Daten-Debatte: Chancen und Risiken von Big Data und E-Health

Big Data © wladimir1804 – Fotolia.com

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Das Gesundheitswesen betrifft wie kaum ein anderer Themenbereich das Leben jedes Menschen unmittelbar. Dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen, die mit dem Einsatz digitaler Technologien in der Medizin verbunden sind. Telemedizin, datenbasierte Gesundheitsanalysen, Health-Apps und tragbare Geräte zur individuellen Gesundheitskontrolle – immer mehr Gesundheitsleistungen werden auf Basis derartiger Dienste und Strukturen angeboten. Diese Entwicklung verspricht nicht nur enorme Qualitätssteigerungen in der Gesundheitsversorgung. Sie eröffnet auch neue Märkte für wirtschaftliches Wachstum. Die Chancen sind zu groß, um sie nicht aufzugreifen.

Doch geht es im Gesundheitsbereich auch um Essentielles, nämlich um ein Eindringen in die privateste Zone des Menschen, in den Bereich des eigenen Körpers. Fragen des Datenschutzes und zur Sicherheit der Informationstechnologie beschäftigen daher mittlerweile auch medizinische Einrichtungen deutlich stärker als früher. Praxisverwaltungssysteme mit umfangreichen Erfassungsmöglichkeiten, elektronische Gesundheitskarten und Patientenakten, Ausbreitung telemedizinischer Verfahren, Einsatz von Videokonferenztechnik bei Ferndiagnosen, Nutzung von Cloud Computing und weiteres mehr. Dementsprechend vielfältig sind auch die Fragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens: Wie zuverlässig sind digitale Lösungsansätze im Gesundheitsbereich? Wie entwickelt sich zukünftig das Arzt-Patienten-Verhältnis? Welche gesellschaftlichen Folgen kann die aufkommende Kultur der Selbstvermessung haben?

Der Umgang mit Gesundheitsdaten erfasst diverse Sachbereiche. Zur Einordnung ist daher ein breitgefächerter Blick notwendig. Zum einen muss aus der Perspektive der praktischen Umsetzbarkeit gefragt werden, inwiefern die Chancen der Digitalisierung des Gesundheitswesens genutzt werden können, ohne zugleich die informationelle Selbstbestimmung der Patienten negativ zu beeinträchtigen. Wie geht man mit datenschutzrechtlichen Risiken um, so dass zugleich die Forschungspotenziale so weit wie möglich ausgeschöpft werden können? Zum anderen muss auch aus der gesamtgesellschaftlichen Perspektive gefragt werden, welche Folgen die zunehmende Selbstvermessung und Selbstkontrolle für die sozialen Phänomene wie Solidarität, Fürsorge und Verantwortung mit sich bringen. Breite und Dringlichkeit dieser Fragen zeigen, dass die Digitalisierung des Gesundheitsbereiches einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs verlangt. Wo immer mehr sensible Personendaten produziert und transportiert werden, sind alle Akteure gefordert, wenn es darum geht, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger angemessen zu schützen.

Von Nikolai Horn

Zum Autor:
Nikolai Horn ist Referent Grundsatzfragen bei der Stiftung Datenschutz und verantwortlich für konzeptionelle Inhalte. Nach seinem Studium der Philosophie arbeitete er am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio am Institut für Öffentliches Recht der Universität Bonn und promovierte mit einer interdisziplinären Arbeit zum Grundrecht der Gewissensfreiheit. Nikolai Horn befasst sich seit längerem mit Themen aus dem Bereich Gesellschaft und Digitalisierung.

© Erich Schmidt Verlag/Stiftung Datenschutz

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Buchtipp:
Die Stiftung Datenschutz, von der Bundesregierung 2013 geründet, begleitet die Zukunft des Datenschutzes auch mit Fachbeiträgen.

Anfang Juli erscheint der zweite Band der Reihe „DatenDebatten“ zum Thema „Big Data und E-Health“.

 

 

 

 

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