Der elektronische Medikationsplan: Ihr nächstes Wissensmanagement-Projekt?

Digitaler Medikationsplan © kebox/Adobe.Stock.com

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Alle Daten rund um Dosierung, Neben- und Wechselwirkungen im Blick zu haben, das ist das erklärte Ziel des Medikationsplans. Doch in der bisherigen Form ist das Vorhaben größtenteils gescheitert. Das liegt insbesondere an mangelnder Vernetzung. Mit elektronischem Zugriff, Echtzeitdaten und sektorenübergreifenden Schnittstellen kann das Projekt aber doch noch zum Erfolg werden – und dabei die Ärzteschaft nachhaltig entlasten.

Der gewünschte Nutzen verpufft

Jede zehnte Krankenhauseinweisung ist auf Einnahmefehler oder unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen. Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ergaben demnach, dass bis zum 500.000 Klinikaufenthalte vermeidbar wäre. Pro Jahr! Genau hier setzte der Medikationsplan an: Er soll die verordneten Arzneimittel und ihre Dosierung übersichtlich und verständlich darstellen – und somit quasi als Leitfaden dienen, insbesondere bei der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente. Multimorbide Patienten mit Polymedikation haben daher sogar einen Rechtsanspruch auf einen Medikationsplan.

Doch in der Praxis scheitert es nach wie vor an der Umsetzung. Eine repräsentative Umfrage der hkk Krankenkasse ergab, dass bisher nur etwas mehr als ein Drittel der Anspruchsberechtigten auch tatsächlich einen Medikationsplan erhalten. Und selbst wenn ein entsprechendes Dokument ausgehändigt wird, ist es nur selten verständlich und stellt in der Regel nur eine Momentaufnahme dar. Verschreibungen anderer Ärzte oder rezeptfreie Medikamente bleiben häufig unberücksichtigt.

Daten in Echtzeit – ohne Mehraufwand

Der Krankenhausapparat ist überlastet. Ließen sich mit einem intelligenten Medikationsplan zehn Prozent der Einweisungen vermeiden, wäre das für Ärzte und Pfleger eine immense Erleichterung. Momentan allerdings bedeutet der Medikationsplan, beispielsweise im Rahmen des Entlassmanagements, aber ein weiteres zeitraubendes To-Do auf der ohnehin schon übervollen Tagesagenda. Zusammen mit dem Patientenwohl sollte das Grund genug sein, den Medikationsplan als Wissensmanagement-Projekt ganz oben auf die Dringlichkeitsliste zu setzen.

Wichtig ist, dass der Medikationsplan elektronisch vorgehalten wird. Idealerweise sogar in einer Klinik-Cloud. Dank Anbindung an das Krankenhausinformationssystem (KIS) ist damit die aktuelle Medikation jedes einzelnen Patienten stets in Echtzeit hinterlegt. Verschreibt ein Arzt ein neues Präparat oder passt er die Dosierung an, tippt er die Änderung idealerweise direkt am Krankenbett in sein Dienst-Tablet ein. Alles weitere erledigt das KIS – oder ein anderes Wissensmanagement-System – im Hintergrund. Ohne manuelles Zutun von Ärzten, Pflegern oder Verwaltungsmitarbeitern.

Alle Daten im Blick – auch unterwegs

Verlässt der Patient das Krankenhaus, erhält er seinen Medikationsplan. Idealerweise nicht (nur) in Papierform. Auch ein elektronischer Zugriff sollte möglich sein, mit dem er zum Beispiel unterwegs auch via Smartphone Einblick in die hinterlegten Informationen hat. Zum Beispiel mittels App oder webbasiert über einen Barcode.

Der Medikationsplan lebt von Interaktion und Vernetzung

Doch nicht nur der Patient selbst braucht Zugriff, auch für alle anderen am komplexen Medikationsprozess Beteiligten müssen die Daten verfügbar sein. Daher sollte der elektronische Medikationsplan sektorenübergreifende Schnittstellen bieten. Verschreibt der Hausarzt nach der Entlassung Tabletten oder der Orthopäde eine Salbe, dann muss das unkompliziert Eingang in den Medikationsplan finden können. Und – nicht zu vergessen – der Apotheker: Er sollte zum einen auch nicht verschreibungspflichtige Arzneien vermerken und kann – als Schaltstelle zwischen den verschiedenen Ärzten – als Kontrollinstanz fungieren.

Der Medikationsplan als Wissensmanagement-Projekt

Daten nicht nur zu speichern, sondern sie auch nutzerfreundlich aufzubereiten und dynamisch zu aktualisieren, das ist Kernaufgabe des Wissensmanagements. Die Interaktion aller Beteiligten, auf Basis eines Berechtigungssystems, gehört ebenso dazu wie das permanente Verfügbarmachen der Informationen in Echtzeit.

Bindet der Medikationsplan bei Ihnen zu viele wertvolle Ressourcen? Oder leistet er bisher nicht den gewünschten Nutzen? Dann sollten Sie dieses wichtige Thema im Rahmen eines Wissensmanagement-Projektes automatisieren. Ihre Patienten werden es Ihnen ebenso danken wie die Ärzteschaft. Und obendrein sind Sie damit auch rechtlich stets auf der sicheren Seite.

nl/KWM
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