Der Mensch im Mittelpunkt

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach bei der Einführung und Umsetzung von Wissensmanagement im Krankenhaus an? Auf die richtige Software? Auf das Thema Datenschutz? Oder auf die Kosten? Diese Punkte sind sicher sehr wichtig. Entscheidend ist aber der so genannte „Faktor Mensch“ – also Ihre Mitarbeiter. Und zwar alle gleichermaßen: Egal ob in der Verwaltung, in der Pflege oder in der Ärzteschaft – Ihre Mitarbeiter sind es, die mit elektronischen Dokumenten umgehen und sich auf digitale Daten verlassen müssen. Deshalb sollte sich eine erfolgreiche Wissensmanagement-Lösung auch an den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter orientieren. Und die können von den Vorgaben des Klinikmanagements durchaus abweichen.

Die Mitarbeiter füllen Wissensmanagement mit Leben

Wissensmanagement fußt auf drei Säulen – nämlich Technik, Organisation und Mensch:

  1. Technik: In Zeiten von Datenschwemmen und Informationsflut ist Wissensmanagement ohne IT-Unterstützung schlicht und ergreifend nicht mehr möglich. Wir brauchen intelligente Werkzeuge, um das vorhandene Material zu kategorisieren, zu verknüpfen und aufzubereiten. Damit nimmt die Technik im Wissensmanagement eine wichtige Funktion ein, aber sie ist eher unterstützender Natur – ein Mittel zum Zweck. Denn IT alleine macht noch kein Wissensmanagement aus.
  2. Organisation: Damit IT-Lösungen tatsächlich dem Wissensmanagement dienen, müssen sie zu den Prozessen im Krankenhaus passen und darauf abgestimmt sein. Dürfen Ihre Mitarbeiter beispielsweise keine explizit freigegebenen Informationen veröffentlichen, auch intern nicht – dann ist ein Wiki mit Sicherheit nicht zielführend. Schließlich lebt es von der kollektiven Intelligenz der Nutzer. Und das bedeutet, dass jeder Inhalte veröffentlichen darf. Die Leser fungieren als Prüf-Gremium. Ist etwas falsch oder unvollständig, ergänzen sie die bestehenden Informationen. Um ein Wiki zum Erfolg zu führen, muss sich die Klinik folglich öffnen, ihre (Freigabe-)Prozesse anpassen und den Mitarbeitern das für Social Software erforderliche Vertrauen entgegenbringen.
  3. Mensch: Die Mitarbeiter sind die eigentlichen Gestalter des Wissensmanagement. Sie füllen es mit Leben – indem sie die implementierten IT-Tools nutzen und die dafür definierten Prozesse einhalten. Genau das ist aber nur dann möglich, wenn die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind. Damit ist insbesondere eine wissensförderliche Organisations- beziehungsweise Klinikkultur gemeint. Die Mitarbeiter müssen Mehrwerte darin erkennen, dass sie ihr Wissen teilen. Fehler sollten dabei als Lernquelle dienen – und nicht als Gelegenheit, Kompetenzen in Frage zu stellen oder die Reputation von Kollegen zu beschädigen. Der Weg dorthin ist in vielen Kliniken noch weit. Der Führungsriege kommt dabei die entscheidende Aufgabe zu, die Richtung zu weisen – also mit gutem Beispiel voranzugehen, offen zu kommunizieren und Herrschaftswissen abzubauen.

Wissensmanagement mit zu starkem IT-Fokus

Die Diskussionen um Wissensmanagement – angefangen bei Krankenhausinformationssystemen (KIS) über E-Health bis hin zu smarten Technologien und Roboterunterstützung – wird derzeit noch sehr einseitig geführt. Der Fokus auf die IT ist einerseits berechtigt, zeigt er doch die Möglichkeiten auf, die der Medizin durch den technischen Fortschritt in den nächsten Jahren bevorstehen. Doch wird dabei – andererseits – allzu oft vergessen, dass sich diese Chancen nur dann realisieren lassen, wenn die Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden. Sie sind es, die neue Entwicklungen auch über schwierige Zeiten hinwegtragen, die einspringen, wenn Not am Mann ist und die zur Stelle sind, wenn es um das Patientenwohl geht. Daher sollten sie im Eifer von Digitalisierung und Industrie 4.0 auch weiterhin die Hauptrolle spielen.

nl/KWM

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