Buchtipp: Das Gesundheitswesen im internationalen Vergleich

Entlassmanagement © El Gaucho/adobe.stock.com

© El Gaucho/adobe.stock.com

Mit Jens Spahn hat Mitte März ein neuer Gesundheitsminister sein Amt angetreten; Reformwillen im Gepäck. Wer Veränderungen im Gesundheitswesen anstoßen möchte, dem empfehlen Experten, den Blick über den Tellerrand zu werfen. „Denn Ländervergleiche können zeigen, welche Erfahrungen mit Reformvorschlägen andernorts gemacht worden sind“, erklärt Dr. Martin Schölkopf, Mitautor des Buches „Das Gesundheitswesen im internationalen Vergleich“, das im letzten Jahr in der dritten überarbeiteten Auflage erschienen ist. Eine lesenswerte Lektüre für alle, die das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Kontext betrachten möchten.

Die Autoren Dr. Martin Schölkopf und Dr. Holger Pressler liefern einen Überblick über die Gesundheitssysteme von über 30 Ländern und beleuchten abschließend die Gesundheitspolitik der Europäischen Union. Eingangs erklären sie, welche unterschiedlichen Typen von Gesundheitssystemen es gibt, um dann in kurzen Länderdarstellungen die Hauptmerkmale vorzustellen.

Organisation der Gesundheitsversorgung hier und anderswo

So gibt es Länder wie Großbritannien, deren medizinische Versorgung über einen nationalen Gesundheitsdienst (NHS) gewährleistet wird. Die Strukturen liegen in staatlicher Hand und werden aus Steuermitteln finanziert. Auch Irland, Portugal und Griechenland verfahren so. Spanien hingegen verfügt über einen regionalen Gesundheitsdienst, die skandinavischen Länder sind kommunal organisiert. Sozialversicherungssysteme wie in Deutschland sind bei unseren Nachbarn Frankreich und Österreich, aber auch in Japan der Status quo. Die Schweiz und die Niederlande organisieren ihre Gesundheitsversorgung über Kopfpauschalen einkommensunabhängig. Die USA haben als einziges westliches Industrieland keine umfassende und obligatorische Absicherung. Auch die Gesundheitssysteme in Mittel- und Osteuropa stellen die Autoren im Einzelnen vor. „Die Darstellung zeigt, dass es hier Krankenversicherungssysteme vorherrschen, die sich an dem Typ „Bismarck“ orientieren“, so die Autoren. Diesem liegt das Prinzip der Sozialversicherung zugrunde: Leistungsansprüche werden über Beiträge aus dem Lohneinkommen erworben, wie wir es in Deutschland von der Rente oder dem Arbeitslosengeld kennen.

Wie teuer ist Gesundheit im Vergleich?

Im Folgenden vergleichen die Autoren die verschiedenen Systeme in puncto Ausgaben und Finanzierung. Sie nehmen die stationäre Versorgung unter Lupe und liefern Zahlen und Fakten zur Personalausstattung der Krankenhäuser und der durchschnittlichen Verweildauer der Patienten. Auch über die ambulante ärztliche Versorgung und die Arzneimittelversorgung informiert das Buch.

Effizienz, Qualität und Nutzerorientierung: Wer bietet was?

Im siebten Kapitel tragen die Autoren schließlich zusammen, was die einzelnen Gesundheitssysteme für die jeweils eingesetzten Finanzmittel bieten und wie zufrieden auch die Bevölkerung mit dem Zugang und der Qualität der Versorgung ist. Trotz umfangreicher Aktualisierungen und Ergänzungen ändert sich das Fazit der Autoren zur Einordnung Deutschlands jedoch nicht: „Im Zugang zur medizinischen Versorgung liegt das deutsche Gesundheitswesen sicher weit vorn, bei der Qualität der Versorgung gibt es hingegen noch Luft nach oben!“

Das Buch:
Martin Schölkopf und Holger Pressel:
Das Gesundheitswesen im internationalen Vergleich
Gesundheitssystemvergleich und die europäische Gesundheitspolitik
Aus der Reihe: Health Care Management
Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 3. Auflage 2017

 

 

Die Autoren:
Dr. Martin Schölkopf studierte Politik- und Verwaltungswissenshaft an der Universität Konstanz. Dort promovierte er und war als Hochschulassistent tätig. Im März 2000 arbeitet er zunächst als Referent im Stabsbereich Politik der Deutschen Krankenhausgesellschaft. 2004 übernimmt er die Leitung des Referats „Finanzielle Grundsatzfragen der Sozialpolitik“ im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und soziale Sicherung. 2006 wird er Leiter des Referats „Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik, gesamtwirtschaftliche Aspekte des Gesundheitswesens“. Seit 2013 leitet er die Unterabteilung „Pflegesicherung“ im BMG. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (MBA Healthcare Management) und an der Charité-Universitätsmedizin Berlin (Masterstudiengang Consumer Health Care).

Dr. Holger Pressel studierte ebenfalls Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz. Seine Schwerpunkte legte er auf die Bereiche „Management“ und „Arbeit und Soziales“; seine Promotion erfolgte berufsbegleitend 2011. Zunächst war er bei der Fraunhofer-Gesellschaft, Institut für Arbeitsschaft und Organisation (FhG-IAO), tätig. Anschließend wechselte er zur AOK Baden-Württemberg, wo er in unterschiedlichen Funktionen tätig war und ist. Seit 2011 ist er dort Leiter des Referates „Politik“ und stellvertretender Leiter der Stabsstelle „Unternehmenskommunikation/Politik“. Der Autor zahlreicher wissenschaftlicher Aufsätze lehrt darüber hinaus an mehreren deutschen Hochschulen.

cp/KWM
Bildquelle: © El Gaucho/adobe.stock.com und MWV

Hinterlassen Sie einen Kommentar