Das smarte Krankenhaus: Zu Besuch im Klinikum der Zukunft

Smartes Krankenhaus © zapp2photo/ Adobe.Stock.com

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Roboter fahren über den Flur und assistieren ihren menschlichen Kollegen bei der Visite. Mit einem Blick auf ihr Smartphone sehen die Mitarbeiter, welche Betten gerade frisch gereinigt sind oder in welchem Raum sich das mobile Ultraschallgerät derzeit befindet und ob es momentan frei ist. Über ein Kiosksystem bestellen Patienten Zeitschriften oder Süßwaren und stehen über Videochats mit Freunden und Familie in Kontakt. Auf dem Weg in die Gesellschaft 4.0 muss sich auch die Kliniklandschaft verändern. Digital und computergestützt rückt das smarte Krankenhaus den Menschen wieder in den Mittelpunkt. Das Personal wird entlastet und hat mehr Zeit für den Patienten. Im Kampf gegen den demografischen Wandel ist der Weg hin zum „Smart Hospital“ sogar alternativlos.

Smart Factory als Vorbild

Der technische Fortschritt ist unaufhaltsam. In der Industrie nimmt er in Form der „Smart Factory“ bereits Gestalt an. Die damit verbundenen Hoffnungen und Chancen sind immens – und lassen sich auch auf das Gesundheitswesen übertragen. Die Digitalisierung gilt als größte Herausforderung der Wissensgesellschaft. Sie vereint die Tools und Methoden des Wissensmanagements und kombiniert sie mit intelligenter IT. Doch wie wirkt sich das im smarten Krankenhaus konkret aus?

Entlastung: Smarte Assistenten machen Prozesse effizienter

Die Wende hin zur „Klinik der Zukunft“ setzt auf zwei Ebenen an: Zum einen geht es um Prozessoptimierungen – mit dem Ziel, die Abläufe durch smarte Assistenten effizienter zu gestalten und auf diese Weise das wertvolle Personal nachhaltig zu entlasten. So wird der Fachkräftemangel entschärft und den Mitarbeitern bleibt wieder mehr Zeit für die Patienten. Schon heute gibt es robotergestützte Laborstrecken, digital gesteuerte Medikamentenvergaben und künstliche Intelligenz (KI) im OP. Künftig sollen solche Service-Roboter weitere Assistenzaufgaben übernehmen. Zum Beispiel schwere körperliche Tätigkeiten in der Pflege oder dokumentierende Arbeiten, die parallel zum Klinikalltag anfallen und wertvolle Ressourcen binden. Auch logistische Aufgaben können sie erledigen. Im Call Center sollen sie vermehrt zum Einsatz kommen. Zudem helfen sie bei der Lokalisierung mobiler Medizingeräte.

Präzision: Kognitive Computersysteme verbessern Diagnostik und Therapie

Die Digitalisierung fokussiert sich zudem auf die stetige Verbesserung von Diagnostik und Therapie. Auf Basis von Big Data soll und kann es gelingen, noch fundiertere Aussagen zum individuellen Krankheitsverlauf zu treffen. Voraussetzung dafür sind kognitive Computersysteme, die alle verfügbaren Daten vergleichen, Muster erkennen und damit valide Entscheidungsgrundlagen liefern (Stichwort: Maschinelles Lernen). Dabei geht es insbesondere um das Durchforsten weltweiter Datenbanken nach vergleichbaren oder auch abweichenden Fällen.

Die kontinuierliche Erhebung und Auswertung von Daten kann aber noch viel mehr leisten. So können Wearables Vitaldaten rund um die Uhr verarbeiten. Bei gesunden Menschen helfen solche smarten Tools bei der Früherkennung von Krankheiten. Sie schlagen Alarm, sobald Unregelmäßigkeiten auftreten – und zwar lange bevor die betroffene Person überhaupt Symptome zeigt. Und auch im Krankenhaus selbst können Wearables bei der Überwachung wertvolle Dienste leisten, ohne dass sie Patient oder Personal belasten. Quasi nebenbei werden alle Informationen nicht nur dokumentiert, sondern auch analysiert. In Form einer Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (Stichwort: Industrie 4.0 bzw. Internet of Things, IoT) interagieren solche smarten Helfer mit der intelligent vernetzten Medizintechnik im Krankenhaus.

Digitale Daten und vollständige Vernetzung als Voraussetzungen

Und genau damit sind wir bei den Voraussetzungen: Die Mehrwerte von Big Data lassen sich nur erschließen und nutzen, wenn die entsprechenden Informationen digital vorliegen und optimal vernetzt sind. Als wichtigste Basis für den Weg ins „Smart Hospital“ gilt daher die elektronische Patientenakte. Sie ist der erste Schritt. Hinzu kommen intelligente Schnittstellen und ein Telemedizinnetz, das die Daten auf sicherem Weg verfügbar macht und ihren Echtzeitaustausch ermöglicht. Zudem müssen medizintechnische Geräte mit Bluetooth- und WiFi-Funktionen ausgestattet sein, um eine Vernetzung zu gewährleisten und Interaktion zuzulassen.

Digitalisierungsprojekte erfordern Überzeugungsarbeit

Und schließlich bedarf es Überzeugungsarbeit, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch tatsächlich zu nutzen. Im stressigen Klinikalltag wird jede Veränderung zunächst zur Mehrbelastung. Das gilt umso mehr, wenn neue Prozesse bisherige Routinen ablösen oder sogar einen Schulungsbedarf nach sich ziehen. Hier ist das Klinikmanagement gefordert, insbesondere Digitalisierungsprojekte aktiv zu promoten und Überzeugungsarbeit zu leisten. Zudem müssen die Verantwortlichen die erforderlichen Freiräume schaffen, damit sich ihr Personal mit den Veränderungen auseinandersetzen kann. Nur so wird der Change hin zum „Smart Hospital“ gelingen – und mit ihm die Bewältigung des demografischen Wandels.

nl/KWM
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Ein Kommentar auf “Das smarte Krankenhaus: Zu Besuch im Klinikum der Zukunft”

  1. Jürgen Läkemäker sagt:

    Ohne Digitalisierung und damit verbundene Hilfsmittel ist der Pflegenotstand nicht zu bewältigen.

    Digitalisierung in der Pflege hilft, Arbeitsprozesse zu optimieren.

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