Roboter und Mensch: Sind hybride Pflegeteams die Zukunft?

© Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)

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Kürzlich berichteten wir hier über den möglichen Einsatz von Robotern in der Klinik. Während diese im OP schon etabliert sind und Chirurgen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen, werden sie in der Pflege jedoch kaum eingesetzt. Die Kinderklinik des UKSH am Campus Kiel hat diesen Schritt nun gewagt. Seit einigen Wochen kommt ein menschenähnlicher Roboter auf Station zum Einsatz. Der bereits weltweit aktive Roboter Zora soll hier sowohl junge stationäre Patienten als auch Pflegekräfte unterstützen. Und auch an der Universität Siegen entwickeln Wissenschaftler derzeit einen Roboter, der Altenpfleger zukünftig bei ihrer Arbeit unterstützen soll. Solche hybriden Pflegeteams könnten sie die Behandlungsqualität in Zukunft steigern ohne das menschliche Personal zusätzlich zu belasten.

Zora – Zorg Ouderen Revalidatie en Animatie

Der 59 Zentimeter große und rund viereinhalb Kilo schwere Roboter Zora wurde speziell an die Bedürfnisse in der Pflege angepasst. Im Rahmen des Projektes werden zunächst zwei Zoras am UKSH zum Einsatz kommen. Das niederländische Akronym steht für „Zorg Ouderen Revalidatie en Animatie“ und bedeutet Altenpflege, Rehabilitation und Animation. Der sehr kommunikative Roboter kann unter anderem bei Fitnessübungen motivieren, an die Einnahme von Medikamenten oder an die Flüssigkeitsaufnahme erinnern, über anstehende Ereignisse und Nachrichten informieren, singen, tanzen und Geschichten erzählen, heißt es in der Pressemeldung des Klinikums.

Ein Roboter für Jung und Alt

Die bereits vorhandenen Anwendungen für verschiedene Szenarien, die der Roboter enthält sollen nun für den Einsatz in der Klinik weiterentwickelt werden. Dazu arbeiten der deutsche Vertriebspartner der belgischen Herstellerfirma, die Kinderklinik und die IT des UKSH eng zusammen. Für den Projektstart ist geplant, dass Zora die Klinikclowns bei ihrer Visite auf den Stationen der Kinderklinik begleitet und unterstützt. Ziel ist es, Kindern eine Abwechslung vom Krankenhausalltag zu verschaffen und Berührungsängste abzubauen. In Kooperation mit der Physiotherapie soll der Roboter zudem helfen, Kindern therapeutische Übungen nahezubringen und sie dazu zu motivieren. Diese Einsatzmöglichkeit soll auch bei älteren Patienten auf der neurogeriatrischen Station der Klinik für Neurologie geprüft werden. Möglich ist zudem, dass Patienten mit Demenzerkrankungen von Zora profitieren können.

Gesprächspartner für Autisten und Übersetzungshilfe

Auch im Rahmen eines Autismus-Projektes an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II soll Zora zum Einsatz kommen. Da es Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen häufig leichter fällt, mit Dingen zu kommunizieren, wird Dr. Navah Kadish, Psychologin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II, prüfen, inwieweit der Roboter helfen kann, die Kinder bei ihrer Therapie zu unterstützen. Darüber hinaus sollen die 20 Sprachmodule, über die der Roboter verfügt, genutzt werden. Denkbar wäre, dass Zora durch einfache Übersetzertätigkeiten bei der Kommunikation mit ausländischen Patienten hilft.

„Die Digitalisierung bietet großartige Möglichkeiten für Innovationen in der Medizin“, erklärt Professor Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH und fügt hinzu: „Das UKSH möchte eine Vorreiterrolle einnehmen und gezielt hochmoderne Technik zum Wohl unserer Patienten einsetzen.“

Pepper, der neue Kollege im Altenheim

Auch an der Universität Siegen arbeiten WissenschaftlerInnen vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien sowie Studierende aus dem Masterstudiengang Human Computer Interaction (HCI) derzeit an der Entwicklung eines humanoiden Roboters, der in der Altenpflege zum Einsatz kommen soll. Pepper, so bislang sein Name, hat Sensoren am Kopf und an den Fingern, kann hören, sehen, sprechen und sogar Stimmlagen und Emotionen erkennen.

Damit er die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit bestmöglich unterstützen kann, arbeiten die Wissenschaftler vorallem daran, dass das Personal den Roboter einfach und schnell über eine App auf die Bedürfnisse der Patienten einstellen kann. Denn der Roboter muss sich gegenüber einer dementen Person zum Beispiel anders verhalten als bei jemanden, der nicht mehr gut gehen kann. „Das Ziel muss sein, dass Laien ohne Programmier- oder IT-Kenntnisse Pepper bedienen und konfigurieren können“, erklärt Projektleiter Dr. Rainer Wieching. Daran arbeiten er und sein Team.

Was noch für den Einsatz von Robotern im Klinikalltag spricht und warum hier ein gutes Wissensmanagement über Erfolg und Misserfolg eines solchen Vorhabens entscheidet, lesen Sie hier:

Medizin 4.0: Können Roboter den Pflegenotstand ausbremsen?

Quelle:
Deutschlandpremiere: Kinderklinik des UKSH am Campus Kiel setzt erstmals humanoide Roboter ein, Pressemeldung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein vom 14.7.2017
Pepper, der neue Kollege im Altenheim, Pressemeldung der Universität Siegen, idw online vom 17.8.2017

Bild im Header: Prof. Dr. Jens Scholz (l.), Vorstandsvorsitzender des UKSH, und Prof. Dr. Ulrich Stephani, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II, stellten Zora der Öffentlichkeit vor.

Bild im Beitrag: Michael Schütz (l.), Vorstandsmitglied der Förderstiftung, war ebenso begeistert vom kleinen sympathischen Roboter wie Klinikclown Dr. med. Wurst, Stefanie Fimm und Prof. Scholz.

cp/KWM
Bildquelle: © Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)

 

 

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