Ausländische Pflegekräfte verlassen deutsche Kliniken oft wieder

Die Anzahl an ausländischen Pflegekräften in deutschen Kliniken steigt in den letzten Jahren kontinuierlich an. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2012 rund 1500 Gesundheits- und Krankenpfleger einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses gestellt. 2017 waren es bereits etwa 8800. Fakt ist jedoch auch, dass viele der angeworbenen Fachkräfte schnell wieder das Weite suchen. Oft zur Überraschung ihrer Arbeitgeber. Was läuft schief bei der Integration ausländischer Fachkräfte? Ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Projekt gibt Aufschluss darüber, woran eine längerfristige Zusammenarbeit oft scheitert.

Unterschiedliches Berufsverständnis

Neu migrierte Pflegefachkräfte haben oft eine andere Vorstellung davon, für welche Tätigkeiten sie zuständig sind und für welche nicht. So durchlaufen die Pflegefachkräfte in Deutschland mehrheitlich eine dreijährige Berufsausbildung und sind auch für grundpflegerische Tätigkeiten wie beispielsweise das Waschen von Patienten oder das Bettenmachen zuständig. Ausländische Fachkräfte haben jedoch in ihren Herkunftsländern meistens eine akademische Ausbildung absolviert. Sie arbeiten dort oft enger als hier mit den Ärzten zusammen und übernehmen mehr medizinnahe Tätigkeiten.

Mangelnde Einbindung und Wertschätzung

Des Weiteren zeigt die Studie, dass ausländische Pflegekräfte oft nicht gut ins Team integriert werden. So berichten nur 14 Prozent der Pflegekräfte mit Migrationshintergrund (unabhängig vom Qualifikationsgrad) über tägliche Besprechungen mit den direkten Vorgesetzten. Unter den deutschen Kollegen erklärten das 37 Prozent. Gleichzeitig empfinden die ausländischen Pflegekräfte die Wertschätzung seitens der Patienten und ihren Familien geringer und sehen sich häufiger Kritik ausgesetzt. Darüber hinaus führen Pflegekräfte mit Migrationshintergrund mit einem Anteil von 41 Prozent unter ihnen im Vergleich zu 18 Prozent der einheimischen Pflegekräfte signifikant häufiger wenigstens einmal die Woche unbezahlte Überstunden aus, heißt es in der Studie.

Ohne Hilfe aus dem Ausland wird es nicht gehen

Angesichts eines sich weiter zuspitzenden Fachkräftemangels werden deutsche Kliniken auch in Zukunft auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein. Bis 2025 werden wohl rund 150.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. Strategien für eine bessere Integration, um diese Mitarbeiter langfristig an die Einrichtung zu binden und das Arbeitsklima zu verbessern, tun daher Not.

Wie geht es besser? Anregungen auf dem Europäischen Gesundheitskongress!

Im Rahmen des Europäischen Gesundheitskongresses in München steht deshalb unter anderem das Thema „Pflegekräfte und Auszubildende anwerben und richtig integrieren“ auf dem Programm. Referieren werden dazu Theresa Dizon-De Vega, Botschafterin der Republik der Philippinen, Sigrid Rand, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Thorsten Rolfsmeier, Leiter des Geschäftsbereichs Internationaler Personalservice bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, Rubina Doglod, Pflegekraft an der München Klinik, und Amar Rahmanovic, ebenfalls Pflegekraft an der München Klinik.

Der Kongress findet am 26. und 27. September in München statt.

Quelle:
Sigrid Rand und Christa Larsen: Herausforderung und Gestaltung betrieblicher Integration von Pflegekräften aus dem Ausland – Einblicke aus der Krankenhauspraxis; Working Paper Forschungsförderung, Nr. 14, Februar 2019
Hildegard Theobald: Pflegearbeit in Deutschland, Japan und Schweden: Wie werden Pflegekräfte mit Migrationshintergrund und Männer in die Pflegearbeit einbezogen?
Study der Hans Böckler Stiftung, August 2018
www.gesundheitskongress.de

cp/KWM

 

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