Der Wissensmanager im Krankenhaus: Bekommt das Aufgabengebiet wachsende Bedeutung?

Corona als Digitalisierungstreiber

© Thieme & Frohberg GmbH

Ohne Wissensmanagement sind keine effizienten Krankenhausprozesse mehr möglich. Gerade im Zuge der Digitalisierung gilt es zudem, bestehende Abläufe zu prüfen und mit Hilfe intelligenter IT-Lösungen zu optimieren. Automatisierung und Verschlankung zählen schließlich zu den wichtigsten Stellschrauben, wenn es darum geht, Kliniken rentabler zu machen und den Fachkräftemangel auszugleichen. Wissensmanagement ist folglich alternativlos. Das hat auch die Corona-Pandemie bewiesen. Dementsprechend kann die Bedeutung von Wissensmanagement eigentlich gar nicht mehr in Frage gestellt werden. Eigentlich. Denn Wissensmanagement als Stabstelle ist in vielen Krankenhäusern nach wie vor die Ausnahme.

Was macht ein Wissensmanager?

Wissensmanager kümmern sich um alle wissensintensiven Prozesse. Sie analysieren Datenströme und Kommunikationswege – und zwar klinikweit. Das bedeutet: Sie sind nicht in einer bestimmten Abteilung angesiedelt, sondern müssen in medizinische Abläufe ebenso involviert sein wie in administrative Belange oder Personalentscheidungen. Der Fachkräftemangel betrifft sie ebenso wie die Einführung eine OP-Roboters. Das digitale Entlassmanagement gehört zu ihrem Aufgabengebiet, aber auch der Datenschutz im sektorenübergreifenden Austausch.

Wissensmanagement als übergeordnete Stabstelle

Daher muss das Wissensmanagement eine Stabstelle sein, die idealerweise auf Augenhöhe mit der Klinikleitung agiert. Und: Es ist kein Tätigkeitsfeld, das ein Mitarbeiter „nebenbei“ erledigen kann. Wissensmanagement ist ein Full-Time-Job mit strategischer Bedeutung. In der Praxis sieht es aber oft anders aus:

  • Entweder gehört das Wissensmanagement zur Personalabteilung. Ist das der Fall, liegt der Fokus häufig auf Recruiting, Mitarbeiterbindung und Weiterbildung. Tatsächliche Prozessarbeit über die Personalthematik hinaus findet aber nicht statt.
  • Oder das Wissensmanagement ist in der IT angesiedelt. Dann geht es vor allem um die Implementierung neuer Software-Lösungen, das Management der Hardware-Ausstattung und Fragen rund um die IT-Sicherheit. Werden relevante Anwendungen eingeführt, passiert das aber in der Regel ohne Einbeziehung der übrigen Mitarbeiter. Changemanagement findet ebenfalls nicht statt.

Neue Rolle mit Leben füllen

Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden. Die Corona-Pandemie hat das Wissensmanagement bereits in das Bewusstsein der Entscheidungsträger gebracht. Nun gilt es, relevante Projekte in den Kliniken zu identifizieren. Auch hier sind die Krankenhäuser bereits aktiv. Der nächste Schritt besteht darin, die Verantwortlichen für die Umsetzungsmaßnahmen zu bestimmen. Und genau hier muss dann die Erkenntnis erfolgen, dass weder die IT noch die Personalreferenten die Richtigen dafür sind. Schließlich agieren sie abteilungsgebunden und sind bereits zu sehr ins Tagegeschäft involviert. Aber mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und dem zunehmenden Leidensdruck, transparente Prozesse zu etablieren, wird auch die Einsicht reifen, dass erfolgreiches Wissensmanagement nur mit einer entsprechenden Stabstelle realisierbar ist.

Wissensmanagement war für reibungslose Klinikabläufe schon immer wichtig. Doch erst in den vergangenen Monaten hat das Wissensmanagement seinen Weg ins Scheinwerferlicht gefunden. Nun gilt es, dieser neu gewonnen Aufmerksamkeit auch Taten folgen zu lassen und die Rolle des Wissensmanagers neu zu definieren, um sie anschließend durch einen klinikweiten Leiter Wissensmanagement mit Leben zu füllen.

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