Das wettbewerbsfähige Krankenhaus – Worauf es ankommt!

Wettbewerb © Martin Schlecht – Fotolia.com

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Krankenhäuser stehen aktuell vor vielfältigen Herausforderungen. Einerseits sehen sie sich einer wachsenden Anzahl älterer versorgungsintensiver Patienten gegenüber. Andererseits bleiben viele ausgeschriebene Stellen in Pflege und Medizin unbesetzt. Neue Mitarbeiter fordern zudem bessere Rahmenbedingungen für sich ein: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bessere Karrieremöglichkeiten oder ein teamorientierter Führungsstil werden immer wichtiger. Gleichzeitig müssen schwarze Zahlen geschrieben, dringend notwendige Investitionen getätigt und die Qualität verbessert werden. Angesichts dieser Herausforderungen bedarf es einer grundlegenden strukturellen Veränderung, sonst bleiben Kliniken und mit ihnen die Patientenversorgung auf der Strecke. Worauf es in Zukunft ankommt, erklärt Professor Wolfgang Hellmann in der Fachzeitschrift „Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement“.

Damit Kliniken am Markt bestehen können, müssen heute existierende Systeme kontinuierlich hinterfragt und neu justiert werden, erklärt der Gründer der Akademie für Management im Gesundheitswesen e.V. und fordert in diesem Zusammenhang die Verantwortlichen dazu auf, die folgenden Punkte zu berücksichtigen.

Eine neue Sicht auf Kundenorientierung

Nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeiter und Einweiser sind Kunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen, die es zu berücksichtigen gilt. Kontinuierlich muss sich eine Klinik fragen, was brauchen sie und wie kann ich den Wünschen Rechnung tragen.

Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit schaffen

Im Krankenhaus treffen unterschiedliche Berufsgruppen zusammen, die sich in Bildungshintergrund und Interessen unterscheiden. Das birgt Konfliktpotenzial, welches die Zusammenarbeit mitunter behindert. Es sollte deshalb im Interesse der Klinikleitung liegen, eine gute Dialogkultur in der Einrichtung zu etablieren, die auf Vertrauen, Respekt und Transparenz basiert. „Wesentliches Merkmal ist die Erkenntnis, dass alle externen und internen Kunden des Krankenhauses gleichberechtigte Partner sind. Maxime ist Wertschätzung und Respekt vor dem jeweils anderen“, erklärt Professor Hellmann. Leitmotiv muss sein: „Kooperation statt Konfrontation“. Nur so kann eine enge Zusammenarbeit zwischen Krankenhausleitung, Verwaltung, Chefärzten und Mitarbeitern gelingen, was sich positiv auf die Patientenversorgung auswirkt.

Gute Zusammenarbeit gezielt fördern

Die Zusammenarbeit im Krankenhaus übergreifend zu strukturieren und zu organisieren ist Aufgabe der Geschäftsführung. Damit das eigene Krankenhaus wettbewerbsfähig bleiben kann, ist es entscheidend, dass jeder im Rahmen seines Aufgabengebiets und seiner Kompetenzen entsprechend seinen Beitrag zur gemeinsamen Managementverantwortung leistet. Dabei sollte nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen, sondern die Verbesserung der Versorgungsqualität. Letzteres kann nur erreicht werden, wenn die verschiedenen Berufsgruppen gemeinsam agieren und eigene Kompetenzansprüche für das gemeinsame Ziel zurückstellen, betont Professor Hellmann.

Weg von der funktionalen, hin zu einer prozessorientierten Organisation

Bislang sind deutsche Kliniken in erster Linie in chefarztgeführte Fachabteilungen gegliedert. Ziel einer prozessorientierten Organisation ist es hingegen, abteilungsübergreifend zusammengehörende Abläufe zu identifizieren. Laut Professor Hellman führe die intensivierte Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen im Krankenhaus zu einer Verbesserung der medizinischen Leistungen und Services. Im Rahmen der Betreuung alter und dementer Patienten zeige sich schon heute die Bedeutung des beschriebenen prozessorientierten Ansatzes. Um dieses wachsende Patientenklientel umfassend versorgen zu können, werden immer mehr interdisziplinäre Behandlungszentren geschaffen.

Dabei sei die Implementierung prozessorientierter Strukturen in großen Krankenhäusern wie Universitätskliniken, schwieriger als in kleinen Häusern. Eine geringere Anzahl von Fachabteilungen und einer damit verbundenen erleichterten Kommunikation begünstige die Zusammenarbeit zwischen den vorhandenen Fachabteilungen, so Hellmann. Davon unabhängig sei es in Krankenhäusern „jeder“ Größe möglich, erfolgreich Prozessorientierung umzusetzen.

Eine neue Sicht auf die Qualität

Letztlich sollte jedoch die Versorgungsqualität oberste Priorität haben. Dieser Forderung versucht nicht zuletzt das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) Rechnung zu tragen. Gute Qualität soll demnach honoriert werden. Bislang fehlen jedoch konkrete Qualitätskategorien und Qualitätsindikatoren. Hier sieht Professor Hellmann einschlägige Institutionen wie den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sowie das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) in der Pflicht. „Hier besteht umfassender Nachlieferungsbedarf, um (wie angekündigt) gute Qualität belohnen und schlechte Qualität sanktionieren zu können“, so Hellmann.

Lesen Sie auch hier im KWM-Blog den Beitrag von Professor Hellmann Qualität als Wettbewerbsvorteil für kommunale Krankenhäuser: Was möglich ist!

Quelle:
Wolfgang Hellmann:
Das wettbewerbsfähige Krankenhaus: Worauf es ankommt
Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement, online erschienen am 9.6.2017
DOI: 10.1055/s-0043-109898
Georg Thieme Verlag, 2017.

cp/KWM
Bildquelle: Martin Schlecht – Fotolia.com

 

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