Big Data – Big Chance?

Big Data Medizin © natali_mis/Adobe.Stock.com

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Wenn Verantwortliche in Kliniken von Big Data hören, schlagen sie meist die Hände über dem Kopf zusammen. Noch mehr Daten sollen generiert und gespeichert werden? Man weiß schon heute gar nicht, wohin mit all den analog und digital vorliegenden Informationsbausteinen. Damit liegen sie jedoch falsch. Es geht gar nicht um das Horten von Daten. Vielmehr sollen aus den verfügbaren Datenmengen medizinisch verwertbare Erkenntnisse abgeleitet werden – mit dem Ziel, den Mitarbeitern valide Unterstützung für ihre Entscheidungsprozesse zu liefern.

Verborgene Wissensschätze heben

Big Data gehört zu den wichtigsten Bereichen des Wissensmanagements. Schließlich geht es darum, brachliegende Wissensschätze zu heben. Um Medizin und Forschung voranzubringen, braucht nichts Neues erfunden, sondern nur Bestehendes verwertbar gemacht werden. So geht es zum Beispiel darum, weltweit verfügbare Behandlungsdaten – sogenannte „Real World Data“ – zu vernetzen und IT-gestützt auszuwerten. Der Eingabe aktueller Diagnosewerte folgt dabei ein Abgleich mit Millionen anonymisierten Daten. Algorithmen werten das vorhandene Material aus, entdecken Muster und finden innerhalb kürzester Zeit erfolgreiche Behandlungsverläufe, die der eigenen Ausgangssituation entsprechen. Auf diese Weise wird die Therapie individueller und personalisierte Medizin zur gelebten Realität.

Wissen teilen ist Macht

Mit den weltweit verfügbaren Medizindaten hält das Gesundheitswesen einen Schatz von immensem Wert in den Händen. Um diesen tatsächlich nutzbar zu machen, bedarf es aber eines Paradigmenwechsels. Gerade in den traditionell hierarchisch aufgebauten Krankenhausstrukturen gilt noch immer Wissen als größtes Machtinstrument. Nicht selten behalten hoch dotierte und renommierte Chefärzte ihr Know-how gut unter Verschluss. Schließlich sichert es ihre Reputation und ihre Stellung im Klinikgefüge.

Doch das ist zu kurz gedacht. Wie viel mehr könnten sie von sich reden machen, wenn sie ihre Schatztruhen öffnen und ihr Know-how weltweit zur Verfügung stellen. Noch wehren sich „die alten Mächte“, doch der Druck wird größer. Im Sinne des Patientenwohls bleibt zu hoffen, dass die Mauern lieber heute als morgen fallen. Das bedeutet nicht nur, dass das Erfahrungswissen bereitwillig geteilt wird, sondern dass es einen weltweiten Austausch von Gesundheitsdaten gibt. Entsprechender Datenschutz natürlich vorausgesetzt.

Landes- und Sektorengrenzen überwinden

Um diesen Schritt zu gehen, braucht es entsprechend hochleistungsfähige und gleichzeitig sichere IT. Zudem müssen nicht nur Landesgrenzen überwunden, sondern – oft noch schwieriger – auch Sektorengrenzen bezwungen werden. Schließlich geht es nicht darum, wer am meisten weiß, sondern dass das für Therapien erforderliche Know-how jederzeit verfügbar ist.

Prävention muss in den Fokus rücken

Auch die von Wearables & Co. derzeit in großen Mengen generierten persönlichen Gesundheitsdaten spielen hier eine wichtige Rolle. Auch sie müssen in das weltweite Datengefüge integriert werden. Schließlich können sie maßgeblich dazu beitragen, Krankheiten noch vor ihrem Ausbruch zu erkennen. Allerdings fokussiert sich unser Gesundheitssystem derzeit noch vorrangig auf Kranke. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels muss der Prävention künftig eine viel höhere Bedeutung zukommen. Das entlastet die Mitarbeiter ebenso wie Kliniken und Krankenkassen.

nl/KWM
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