Buchtipp: Impulse für den Klinikeinkauf der Zukunft

Buchcoverover Strategisches Einkaufsmanagement_Rahmen © Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

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Viel zu oft wird der Einkauf in Kliniken noch als Bestellabteilung verstanden. Dabei ist es in Zeiten des zunehmenden Kostendrucks dringend notwendig, die Wirtschaftlichkeit des eigenen Hauses zu sichern. Der Klinikeinkauf spielt hier eine entscheidende Rolle. Das Buch „Strategisches Einkaufsmanagement Krankenhaus“ zeigt, welche Schritte notwendig sind, dass der Einkauf einen Beitrag zur Wertschöpfungskette der Klinik leistet und nicht nur Daten verwaltet.

Vielerorts herrscht „Maverick Buying“

Nach Ansicht der Herausgeber Dr. Kerstin Stachel und Lennart Eltzholtz verlaufen die Einkaufsprozesse in vielen Kliniken bis heute unkoordiniert und oft richten sich Anschaffungen danach, was Ärzte, Pflegepersonal und Techniker für angemessen halten. „Im Fachjargon spricht man von ‚Maverick Buying‘“, erklären sie zu Beginn des Buches. Das treibt die Kosten unnötig in die Höhe. Nicht selten werden die gleichen Produkte im Haus parallel und noch dazu zu unterschiedlichen Preisen bestellt.

Bei öffentlichen Häusern kommt hinzu, dass sie an rechtliche Rahmenbedingungen gebunden sind, über die Mitarbeiter außerhalb des Einkaufs jedoch meist nicht informiert sind. Werden dann Anschaffungen getätigt, die zuvor mit dem Controlling nicht abgestimmt sind, kann es passieren, dass die Kosten nicht weiterberechnet werden können.

Der Weg aus dem Chaos: Zentralisieren und standardisieren

Zunächst raten die Experten zu ermitteln, wie der Einkauf im eigenen Haus derzeit handelt. Werden strategische Einkaufsthemen in der Geschäftsführung diskutiert? Findet ein regelmäßiger Austausch mit Ärzten und Pflegern über Beschaffungen statt? Wieviel Prozent der Materialien sind standardisiert? Erst wenn der Status quo geklärt ist, können Veränderungen zielgerichtet angegangen werden.

Stellschrauben kennen die Herausgeber und die Autoren, die sie für ihr Buch gewinnen konnten, viele: Sie benennen und erklären die Bausteine eines professionellen Einkaufs und zeigen die Handlungsfelder des strategischen Einkaufsmanagements auf. Darüber hinaus informieren sie über rechtliche Grundlagen wie Vergaberecht und Compliance und regen neue Wege zu gehen und über Möglichkeiten wie Einkaufsgemeinschaften und Beschaffungsverbände nachzudenken.

Best-Practice

Dazu gibt es viele Beispiele aus der Praxis, die zur Nachahmung anregen. So können einfache Preisaufkleber auf OP-Gütern die Sachkosten spürbar reduzieren. Durch die Kennzeichnung wird den Mitarbeitern gewahr, welche Kosten durch die Verwendung entstehen. Sie sind immer noch frei in ihrer Entscheidung, welches Produkt für den jeweiligen Patienten das richtige ist, wählen aber gegebenenfalls die gleichwertige, aber dennoch günstigere Variante. Auch das oft unnötige Öffnen von Sachmitteln kann so erfolgreich eingedämmt werden. So geschehen am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, dass seine Sachkosten durch diese vergleichsweise einfache Maßnahme um etwa sechs Prozent senken konnte.

Fazit: Wer sich grundsätzlich mit den Fragestellungen des Einkaufsmanagements beschäftigen will und umfangreiche Praxisbeispiele schätzt, dem sei dieses Buch empfohlen.

Die Herausgeber

Dr. Kerstin Stachel ist seit 2015 Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Magdeburg und Mitglied des Vorstandes. Zuvor war Dr. Kerstin Stachel Geschäftsbereichsleiterin Einkauf, Logistik und Personal des Universitätsklinikums Bonn.

Lennart Eltzholtz leitet seit 2016 den Bereich Portfoliomanagement und strategische Beratung bei der Sana Klinik Einkauf GmbH. Seit Oktober 2018 ist er zudem Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung. Zuvor war er Leiter Strategischer Einkauf und stellv. Abteilungsleiter Zentraler Einkauf am Universitätsklinikum Bonn AöR.

Kerstin Stachel und Lennart Eltzholz:
Strategisches Einkaufsmanagement Krankenhaus
Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Berlin, 2018

cp/KWM
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