Datenbrillen & Co.: Gehört Virtual Reality bald zum medizinischen Handwerkszeug?

Augmented Reality © Davizro Photography

© Davizro Photography/ adobe.stock.com

Bei Virtual Reality denkt man zuerst an die Unterhaltungsindustrie, an Game Conventions und Technik-Freaks. Doch Datenbrillen & Co. haben längst Einzug in die Medizin gehalten. Sie kommen unter anderem in der Konfrontationstherapie zum Einsatz und helfen, Phobien zu heilen. Die Einsatzszenarien werden bereits in den nächsten Monaten rasant zunehmen. Ein Bereich ist davon besonders betroffen: Virtual und Augmented Reality haben das Zeug dazu, den medizinischen Wissenserwerb regelrecht zu revolutionieren.

Wissenserwerb ist Wissensmanagement

Wissensmanagement ist ein Kreislauf, bestehend aus vier Schritten:

  1. Wissenserwerb
  2. Wissensspeicherung
  3. Wissensverbreitung (bzw. -teilung)
  4. Wissensnutzung

Gerade im medizinischen Bereich ist die Halbwertzeit von Wissen jedoch sehr kurz. Daher geht die Wissensnutzung sofort wieder in den Wissenserwerb über. Schließlich lernen wir ständig hinzu. Durch neue Erkenntnisse, Forschungsergebnisse und insbesondere durch Erfahrungen. Während wir unser Wissen nutzen, sammeln wir Erfahrungen, die das bisherige Wissen modifizieren.

Doch gerade das Erfahrungslernen ist es, das dem Nachwuchs fehlt. Zwar können sie viele Eingriffe anhand von Modellen üben. Aber diese Form des Lernens gleicht eher dem – als überholt geltenden – Frontalunterricht. Der Einsatz virtueller und erweiterter Realitäten soll das ändern.

Interaktives Erfahrungslernen am virtuellen Patienten

Ob Zahnarztbesuch, toxischer Schock oder Gehirn-OP – der mit Sensoren ausgestattete virtuelle Patient macht Erfahrungslernen unter realistischen Bedingungen möglich. Er simuliert das Schmerzempfinden eines Patienten bei der Kariesbehandlung ebenso wie die unterschiedliche Beschaffenheit der einzelnen Gewebsschichten bei operativen Eingriffen.

Beim Erfahrungslernen am virtuellen Patienten werden Unmengen an Daten erfasst, die sich anschließend auswerten lassen und dem Nachwuchsmediziner valide Rückmeldungen zu seinem medizinischen Können geben. Auf diese Weise wird der Wissenserwerb zum interaktiven Lernerlebnis.

Zusatzinformationen mit vielfältigen Mehrwerten

Während sich Mediziner und Pfleger bei dieser Form des Erfahrungslernens in eine komplett virtuelle Welt begeben, kombiniert die sogenannte Augmented Reality (AR) die Realität lediglich um Zusatzinformationen. Bekanntestes Beispiel dafür ist Pokémon GO, bei dem auf dem Handy die tatsächliche Umgebung um Fantasiewesen ergänzt wird.

In der Medizin werden entsprechende AR-Datenbrillen Chirurgen künftig bei ihren Eingriffen assistieren. Statt Röntgenbilder und andere Daten parallel zur OP auf Monitoren überprüfen zu müssen, bekommen sie die entsprechenden Informationen – Fotos, Vitalwerte etc. – in Echtzeit direkt in ihrem Blickfeld angezeigt.

Und auch für Patienten sind entsprechende Szenarien bereits ausgereift. Über AR-Datenbrillen erhalten sie Zusatzinformationen zu ihren Medikamenten, abgestimmt auf ihren individuellen Medikationsplan.

Digitalisierung als Voraussetzung

Virtual und Augmented Reality können für die Medizin zum Meilenstein werden. Voraussetzung dafür ist eine umfangreiche Digitalisierung und moderne IT-Ausstattung – sowohl an den Ausbildungsstätten als auch in den Kliniken selbst.

nl/KWM
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