Den Geruchssinn digitalisieren: Kommt jetzt die E-Nose?

Wir befinden uns mitten im digitalen Wandel. Aus Zeitschriften werden E-Paper, die klassische Rechnung wird digitalisiert als E-Invoice verschickt. Es gibt das E-Rezept, die elektronische Patientenakte und ein digitales Entlassmanagement im Krankenhaus. Geht es nach den Forschern der Universitäten Jena kommt künftig noch ein weiteres „E“ hinzu: die E-Nose. In einem mit rund drei Millionen Euro geförderten EU-Projekt soll gemeinsam mit Partnerinstituten in Israel und Finnland der Geruchssinn digitalisiert werden. Wenn man bedenkt, dass es nur sechs Prozent aller Projekte geschafft haben, ins Förderprogramm „Horizon Europe EIC Pathfinder Open 2021“ aufgenommen zu werden, ahnt man, welche Hoffnungen an dieses Wissensmanagement-Vorhaben geknüpft werden.

Warum ausgerechnet der Geruchssinn?

Körpergerüche sind in vielerlei Hinsicht wichtig. Nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch für medizinische Belange. So kann ein veränderter Körpergeruch auf Krankheiten hinweisen – und zwar in vielen Fällen noch viel früher als herkömmliche diagnostische Verfahren. So erkennt man beispielsweise eine Arsenvergiftung an einem knoblauch-ähnlichen Geruch, während Skorbut eher faulig riecht. Wer auf die Erkennung von Gerüchen geschult ist, kann solche Anzeichen wahrnehmen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Ziel des SMELLODI-Forschungsprojektes (kurz für „Smart Electronic Olfaction for Body Odor Diagnostics“) ist es, dieses Können nicht nur für den Einzelnen nutzbar zu machen, sondern digitalisiert für die breite Masse.

Wie lässt sich der Geruchssinn digitalisieren?

Herzstück der E-Nose sind smarte Sensoren, die den Körpergeruch gesunder Menschen (er-)kennen und Abweichungen vom Normalzustand registrieren. Die Veränderung wird anschließend digital übertragen, um davon ausgehend weitere Untersuchungen durchführen zu können. Ziel ist es, mit der E-Nose ein Diagnoseinstrument zu entwickeln, das adhoc und nicht-invasiv zum Einsatz kommen und nicht-exklusiv genutzt werden kann. Das heißt: Es soll ein leicht zugängliches Tool zur Gesundheitsüberwachung werden, das nicht nur Spezialkliniken vorbehalten ist.

Welche Einsatzszenarien gibt es?

Über die Diagnostik soll der digitalisierte Geruchssinn insbesondere im Smart Home Anwendung finden. So können mit einer E-Nose ausgestattete Kühlschränke die Haltbarkeit der verstauten Lebensmittel überwachen. Doch auch in der Industrie, beispielsweise im Qualitäts- oder Risikomanagement, gibt es zahlreiche Einsatzszenarien, die nur darauf warten, umgesetzt werden zu können.

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