Corona – Turbo für das Wissensmanagement?

Corona Wissensmanagement

©Thieme & Frohberg GmbH

Das DIVI-Intensivregister, die Corona-App oder die Bündelung verschiedener Expertisen bei der Suche nach einem Impfstoff über Plattformen wie ResearchGate – die Covid-19-Pandemie hat bewiesen, dass Wissensmanagement im Gesundheitssektor tatsächlich funktionieren kann. Die Bestrebungen nach mehr Transparenz, Vernetzung und Zusammenarbeit haben aber auch gezeigt, dass sich wissensintensive Prozesse aufgrund ihrer Komplexität mitunter nicht sofort fehlerfrei abbilden lassen. Beides sind Erkenntnisse, die sich auf die künftigen Wissensmanagement-Bestrebungen in Krankenhäusern und im gesamten Gesundheitswesen auswirken sollten – und hoffentlich auch werden.

Totschlagargumente haben ausgedient

„Wissensmanagement? Dafür haben wir keine Zeit. Das ist viel zu teuer. Und bringt unter dem Strich zu wenig.“ Derartige Totschlagargumente haben in der Vergangenheit auch ambitionierten Projektvorhaben den Garaus gemacht. Zu Unrecht. Schließlich sorgt Wissensmanagement dafür, neues Know-how zu erschließen und vorhandene Daten in Echtzeit verfügbar zu machen. Beides sind wichtige Aspekte, um evidenzbasiert entscheiden zu können. Bislang war allerdings oft nicht klar, welche Daten eigentlich existieren – und wie erfolgskritisch deren Verfügbarkeit ist. Nicht zuletzt das Melderegister zu freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten hat diesen Zusammenhang offensichtlich gemacht und sollte den Anstoß geben, weitere Daten zu vernetzen. Auch wenn diese Bemühungen nicht sofort in Heller und Pfennig messbar und sich der ROI nur zeitverzögert beziffern lässt.

Wie so oft im Wissensmanagement gilt auch hier: Nur wenn im Vorfeld Kennzahlen definiert werden, ist eine Erfolgsanalyse überhaupt realisierbar. Mögliche Verbesserungen in Folge von Wissensmanagement-Projekten zeigen sich zudem erst mit einem Abstand von ein bis zwei Jahren.

Fehlschläge sind ein Teil des Entwicklungsprozesses

Eigentlich ist es in der Medizin gang und gäbe, dass neue Erkenntnisse immer wieder überprüft und weiterentwickelt werden. Sackgassen gibt es nicht, nur Weggabelungen. Beim Wissensmanagement ist es genauso. Kein Krankenhaus-Informationssystem (KIS) funktioniert auf Anhieb reibungslos. Bei der Erstellung und Ablage digitaler Patientendaten hakt es manchmal. Und nicht jeder Mitarbeiter ist sofort begeistert von der neuen Art des Arbeitens. Aber das sind keine Gründe, das gesamte Projekt in Frage zu stellen. Wissensmanagement lebt von der kontinuierlichen Verbesserung.

Bekannt ist dieses Vorgehen übrigens aus der Automobilindustrie. Toyota hat mit seinem „Toyota Way“ ein Produktionssystem entwickelt, das zwar Standards setzt, aber darauf fußt, von den Mitarbeitern kontinuierlich verbessert zu werden. Diese Philosophie wird Kaizen genannt und setzt sich aus den japanischen Wörtern

  • kai“ =Veränderung oder Wandel und
  • „zen“ = zum Besseren

zusammen. Bis heute gilt Toyota als Vorreiter für dieses Vorgehen, mit dem das Unternehmen konstant erfolgreich am Markt performt.

Und genau so sollte Wissensmanagement auch im Gesundheitswesen verstanden werden: als Veränderung zu Besseren, als ein fit machen für die Herausforderungen von morgen und damit als ein Dienst für und am Patienten. Dass es im Ernstfall funktioniert, das haben die vielen Schnellschüsse während der Corona-Pandemie gezeigt. Obwohl sie quasi über Nacht geplant und nicht von Anfang an fehlerfrei umgesetzt wurden, haben sie doch nachhaltig dazu beigetragen, das Infektionsgeschehen zu monitoren, Transparenz herzustellen und Kompetenzen zu bündeln. Mittlerweile gibt es insgesamt 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte klinikübergreifende Verbundprojekte, die speziell auf den Kampf gegen Corona fokussieren. 150 Millionen Euro stehen dafür insgesamt bereit – eine Investition nicht nur in den Infektionsschutz, sondern auch in das Wissensmanagement.

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