Big Data im Krankenhau: Status quo und Chancen

Big Data © Tashatuvango/ adobe.stock.com

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Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Sie gelten mittlerweile als vierter Produktionsfaktor – neben Arbeit, Boden und Kapital. In wissensintensiven Branchen, wie dem Gesundheitswesen, sind Daten längst zum wichtigen Wettbewerbskriterium geworden. Sie entscheiden maßgeblich über Erfolg und Wertschöpfung. Die gute Nachricht: Daten sind in Kliniken im Übermaß vorhanden. Und täglich kommen neue hinzu. Allerdings liegen sie oftmals noch brach. Sie zu erschließen und systematisch zu nutzen, ist eine der großen Herausforderungen auf dem Weg zum Krankenhaus 4.0.

Daten im Überfluss

Die Voraussetzungen für Big Data könnten nicht besser sein: Kliniken erheben und dokumentieren Unmengen an Daten. Und täglich kommen mehrere Gigabyte hinzu. Der Datenschatz wächst also kontinuierlich. Die Bandbreite reicht dabei von Patientendaten über Behandlungsverläufe bis hin zu Abrechnungsunterlagen. Es ist also alles vorhanden, was Wissensmanager, Datenexperten, Mediziner und Prozessoptimierer als Grundlage für ihre Datenarbeit benötigen. Allerdings hapert es an der Vernetzung. Heterogene Systemlandschaften und fehlende Schnittstellen führen zu mangelnder Vernetzung. Infolgedessen kann jeder Klinikmitarbeiter nur auf einen kleinen Ausschnitt der verfügbaren Daten zugreifen. Das große Ganze bleibt ihm verborgen. Und das, obwohl er daraus wesentliche Erkenntnisse ziehen könnte.

Mehrwerte für die Medizin

Medizinern würde ein ganzheitlicher Blick auf die Klinikdaten beispielsweise bei der Wahl der richtigen Behandlungsstrategie helfen. Bei unklaren Krankheitsbildern könnten sie andere Krankheitsverläufe als Vergleichsquelle nutzen – und daraus datenbasiert eine Diagnose ableiten. Das käme den Patienten zugute, aber auch den Ärzten. Denn viel zu oft fühlen sie sich bei dieser Aufgabe allein gelassen, wünschen sich eine zweite Meinung – oder aber Daten, auf die sie sich stützen und berufen können. Weiter gedacht ließen sich die Datenpools, anonymisiert versteht sich, auch öffnen und regional, national oder gar global bereitstellen. Auf diese Weise könnten Mediziner weltweit vom existierenden Datenschatz profitieren. Aber bis es soweit ist, müssen die Kliniken zunächst intern anfangen. Das heißt konkret: ihre Daten digitalisieren und erschließen.

Mehrwerte für administrative Prozesse

Aber nicht nur die Medizin profitiert von vernetzten Daten. Auch die Klinikabläufe werden dadurch optimiert. Stehen Prozessdaten in Echtzeit zur Verfügung, lassen sich Warte- und Behandlungszeiten besser kommunizieren oder sogar verringern. Zudem sorgen sie für effizientere Auslastung, direktere Zusammenarbeit und höhere Transparenz. Das alles führt zu einer nachhaltigen Verzahnung; Leerlaufzeiten werden ebenso vermieden wie redundante Arbeiten. Jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, was gerade zu tun ist und welche Aufgaben als nächstes anstehen. Das schont wertvolle Ressourcen und macht sich auch durch monetär Einsparungen bemerkbar.

Wer ist verantwortlich?

Momentan verfügen die meisten Krankenhäuser über eine ausgezeichnete Datenbasis, zumindest quantitativ. Diesen Datenschatz zu heben, ist die große Aufgabe und Herausforderung, um medizinisch auf höchstem Niveau arbeiten zu können und die Prozesskosten dabei gleichzeitig so gering wie möglich zu halten. Verantwortlich sind dafür bisher zumeist die internen IT-Experten. Oder ein Chefarzt. Häufig versuchen sie es gemeinsam. Doch um Big Data erfolgreich umsetzen und nachhaltig implementieren zu können, bedarf es einer zentralen Schnittstelle, an der alle Informationsfäden zusammenlaufen. Medizinisches Wissen, administrative Daten, IT-Anforderungen et cetera müssen durch einen Datenexperten oder – besser noch – einen Wissensmanager gebündelt werden. Er erstellt dann einen Anforderungskatalog, entwirft Einsatzszenarien und bringt diejenigen Köpfe an einen Tisch, die für eine Big-Data-Strategie erforderlich sind. Und er begleitet die Umsetzung – und zwar so lange, bis das neue Datenhandling jedem einzelnen Mitarbeiter in Fleisch und Blut übergegangen ist.

nl/KWM
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