Damit aus der Burnout-Gefahr kein Flächenbrand wird …

Ärzte und medizinisches Fachpersonal sind zunehmend überlastet. Schon vor der Corona-Pandemie waren viele von ihnen am Limit. Nach zwei Jahren Pandemie stehen sie kurz vor der Resignation. Tag und Nacht für das Wohl der Patienten im Einsatz – das zehrt an den Kräften. Dünne Personaldecken, Überstunden, fehlender Freizeitausgleich, mitunter schlechte Bezahlung und keine Möglichkeit, Beruf und Familie gut miteinander zu vereinbaren – während die einen umschulen oder in die freie Wirtschaft wechseln, drohen die verbleibenden Beschäftigten in den Burnout abzurutschen. Gezielte Gesundheitsprävention muss daher dringend auf die Tagesordnung – und ganz oben auf die Management-Agenda gesetzt werden. Anderenfalls ist die Patientenversorgung ernsthaft in Gefahr!

Absturz mit Ansage

Schon im Jahr 2018 warnte der Frontline Healthcare Report des Beratungshauses Bain & Company[1] davor, dass die Unzufriedenheit in deutschen Kliniken deutlich zugenommen hat und sogar „alarmierende Formen“ annimmt. Stand damals hätten 35 Prozent der Klinikärzte das Krankenhaus, in dem sie tätig sind, nicht an Freunde oder Bekannte als Behandlungsort weiterempfohlen. Zu wenig Personal, gekürzte Budgets und veraltete Medizingeräte machten es demnach fast unmöglich, den täglichen medizinischen Aufgaben, gepaart mit gesellschaftlichen Herausforderungen – wie dem demografischen Wandel oder der Rückkehr verschiedenster Infektionskrankheiten – adäquat zu begegnen.

Die Burnout-Gefahr steigt

Seit der Pandemie hat sich die Stimmung weiter verschlechtert. In einer aktuellen Studie des Gesundheitsdaten-Centers „Healthcare Information and Management Systems Society“ (HIMSS)[2] nimmt insbesondere die Burnout-Neigung im Gesundheitswesen deutlich zu. Demnach kennt fast ausnahmslos jeder im Gesundheitswesen Beschäftigte Erschöpfungszustände. In Deutschland haben sich die Symptome seit Pandemiebeginn bei knapp jedem Zweiten verschlimmert. Mediziner und Pflegekräfte hierzulande liegen damit im Mittelfeld: In Skandinavien rangiert der Wert bei 38 Prozent deutlich unter dem deutschen Durschnitt, in Frankreich mit 62 Prozent hingegen weit darüber.

Gründe für die permanente Überlastung

Studien zufolge steigt die Burnout-Gefahr bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden deutlich an. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten hierzulande oft wesentlich mehr. Vor allem die zunehmenden Dokumentationspflichten binden die Ressourcen der Beschäftigten. Drei Viertel der Pfleger und mehr als 80 Prozent der Ärzte sehen laut HIMSS-Studie in den administrativen Aufgaben einen der Hauptgründe für Überlastungssituationen und die daraus resultierenden Erschöpfungszustände.

Dringender Handlungsbedarf

Kliniken müssen jetzt aktiv werden! Zunächst gilt es, die akute Belastung zu reduzieren. Gezieltes betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann dem einzelnen Arbeitnehmer helfen, Überforderungen zu erkennen und zu durchbrechen. Allerdings gelingt das nur, wenn die organisationalen Rahmenbedingungen das auch zulassen – also eine Verkürzung der Arbeitszeit oder der Abbau von Überstunden möglich ist. Zudem gilt es, die administrativen Aufgaben deutlich zu reduzieren. Natürlich lassen sich die gesetzlichen Vorgaben nicht umgehen. Allerdings bietet die Digitalisierung die richtigen Werkzeuge, um die entsprechenden Prozesse weitgehend zu automatisieren und damit von menschlichem Eingreifen zu entkoppeln. Zusätzlich müssen dringend neue Fachkräfte angeworben werden. Allerdings hängen Digitalisierung und Employer Branding direkt zusammen. Erst wenn es die Krankenhäuser schaffen, die Arbeitsbelastung durch Digitalisierung zu verringern und arbeitnehmerfreundlichere Bedingungen zu schaffen, werden sie auch für neues Personal wieder interessant.


Quellen:

[1] https://www.bain.com/de/insights/europe-front-line-of-healthcare-report-2018/

[2] https://www.nuance.com/de-de/healthcare/campaign/whitepaper/overload-to-burnout.html?cid=7010W000002LGQIQA4&utm_campaign=EHP-AO-2021-HIMSS_WP_Overload_DACH_Digital_Surround&utm_medium=Organic&utm_source=whats_next

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