Der mündige Patient braucht Wissensmanagement

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Patienten begegnen ihren Ärzten mittlerweile auf Augenhöhe: Sie kommen gut informiert in die Klinik. Sie kennen ihr Krankheitsbild und wissen über mögliche Behandlungswege Bescheid. Statt sich vom Mediziner eine Therapie vorgeben zu lassen, wollen sie über Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile verschiedener Heilungsmethoden diskutieren. Das bedarf einer ganz neuen Herangehensweise an die Arzt-Patienten-Kommunikation – und es braucht Wissensmanagement.

Wissenskultur als Qualitätsnorm

Die Reputation und das Fachwissen der Ärzte entscheiden maßgeblich über die Qualität einer Klinik. Waren diese beiden Aspekte bisher nahezu alleiniger Gradmesser für das Ansehen eines Krankenhauses, kommen im Zuge des digitalen Wandels weitere wichtige Kriterien hinzu. Patienten fordern Kommunikation auf Augenhöhe, Mitbestimmungsrechte und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse. Sieht der gelebte Krankenhausalltag anders aus und werden ihre Vorstellungen nicht erfüllt, bieten die sozialen Medien eine ideale Plattform, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Im zunehmenden Wettbewerb um Patienten können sich Kliniken schlechte Bewertungen aber nicht leisten. Wissensmanagement auf organisationaler Ebene bildet daher einen entscheidenden Baustein auf dem Weg zum (wirtschaftlich) erfolgreichen Krankenhaus. Das heißt: Es muss ein wissensförderliches Arbeitsklima herrschen, in dem sich alle Beteiligten wertschätzend begegnen. Das betrifft sowohl die interne Zusammenarbeit als auch die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen.

Wissen erwerben, speichern, verteilen und nutzen

Vernetztes und transparentes Arbeiten lassen sich durch entsprechende IT-Lösungen fördern. Die technische Implementierung von Wissensmanagement wirkt dabei auf den verschiedensten Ebenen:

  • Wissen erwerben: Neues Wissen entsteht direkt im Arbeitsprozess oder durch das Lesen von Fachliteratur, den Besuch von Schulungen oder durch das Nutzen von Learning Nuggets (Mikrolernen). Intelligente Wissensmanagement-Plattformen können auch Lern-Management-Systeme sein. In diesem Fall evaluiert das System den Wissensbedarf im Unternehmen, identifiziert wichtiges Schlüsselwissen inklusive der dazugehörigen Kompetenzträger und deckt wettbewerbskritische Wissenslücken auf. Daraus lassen sich organisationale und individuelle Weiterbildungen ableiten und maßgeschneiderte Lernangebote kreieren.
  • Wissen speichern: Vorhandenes Wissen – ob Weiterbildungsinhalte oder Patientendaten – wird mithilfe eines klinikweiten Wissensmanagement-Systems so abgelegt, dass es jederzeit auffindbar ist. Die Eingabe eines Schlagwortes reicht in der Regel aus, um Informationen auf Knopfdruck abzurufen (entsprechende Zugriffsberechtigung vorausgesetzt).
  • Wissen verteilen: Am Behandlungsprozess sind zahlreiche Mitarbeiter beteiligt – vom Facharzt über Therapeuten bis hin zum Pfleger. Damit alle über den gleichen Wissensstand verfügen und die Informationen, die sie in der Interaktion mit dem Patienten hinzugewinnen, auch den anderen zugänglich sind, lassen sich Dokumente (ver-)teilen. Sie sind orts-, zeit- und geräteunabhängig verfügbar und erlauben ein gemeinsames Arbeiten innerhalb ein und derselben Datei.
  • Wissen nutzen: Wissen ist permanent in Bewegung. Im komplexen Klinikalltag kommen ständig neue Erfahrungen und Erkenntnisse hinzu. Diese Wissensbausteine fließen ganz automatisch in die eigene Arbeit ein. Ziel von Wissensmanagement-Systemen ist es aber, dieses (implizite) Know-how auch den Kollegen zugänglich zu machen. Möglich ist das unter anderem über Wiki-Einträge, Lessons Learned oder Success Stories, idealerweise ergänzt durch Social Features, die Kommentare und Nachfragen erlauben.

Informationshoheit als Kompetenzmerkmal

Wissensmanagement-Systeme sorgen damit für transparente Wissensflüsse innerhalb von Krankenhäusern. Die Mitarbeiter wissen jederzeit, über welches Wissen sie, ihre Kollegen und die Klinik verfügt. Dieses Know-how lässt sich zum Wohle des Patienten einsetzen. Zur Reputation kommt damit als weiteres Qualitätsmerkmal die Informationskompetenz hinzu – ein Kriterium, das in Zeiten steigender Informationsfluten immer wichtiger wird.

nl/KWM
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