Bessere Pflege dank vernetzter Forschungsdaten

Evidenzbasierte Pflege ist essentiell. Doch in der Praxis fehlt in der Regel schlichtweg die Zeit, um neueste Erkenntnisse zu recherchieren, zu evaluieren und für das eigene Tätigkeitsfeld zu adaptieren. Ein aktuelles Wissensmanagement-Projekt aus Österreich soll nun einen niedrigschwelligen Zugang zu relevantem Pflege-Know-how sichern.

Das Projekt OPINION Lab

OPINION Lab ist die Abkürzung für Open INovatIOn Nursing Lab und bedeutet – frei übersetzt – so viel wie „offenes innovatives Pflegeheim“. Offen und innovativ deshalb, weil es Forschung und Praxis optimal vernetzen soll, so dass alle Beteiligten profitieren und voneinander lernen: die Praxis von der Forschung ebenso wie die Forschung von der Praxis. Das gelingt, indem zunächst die Pflegekräfte einen einfachen Zugang zu neuen Forschungsdaten und den daraus gezogenen Erkenntnissen bekommen, um dieses Wissen direkt in die Pflegepraxis zu übernehmen. Auf der anderen Seite erhält die Forschung Zugang zur Praxis. Einzelne Wissenschaftler sind dafür vor Ort in der Pflegeeinrichtung – einerseits um Daten zu erheben, andererseits aber auch, um die bereits erzielten wissenschaftlichen Befunde in der Praxis zu erleben und die daraus generierten Erfahrungen wiederum in die Forschung einfließen zu lassen.

Durchgeführt wird das Projekt von der Med Uni Graz zusammen mit der Caritas Graz-Seckau sowie einer englischen und einer niederländischen Universität.

Pflegewissen: Der richtige Mix macht den Erfolg

Beteiligt am Projekt sind Wissenschaftler und Pflegeexperten aus mehreren Bereichen, mit verschiedenen Qualifikationen, mit unterschiedlichem Vorwissen und mit heterogenem Erfahrungshintergrund. Genau dieser Mix ist es, der das Projekt besonders erfolgreich machen soll: Diversity gilt mittlerweile in vielen Organisationen als Erfolgsrezept – im Projektmanagement ebenso wie in Forschungsclustern. Der Grund dafür liegt in der Besonderheit der Ressource Wissen, vor allem in den Bereichen, die einen hohen Anteil an implizitem Wissen aufweisen. Denn Erfahrungswissen ist bekanntermaßen personengebunden. Information wird erst auf Basis von Interpretation und in der Kombination mit dem eigenen Erfahrungshorizont zu Wissen. Je mehr erfahrene Personen zusammenarbeiten und je unterschiedlicher ihr Erfahrungshorizont ist, desto vielfältiger werden die möglichen Erkenntnisse, die in der Zusammenarbeit generiert werden. Schließlich ist Wissen – anders als andere Produktionsfaktoren – die einzige Ressource, die sich vermehrt, wenn man sie teilt.

Fünf Jahre Pflegewissen

Das Projekt OPIONION Lab ist im Frühsommer 2022 gestartet und auf insgesamt fünf Jahre angelegt. Nach einem ersten Kennenlernen und einer anschließenden Orientierungsphase folgt mit der Ist-Analyse die Hauptaufgabe des Vorhabens: Es werden Daten erhoben und analysiert, um daraus konkrete Methoden und Fragestellungen abzuleiten, die für eine moderne, evidenzbasierte Pflege essenziell sind und sich gleichzeitig barrierefrei in den komplexen Alltag des Pflegepersonals integrieren lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.