Bauen für die Hygiene: Planungsempfehlungen für Kliniken

Broschüre Bauliche Hygiene im Klinikbau © BBSR

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Jährlich erkranken in Deutschland bis zu 500.000 Patienten an Krankenhausinfektionen; etwa 10.000 Menschen sterben daran. Der Schutz vor Krankenhauskeimen ist auch eine baulich-räumliche Frage: Was trägt zu hygienesicheren Untersuchungs- und Behandlungsräumen bei? Wie müssen Betriebsabläufe räumlich organisiert sein? Welche Anforderungen sind an das Material im Hygienebereich zu stellen? Diese Fragen beantwortet eine neue Broschüre der Forschungsinitiative Zukunft Bau, herausgegeben vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Neben Architekten und Planern erhalten auch Hygienebeauftragte und Klinikbetreiber mit der Broschüre praktisches Wissen und Planungsempfehlungen für die Bereiche der Operation, der Notfall- und Intensivmedizin. Aufgezeigt wird, wie baulich-funktionelle Abläufe im Krankenhaus hygienesicher optimiert, sinnvolle Materialien eingesetzt und dadurch neue Gebäudestrukturen effizient und nachhaltig gestaltet werden können.

Besonders sensibel: Der OP-Bereich

Im erst kürzlich veröffentlichten OP-Barometer erklärten sich viele OP-Mitarbeiter mit den Prozessen in ihrem Arbeitsbereich unzufrieden (wir berichteten) und würden sich selbst nicht in ihrer Klinik operieren lassen. Damit Arbeitsprozesse gut und unter Einhaltung hoher Hygienestandards ablaufen können, geben die Experten in der Broschüre konkrete Empfehlungen für die Anordnung von Räumen, deren Verbindung untereinander und der Ausstattung, wie zum Beispiel Folgendes:

  • Patienten, Mitarbeiter und Material sollten (unter Berücksichtigung der hygienerelevanten Abstufungen) durch separate Zugänge zum OP gelangen.
  • Hinsichtlich der Sterilgutversorgung, sollten sich die Ver- und Entsorgungsprozesse nicht überschneiden. Die Entsorgung findet im besten Fall über einen an den OP angrenzenden Raum mit separatem Anschluss an die Entsorgungseinheit statt. Die Versorgung des OPs ebenfalls über einen separaten Raum und einen Sterilgutflur.
  • Vor allem in Häusern mit einem heterogenen Versorgungsspektrum sollte es möglich sein, einzelne OP-Bereiche temporär abzutrennen.
  • Die räumliche Distanz zwischen Raum zur Einleitung beziehungsweise dem Aufwachraum und OP sollte möglichst gering sein.
  • Medizinisch-technische Geräte sollten möglichst wenig Bodenkontakt haben. Festinstallierte Geräte sollten deshalb möglichst an der Decke befestigt sein. Lagerflächen sollten außerhalb des OPs geplant und von dort gut erreichbar sein.

Broschüre vereint Experten- und Anwenderwissen

Die Broschüre ging aus einem interdisziplinären Forschungsprojekt unter der Leitung von Dr. Wolfgang Sunder (Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig) sowie Professorin Petra Gastmeier (Charité Berlin) hervor. Beteiligt waren zahlreiche Klinikbetreiber, Planer, Materialhersteller und Ausstatter. „Die Forschungsarbeit zeigt, dass Baukultur im Klinikbereich und Infektionsprävention Hand in Hand gehen müssen. Dank der vielen Praxispartner richten sich die Ergebnisse vor allem an Anwender. Weitergedacht helfen die Erkenntnisse aber auch, über hygienerelevante Orte im großen Maßstab wie Flughäfen oder auch intensiv genutzte Stadträume nachzudenken“, sagt Dr. Robert Kaltenbrunner, stellvertretender Leiter des BBSR.

Die Forschungsarbeit und Broschüre wurde von der Forschungsinitiative Zukunft Bau gefördert. Die Broschüre kann ab sofort kostenfrei bestellt (zb@bbr.bund.de) werden. Eine digitale Version ist unter www.forschungsinitiative.de abrufbar.

Quelle:
Bauen für die Hygiene: Orte der Heilkunst im Fokus der Infektionsprävention, Pressemeldung des BBSR, idw online 20.2.2018

cp/KWM
Bildquelle: © Studio Gi/Adobe.Stock.com und BBSR

 

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