen entsprechend zu planen. „Dazu kamen gesetzliche Anforderungen an das Entlassmanagement, die wir mit einer besseren Prozesssteuerung verbinden wollten.“ Die Klinik beauftragte daher das Potsdamer Unternehmen Visality. Es sollte das von ihm entwickelte Healthcare Control Center (HCC) auf das Entlassmanagement der Klinik anpassen.

System aus der Luftfahrt für das Gesundheitswesen adaptiert

Das HCC ist die krankenhausspezifische Weiterentwicklung eines Hub Control Centers für die Steuerung von Flughafenprozessen, vom Betanken über den Gepäcktransport bis zur Passagierstromsteuerung. Im Krankenhaus sind alle Bereiche und Berufsgruppen ähnlich stark miteinander vernetzt. Wird zum Beispiel der Sozialdienst nicht rechtzeitig informiert und leitet die Weiterbetreuung des Patienten dadurch verspätet ein, kann dieser nicht pünktlich entlassen und das Bett nicht neu belegt werden. „Da kann der Chirurg noch so gut und pünktlich gearbeitet haben, mit diesem zu spät entlassenen Patienten wird das Krankenhaus tendenziell kein Geld verdienen. Darum müssen sich alle Prozesspartner im Krankenhaus als gleichberechtigt und gleichermaßen wichtig für die Erreichung einer optimalen Termintreue begreifen“, erläutert Visality-Geschäftsführer Dr. Emmermann.

Zielpunkt Entlassung: Was muss von wem in welcher Zeit geleistet werden?

Mithilfe des Tools werden alle für ein optimales Entlassmanagement nötigen Informationen systematisch zusammengezogen – beginnend mit der Einweisung und der Patientenaufnahme sowie der ersten Arbeitsdiagnose bis zur nachstationären Versorgung. „Dabei wird der Prozess vom Ende her gedacht. Der Termin der geplanten Entlassung ist der relevante Treiber, nach dem sich alles ausrichtet. „Hierfür müssen zunächst Meilensteine definiert werden“, erklärt Emmermann. Das heißt, es stellt sich die Frage: Welche Bereiche entlang des Behandlungspfads muss der Patient wann durchlaufen? Beziehungsweise welche Arbeitsschritte sind bis zu welchem Termin abzuschließen, damit eine Entlassung zum vorgesehenen Tag inklusive aller Unterlagen wie dem Arztbrief gewährleistet ist?

Software fordert und fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit

„Sieben Fallmanager arbeiten mit dem System. Sie nehmen an der interdisziplinären Teambesprechung teil, vergeben für jeden Meilenstein Zeitstempel und verfolgen, ob die nötigen Aktivitäten im Sinne der Patienten erfüllt werden. Verzögert sich ein Termin oder fehlt ein Dokument, wird dieser Engpass sofort im HCC-Tool in der Teambesprechungsmaske angezeigt. Die Gründe werden mit den beteiligten Berufsgruppen besprochen – und der Workflow wird entsprechend nachjustiert“, schildert Dr. Fuchs aus dem Krankenhausalltag. Dadurch werde auch die interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit gestärkt.

Kürzere Verweildauer und höhere Patientenzufriedenheit

Erste Nutzenmessungen auf den Stationen Allgemein- und Unfallchirurgie des Krankenhauses Lübbecke machten schon Erfolge sichtbar: So habe sich unter anderem die Verweildauer der durch das Tool gesteuerten Patienten ohne Veränderung des Leistungsspektrums im Durchschnitt um einen Tag verkürzt, beobachtet Dr. Fuchs. Zudem konnten die Patientinnen und Patienten während ihres gesamten Aufenthalts besser über den Verlauf und die Termine ihrer Behandlung informiert werden, was deren Zufriedenheit deutlich steigerte.

Projekt erhält Leipziger Preis für Krankenhauslogistik

Seit September 2018 läuft das System im Live-Betrieb im Krankenhaus Lübbecke-Rahden am Standort in Lübbecke. Es ist Teil des kommunalen Krankenhausverbunds Mühlenkreiskliniken, der in Rahden und Lübbecke eine Klinik unterhält. Die Klinik in Lübbecke mit 459 Betten versorgt mehr als 14.700 Patienten stationär und über 28.000 ambulant. Anfang Juni 2019 wurde das Projekt mit dem Leipziger Preis für Krankenhaushauslogistik ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird seit 2017 im Rahmen der med.Logistica vergeben und zeichnet besonders fortschrittliche, praktisch erprobte Logistikprojekte im Gesundheitswesen aus.

Quelle:
www.medlogistica.de

cp/KWM
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