Brauchen wir eigentlich eine Digitalstrategie?

Digitalstrategie © itestro – Fotolia.com

© itestro – Fotolia.com

Schweden liegt, zumindest von Norddeutschland aus betrachtet, quasi nebenan. Und doch sind die Skandinavier uns meilenweit voraus. Zumindest dann, wenn es um die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht. Die smarte Vernetzung der verschiedenen Institutionen und Dienstleister ist dort kein Fernziel mehr, sondern längst gelebte Realität. Und auch bei uns gibt es Leuchtturmprojekte, wie die Unikliniken Hamburg-Eppendorf oder Frankfurt. Allerdings handelt es sich dabei – anders als in Schweden – um Ausnahmen. Noch.

Digitalisierung hat viele Facetten

Digitalisierung. Was ist das eigentlich? Geht es um das Einscannen von Papierdokumenten und die Umwandlung der klassischen Patientenunterlagen in eine E-Akte? Oder um den elektronischen Arztbrief? Oder sind damit smarte Helfer gemeint, die in Form von Pflegerobotern Medikamente aus der Krankenhaus-Apotheke auf die Station bringen und bettlägerigen Patienten beim Umdrehen oder Aufrichten helfen? Das alles sind tolle Beispiele, wo die Digitalisierung im Krankenhausbetrieb ansetzen kann. Um den digitalen Wandel tatsächlich zu vollziehen, bedarf es aber eines ganzheitlichen Vorgehens. Nur so wird es möglich, dass alle Daten und Prozesse ineinandergreifen und ihre Mehrwerte vollständig ausspielen können.

Digitalstrategien sind noch die Ausnahme

Auf den ersten Blick ist es ernüchternd, dass erst 26 Prozent der Krankenhäuser – also jede vierte Einrichtung – eine digitale Strategie festgelegt hat. Das ergab die Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft 2016“ der Personalberatung Rochus Mummert Healthcare Consulting. Verpasst unser Gesundheitssystem also den Trend hin zur Medizin 4.0? Und verlieren wir dadurch vielleicht sogar den Anschluss, gerade im Vergleich zu den innovativen Schweden und anderen smarten Vorreitern?

Die Uhr tickt

Noch ist es nicht zu spät, um auf den Digitalisierungszug aufzuspringen. Und die Zahl derjenigen Kliniken, die digitale Einzelprojekte bereits erfolgreich umsetzen, stimmt positiv. Laut der Rochus-Mummert-Studie waren das im vergangenen Jahr immerhin 56 Prozent und damit zehn Prozent mehr als noch im Jahr 2015. Bei lediglich fünf Prozent der Häuser ist die Digitalisierung bisher noch gar kein Thema. Es geht also aufwärts. Wir laufen in die richtige Richtung – und können den Zug noch bequem erreichen.

Aber es besteht durchaus dringender Handlungsbedarf – auch, um das medizinische Personal zu entlasten, die Patientensicherheit zu erhöhen und insgesamt wettbewerbsfähiger zu werden. Denn neue private Dienstleister drohen sonst, an etablierten Einrichtungen vorbeizuziehen. Erste Pilotprojekte können dabei durchaus als Einstieg in die Digitalisierung dienen – und den Weg für einen Roll-out der Digitalisierungsbestrebungen weisen. Vor allem in der Verwaltung, aber auch in der Diagnostik und Versorgung sehen die Krankenhausverantwortlichen immense Potenziale für die Digitalisierung und Automatisierung der Abläufe.

Digitalisierung funktioniert nur ganzheitlich, nicht punktuell

Die 26 Prozent der Kliniken mit einer Digitalstrategie sollten den übrigen 74 Prozent daher als Vorbild und Inspiration dienen. Denn ohne ein organisationsweites Konzept laufen die Bemühungen über kurz oder lang ins Leere. Eine klinikweite Suche, die nur auf das Wissen aus der Chirurgie zugreifen kann? Die Digitalisierung von Patientenakten, beschränkt auf die Gynäkologie? Oder die Einführung von Tablets ausschließlich in der Orthopädie? Das funktioniert nicht! Auch im Sinne eines ganzheitlichen Wissensmanagements gilt es natürlich immer, die Vorhaben in einem Pilotbereich zu testen. Aber stets mit dem Ziel, sie auf die gesamte Organisation auszudehnen. Und genauso verhält es sich auch bei der Digitalisierung.

nl/KWM
Bildquelle: © itestro – Fotolia.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar