Den demografischen Wandel als Chance verstehen

Demografischer Wandel Schild © kamasigns – Fotolia.com

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Der demografische Wandel wird für Krankenhäuser zur ernsthaften Belastungsprobe: Die Gesellschaft wird immer älter. Entsprechend wächst die Zahl der Patienten in den Kliniken kontinuierlich. Gleichzeitig sind aber immer weniger medizinische Fachkräfte am Markt verfügbar. Schon heute ist oft die Rede vom Pflegenotstand. Dabei steht den Gesundheitseinrichtungen das Schlimmste noch bevor: Wenn zwischen 2020 und 2030 das Gros der Babyboomer in Rente geht, ist die flächendeckende medizinische Versorgung in Gefahr. Die Sorgen sind folglich eklatant, der Handlungsbedarf riesig. Und trotz aller Schreckensszenarien sind es auch Chancen, die der demografische Wandel mit sich bringt.

1. Chance: Mit alten Rollenbildern aufräumen

Starre Hierarchien und eine strenge Top-down-Kommunikation prägen in vielen Krankenhäusern nach wie vor den Klinikalltag. Chefärzte mit jahrzehntelanger Erfahrung geben den Ton an. Ihr Wissen ist Macht und ihr Wort ist Gesetz. Kommunikation auf Augenhöhe? Teamarbeit? Fehlertoleranz? Oder das aktive Teilen von Wissen? Fehlanzeige.

Einerseits haben sich die leitenden Ärzte ihre Position durch ihre Leistungen natürlich hart erarbeitet und verdient. Ihr Wissen stammt aus der Praxis, ihr Können zeichnet sie aus. Daran besteht kein Zweifel. Doch sie stammen aus einer Generation, in der Hierarchien aktiv gelebt wurden. Und in der es Fachkräfte im Überfluss gab. Auch und vor allem Ärzte und medizinisches Personal.

Die Zeiten haben sich allerdings geändert. Das Sagen haben in vielen Kliniken aber noch dieselben. Gehen die Chefärzte in den nächsten Jahren in ihren wohlverdienten Ruhestand, machen sie den Weg frei für eine neue Ära. Das ist wichtig, damit sich die Vertreter der nachwachsenden Generationen Y und Z aufgehoben und verstanden fühlen. Nur so gelingt es, die gut ausgebildeten jungen Fachkräfte für die Krankenhausmedizin zu begeistern – und sie nicht an medizinische IT-Häuser zu verlieren.

2. Chance: Der Digitalisierung eine Chance geben

Noch tun sich Kliniken schwer beim Thema Digitalisierung und Vernetzung. Das papierlose Krankenhaus ist nach wie vor die Ausnahme. Doch wenn Fachkräfte – sowohl in der Medizin als auch in der Verwaltung – knapp werden, kann die Digitalisierung als Helfer in der Not dienen. Sie erlaubt den zeit- und standortunabhängigen Zugriff auf Patientendaten und Laborergebnisse. Zeitraubende Wege ins Archiv oder in die benachbarte Station gehören damit der Vergangenheit an. Selbst das Telefon wird zum Statisten. Denn Daten, Fakten und Auswertungen, selbst Röntgenbilder und ganze Krankheitsverläufe lassen sich über Tablets abrufen.

Hinterlegt mit einem Rollenkonzept kann so jeder auf die Dokumente zugreifen, die für seine Arbeit relevant sind. Freigaben und Genehmigungen werden damit ebenso überfällig wie Verzögerungen, weil im Labor gerade Urlaubszeit ist und keiner Zeit hat, ans Telefon zu gehen oder bereits vorliegende Ergebnisse per Mail zu verschicken.

3. Chance: Künstliche Intelligenz nicht als Feind, sondern als Freund verstehen

Roboter vs. Arzt? Von diesem Konkurrenzdenken muss man sich angesichts des bevorstehenden Fachkräftemangels verabschieden. Vielmehr dient der Roboter als verlängerter Arm von Medizinern und Pflegekräften. Er kann Schwestern von ihrer Arbeit entlasten, indem er das Essen austeilt oder beim Aufrichten von Patienten hilft. Im OP kommt er ohne Mittagspause und Ruhezeiten aus. Künstliche Intelligenz schlägt zudem Alarm, wenn sich der Gemütszustand von psychisch Kranken verändert – und tritt mit den Betroffenen in Kontakt bis der Arzt eintrifft. Die Einsatzszenarien reichen von der Diagnose bis zur Unterstützung bei der häuslichen Nachsorge. Wichtig ist, die Chancen, die darin liegen, zu erkennen und die Nutzung von künstlicher Intelligenz vor dem Hintergrund der sich unaufhaltsam zuspitzenden Demografiespirale detailliert zu planen.

Und wer kümmert sich darum?

Verantwortlich dafür ist – wenn vorhanden – der klinikweite Wissensmanager. Die Auswirkungen des demografischen Wandels gehören nämlich ebenso in sein Aufgabengebiet wie die digitale Transformation. Schließlich geht es bei all den Bereichen um den Zugriff, die Nutzung sowie die Weitergabe und Verarbeitung von Wissen. Der erste Schritt in die richtige Richtung könnte folglich darin bestehen, die Position des klinikweiten Wissensmanagers überhaupt erst zu schaffen.

nl/KWM
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