Blackout im Krankenhaus: Mit Wissensmanagement effektiv vorbeugen!

© Thieme & Frohberg GmbH/ Blackout im Krankenhaus

Strom weg, Licht aus – und dann? Im Krankenhaus hat ein Blackout weitreichende Konsequenzen. Trotz Notstromversorgung sind weite Teile des medizinischen Apparats nicht dauerhaft gesichert. Was das bedeutet, zeigte ein Zwischenfall in Berlin-Köpenick Anfang 2019. Leitungsarbeiten führten hier zu einer Stromunterbrechung von mehr als 30 Stunden. Betroffen war auch das DRK-Krankenhaus: Es konnte keine neuen Patienten aufnehmen und lediglich Not-OPs durchführen. Wegen Spannungsschwankungen wurde die Intensivstation evakuiert. Die Gefahr eines Blackouts ist latent immer gegeben. Wie Kliniken im Ernstfall damit umgehen, hängt maßgeblich von ihrem Wissensmanagement ab.

Notfallmanagement: Brauchen wir das wirklich?

Kritische Situationen gibt es in Kliniken viele. Nur wenige sind allerdings so heikel wie ein Blackout. Denn während es bei anderen Bedrohungen, wie Cyberkriminalität, „lediglich“ um die Datensicherheit geht, steht bei einem längeren Stromausfall die gesamte Gesundheitsversorgung auf dem Spiel. Das macht einen strukturierten Notfallplan unumgänglich. Ziel ist es, die kritischen Klinikprozesse – und damit den Krankenhausbetrieb – trotz Blackouts aufrechtzuerhalten. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch von Service Continuity Management.

Kritische Klinikprozesse analysieren

Damit alle Beteiligten im Ernstfall wissen, was zu tun ist, bedarf es zunächst einer Prozessanalyse. Es gilt dabei zunächst, kritische Klinikprozesse zu analysieren. Im Fokus stehen diejenigen Aspekte,

  1. die einem Notfall – konkret einem Stromausfall – vorbeugen können (präventive Maßnahmen) und
  2. die im Notfall eine Fortführung der Prozesse gewährleisten können (Notfallbewältigung).

Dabei stehen auch die Fragen im Raum:

  • Wie wahrscheinlich ist ein solcher Notfall?
  • Und: Welche Auswirkungen hätte er?

BSI-Standard für das Notfallmanagement

Kliniken müssen folglich zunächst dafür sorgen, dass es erst gar nicht zum Stromausfall kommt. Im Fall von Berlin-Köpenick war das DRK-Krankenhaus allerdings machtlos, da Bauarbeiten den Schaden verursacht haben. Kommt es – wie in Berlin – doch zum Stromausfall, müssen Kliniken darauf vorbereitet sein, um die kritischen Prozesse schnellstmöglich wiederherzustellen.

Wie man hierbei systematisch vorgeht, beschreibt unter anderem der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelte Standard 100-4 [1]. Wichtig sind demzufolge unter anderem

  • die Verantwortlichkeiten: Wer initiiert den Sicherheitsprozess?
  • die Organisation: Wie ist der Sicherheitsprozess aufgebaut?
  • die Durchführung: Welche Bausteine gehören zu einem Sicherheitsprozess und wie werden sie umgesetzt?

Kommunikation als Erfolgsbaustein

Dabei ist es bei der Blackout-Prävention und -Notfallplanung wie bei allen anderen Wissensmanagement-Projekten auch: Neben der detaillierten Planung kommt es vor allem auf die Kommunikation an. Alle Beteiligten müssen wissen, was im Ernstfall zu tun ist, wen sie informieren sollen (Notfall-Informationskette) und wo sie relevante Informationen bzw. Hilfestellungen finden. Dieses Wissen muss permanent präsent sein – gerade, weil ein Blackout, im Vergleich zu anderen sicherheitsrelevanten Zwischenfällen, als eher unwahrscheinlich gilt. Regelmäßige Schulungen, Beiträge im Klinik-Intranet oder der krankenhausinternen Mitarbeiterzeitschrift helfen, für den Notfall gerüstet zu sein.

Ob das bei Ihnen der Fall ist, finden Sie durch ein paar wenige, sehr einfach Fragen heraus: Weiß zum Beispiel jeder Pfleger, wen er bei Stromausfall zuerst kontaktiert? Und – gerade, wenn kein Strom verfügbar ist – über welchen Kanal (Stichwort: permanent geladenes Notfall-Handy)? Oder: Wie überprüft man die Notstromversorgung? Ein Leitfaden „Was ist zu tun, wenn …“ hilft auch in Notsituationen, schnell zu handeln. Ein solches Dokument muss konkrete Handlungsanweisungen geben, einfach formuliert und immer & überall sofort zugreifbar sein.

nl/KWM

[1] https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/ITGrundschutz/ITGrundschutzStandards/Standard04/ITGStandard04_node.html

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