Das Gesundheitswesen schneller digitalisieren. Geht das?

Bei der Digitalisierung gilt Deutschland nicht als Vorreiter. Im Gegenteil! Verschiedene Studien – unter anderem vom Digitalverband Bitkom und der Boston Consulting Group – kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Etwa ein Drittel der hiesigen Unternehmen gelten als digitale Nachzügler und drohen, den Anschluss zu verlieren. Vor allem der Mittelstand hinkt vielerorts hinterher. Und ganz besonders das Gesundheitswesen. Während in anderen Ländern smarte E-Health-Tools die Arbeit in Krankenhäusern & Co. revolutionieren, wenden sich innovative Start-ups mehr und mehr vom deutschen Markt ab. Grund dafür sind insbesondere die schwierigen Rahmen- und Zulassungsbedingungen. Ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördertes Projekt will den Marktzugang nun deutlich erleichtern.

Wo bleiben die Health-Innovationen?

Health-Startups gibt es wie Sand am Meer. Das mit mehr als 900 Millionen US-Dollar am besten finanzierte Unternehmen „Olive“ fokussiert auf Prozessverbesserungen bei den verschiedensten Arbeitsschritten im Gesundheitswesen, angefangen beim Auftragsmanagement bis hin zur Anspruchsprüfung. Olive ist in den USA ansässig. Und auch das zweitplatzierte Startup stammt aus dem angelsächsischen Raum: Das britische Unternehmen Babylon vernetzt Patienten und medizinisches Fachpersonal über mobile Anwendungen. Finanzierungssumme: 835 Millionen US-Dollar. Mit Insitro, Zymergen und Feenom – allesamt Spezialisten für Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen – folgen weitere US-amerikanische Startups auf den vorderen Plätzen. Erst auf Rang 22 – und damit weit abgeschlagen – ist das erste deutsche Health-Startup gelistet. Woran liegt das?

Schwierige Rahmenbedingungen wirken abschreckend

Damit ein E-Health-Produkt in Deutschland zugelassen wird, muss es zunächst unter Realbedingungen getestet werden. Darüber hinaus bedarf es einer aufwändigen wissenschaftlichen Evaluation, um Versorgungsverträge mit beispielsweise Krankenkassen schließen zu können. Dieser Prozess ist zeit- und kostenintensiv. Zudem hängen Finanzierungsfragen in der Regel eng mit der Aussicht auf Zulassung zusammen. Doch ohne entsprechende Budgets kommen Startups gar nicht erst in die Nähe einer möglichen Zulassung. Daher lassen viele innovative Unternehmen lieber die Finger vom Gesundheitswesen oder realisieren ihre Ideen im Ausland.

Health Reality Lab Network: Das Innovationspotenzial im eigenen Land halten

Das Innovationspotenzial im eigenen Land zu halten, hat sich das Projekt „Health Reality Lab Network“ (HLaN) auf die Fahnen geschrieben. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ermöglicht es Startups einen einfacheren und überschaubaren Weg zur Zulassung, indem es ein so genanntes Reallabor schafft. Innovative Unternehmen habe hier die Möglichkeit, ihre E-Heath-Produkte unter Realbedingungen zu testen und wissenschaftlich zu evaluieren. Ausgewählte Krankenkassen, Arbeitgeber und andere Stakeholder unterstützen diesen Prozess und engagieren sich aktiv, um alle für die Zulassung erforderlichen Daten zu generieren.

Übrigens: Auch Ada Health – das auf Rang 22 platzierte Startup – ist Teil des HLaN-Projekts. Die Ada-App kann auf Basis von typischen Anamnesefragen und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sowie maschinellem Lernen analysieren, wie dringlich ein Arztbesuch wirklich ist.

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