Diabetes-Screening in Kliniken gefordert

HbA1c-Test © jarun011/Adobe.Stock

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Patienten über 50 Jahre sollten bei Aufnahme in ein Krankenhaus routinemäßig auf Diabetes untersucht werden. Das fordern Experten der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich des Weltdiabetestages. Nach neuesten Angaben der International Diabetes Federation (IDF) leiden schätzungsweise 9,5 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes. Bei 4,5 Millionen wurde die Krankheit noch nicht diagnostiziert. Für sie kann eine Kortisontherapie, ein Infekt oder eine Operation schwerwiegende Folgen haben. Mit einem Screening ließen sich Komplikationen vermeiden sowie die Patientensicherheit und die Behandlungsqualität steigern.

Risiko für Komplikationen ist bei Diabetespatienten höher

Etwa jeder vierte Krankenhauspatient leidet an Diabetes mellitus. Einige wissen bei der Klinikaufnahme von ihrer Erkrankung noch nichts [1]. Insbesondere in chirurgischen Abteilungen, in denen der Patient lediglich operativ behandelt wird, bleibt ein Diabetes oft unerkannt und folglich unbehandelt. „Dabei ist das Risiko für Komplikationen während eines Krankenhausaufenthalts bei Diabetes-Betroffenen höher als bei Menschen ohne Diabetes“, weiß Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG. Während nur jeder sechste Patient Komplikationen infolge seiner stationären Behandlung erleide, sei es unter Diabetespatienten bereits jeder vierte. Um Betroffene rechtzeitig zu identifizieren und gegebenenfalls sogar einen Diabetes neu zu diagnostizieren, empfiehlt die DDG ein Diabetes-Screening bei allen Patienten über 50 Jahren. Hierbei wird der Langzeitblutzuckerwert, der sogenannte HbA1c, im Blut bestimmt.

Begleit- und Folgeerkrankungen eines Diabetes müssen mitbehandelt werden

Ein bestehender Diabetes kann die Therapie im Krankenhaus erheblich erschweren. Ärztinnen und Ärzte müssen auf Wechselwirkungen von Medikamenten achten oder den Einfluss von Therapien und Operationen auf den Blutzuckerspiegel berücksichtigen. Häufig haben Patienten über die Stoffwechselerkrankung hinaus auch Begleit- und Folgeerkrankungen, die in der stationären Versorgung mitversorgt werden müssen, wie beispielsweise Bluthochdruck, Gefäß- und Nervenschädigungen oder Herz-Kreislaufbeschwerden. Oft sind es diese Erkrankungen, aufgrund derer Menschen mit einem unentdeckten Diabetes Typ 2 in die Klinik eingeliefert werden, zeigt eine Untersuchung [2].

Herzpatienten sind oft auch Diabetespatienten 

„Bis zur Erstdiagnose leben Menschen mit einem Typ-2-Diabetes durchschnittlich sieben Jahre lang ohne etwas von ihrer Erkrankung zu merken“, erklärt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Past-Präsident der DDG. „In dieser Zeit können sich bereits starke Schädigungen an Herz, Nieren, Nerven und Gefäßen bilden. Rund ein Viertel der Patienten mit koronarer Herzerkrankung hat einen Diabetes, ohne es zu wissen.“ Daher sei es für den Therapieerfolg und einen sicheren Krankenhausaufenthalt essentiell, eine diabetologische Mitbetreuung bei allen betroffenen Patienten zu gewährleisten und so einen möglichen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen zu erkennen, so Müller-Wieland.

Jeder zweite Patient auf der „Inneren“ ist betroffen

Insbesondere in internistischen stationären Abteilungen haben viele Menschen Diabetes als Nebendiagnose. Eine Untersuchung zeigt, dass inzwischen rund die Hälfte aller dortigen Patienten betroffen ist.2 Nimmt man Folge- und Begleiterkrankungen sowie Adipositas als Mitverursacher von Diabetes hinzu, steigt der Anteil dieser Patienten weiter an. Dennoch sinkt die Zahl der verfügbaren diabetologischen und internistische Betten in deutschen Kliniken aus ökonomischen Gründen, beklagen die Experten. Neben einem routinemäßigen Screening fordern sie deshalb unter anderem auch mehr eigenständige diabetologische Fachabteilungen in Kliniken und eine angemessene Finanzierung der stationären Diabetesbehandlung.

Aktuelle Zahlen des IDF zu Diabetes

Die International Diabetes Federation (IDF) hat anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 2019 neue Zahlen veröffentlicht. Sie belegen ein alarmierendes weltweites Wachstum der Diabetesprävalenz. Gegenüber den 2017 veröffentlichten Daten sind weltweit 38 Millionen Erwachsene zusätzlich an Diabetes erkrankt. Nach dem heute veröffentlichten 9. IDF Diabetes Atlas gehört Deutschland nun zu den zehn Ländern mit der höchsten absoluten Zunahme der Diabetesprävalenz. Gemäß der neunten Ausgabe des IDF Diabetes Atlas liegt die Diabetesprävalenz in Deutschland derzeit bei 15,3 Prozent, das ist ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber den zuletzt veröffentlichten Werten im Jahr 2017. Von den geschätzten 463 Millionen erwachsenen Diabetikern weltweit leben alleine 59 Millionen in Europa. 90 Prozent der Erkrankten leiden unter Typ-2-Diabetes.

Quellen:

[1] Kufeldt, J. et al., Prevalence and Distribution of Diabetes Mellitus in a Maximum Care Hospital: Urgent Need for HbA1c-Screening, Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2018 Feb;126(2):123-129. doi: 10.1055/s-0043-112653. Epub 2017 Jul 27. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28750430

[2] Müller-Wieland, D. et al., Survey to estimate the prevalence of type 2 diabetes mellitus in hospital patients in Germany by systematic HbA1c measurement upon admission, Int J Clin Pract. 2018;72:e13273. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30295392
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

cp/KWM
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