Die Klinik der Zukunft braucht Wissensmanagement

Smart Hospital © mast3r/Adobe.Stock.com

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Die deutsche Krankenhauslandschaft ist auf dem Weg zum Smart Hospital. Es soll vor allem durch innovative IT gelingen, effizienter zu agieren und wirtschaftlicher zu arbeiten. Der Weg aus den roten Zahlen führt über die Digitalisierung. Laut Roland Berger haben bereits fast 90 Prozent der Kliniken eine entsprechende Strategie entwickelt. Das ist ein guter Anfang. Allerdings dürfen dabei zwei erfolgskritische Aspekte nicht übersehen werden: das Wissensmanagement und die Ressource Mensch.

Von der Knowledge Company zum Smart Hospital

Wer digitale Anwendungen und Prozesse implementieren will, braucht das Engagement seiner Mitarbeiter und einen bewussten Umgang mit der Ressource Wissen. Werfen wir zunächst einen Blick auf das Know-how: Patienteninformationen liegen vielerorts papiergebunden vor. Neueste Forschungsergebnisse sind in Fachzeitschriften nachzulesen und das wertvolle Erfahrungswissen schlummert in den Köpfen der Mitarbeiter. Das Smart Hospital verfolgt das Ziel, alle verfügbaren Wissensbausteine zusammenzuführen und intelligent zu vernetzen, um sie nutzbar zu machen.

Damit stellt sich die Frage, welches Netz Aktenordner, Pressespiegel und das menschliche Gehirn zentraler Wissensträger umfassen kann? Genau, das schafft nur das Wissensmanagement – und zwar indem es das implizite Know-how durch Wissenssicherung expliziert, papiergebundene Daten digitalisiert und Informationsbausteine aus heterogenen Quellen zentral zusammenführt. Erst wenn diese Vorarbeit geleistet ist, kann ein Krankenhausinformationssystem, eine Clinical Search oder ein medizinisches Wissensportal implementiert werden. Anderenfalls fehlen den innovativen IT-Lösungen schlichtweg die erforderlichen Daten, um effizient arbeiten zu können.

Kein Smart Hospital ohne zufriedene Mitarbeiter

Wie bei allen Wissensmanagement-Projekten, so steht und fällt auch der Erfolg von Digitalisierung im Krankenhaus mit dem Engagement der Mitarbeiter. Gelingt es der Krankenhausleitung also, das Personal nicht nur für die Notwendigkeit smarter Anwendungen und Prozesse zu überzeugen, sondern sie für eine ganz neue Art der Arbeit zu begeistern? Einer Studie der Management-Beratung Bain & Company zufolge sind Klinikmitarbeiter hochgradig unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Diese Unzufriedenheit geht sogar so weit, dass sie ihr Krankenhaus nicht an Patienten weiterempfehlen würden.

Diese Einstellung ist Chance und Risiko zugleich. Ein Risiko besteht insofern, dass sie innerlich bereits resigniert haben. Ihre Motivation ist auf dem Tiefststand. Jede Neuerung oder Änderung der gewohnten Routinen lehnen sie infolgedessen als Mehrarbeit oder gar als Zumutung ab. Andererseits besteht jedoch die Möglichkeit, dass unzufriedenes Klinikpersonal den Weg hin zum Smart Hospital als Chance versteht, existierende Missstände zu beseitigen.

Dieser Fall wird aber nur dann eintreten, wenn nicht finanzielle Einsparungen zum Treiber der Digitalisierung werden, sondern Erleichterungen für die im Krankenhaus tätigen Menschen sowie Verbesserungen für die Patienten. Genau das macht Wissensmanagement: Es stellt konsequent den Faktor Mensch in den Vordergrund. Finanzielle Einsparungen schließt es damit nicht aus, sondern gestaltet sie vor allem nachhaltig. Denn erst wenn die Menschen die Mehrwerte der Digitalisierung für sich erkennen, werden sie veränderte Prozesse auch annehmen und zu neuen Routinen machen. Das ist die Voraussetzung für langfristige Veränderungen mit allen Konsequenzen: mehr Wirtschaftlichkeit, mehr Effizienz und mehr Nachhaltigkeit.

nl/KWM
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