Digitale Unterstützung in der Pflege

Pflege 4.0

© Thieme & Frohberg GmbH

Die Alten- und Krankenpflege stellt einen wichtigen Bestandteil im Gesundheitswesen dar. Um die Qualität von Pflegeleistungen im stationären und ambulanten Bereich halten und verbessern zu können, gelten gesetzliche Rahmenbedingungen im Sinne des Qualitätsmanagements. [1] Aktuell stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, welchen Mehrwert der Einsatz von Technik für die Pflegequalität schaffen kann?

Pflege 4.0 – Digitale Technik für die Pflege

Der Begriff Pflege 4.0 spiegelt die Entwicklungen im Pflegebereich wider. So vereint dieser technische Lösungen mit einer sich verändernden Arbeitswelt. Besonders interessant für die Symbiose aus Pflege und Technik sind [2]:

  • Die elektronische Pflegedokumentation,
  • technische Assistenzsysteme,
  • der Einsatz von Telecare
  • und die Robotik.

Prozesse optimieren, Pflege erfassen und planen

Die elektronische Dokumentation scheint in der Pflege angekommen zu sein. Bereits Merda, Schmidt und Kähler (2017) stellten in ihrer Befragung fest, dass 30% der Einrichtungen die elektronische Dokumentation noch nicht nutzten. In der BGW-Befragung durch Merda et al. heißt es: „Die elektronische Dokumentation ist praktisch – aber nur, wenn genügend PCs bereitgestellt werden und sich das System nicht festfährt“ [2]. Gelingt es, ein elektronisches Dokumentationssystem sorgfältig zu entwickeln und zu implementieren, ermöglicht es einen verbesserten Informationsfluss und einen Anstieg der Pflegequalität durch mehr Standardisierung und Transparenz, weniger Fehler und eine bessere Arbeitsorganisation. Eine Herausforderung dabei ist, eine geeignete Dokumentationssoftware zu finden, Doppelstrukturen (manuelle und digitale Dokumentation) und mögliche Informationsverluste zu vermeiden sowie die Benutzerfreundlichkeit der Software, die Verfügbarkeit und Wartungsaspekte miteinzubeziehen.

Intelligente Unterstützung in der Pflegearbeit

Technische Assistenzsystem in der Pflege haben das Potenzial Arbeitsbelastungen zu verringern, stehen aber in der professionellen Pflege noch weitestgehend am Anfang. Üblich sind hier Sicherheits- und Kommunikationssysteme (Hausnotruf, Nachtbeleuchtung, Sensorik). Besonders interessant für die Pflege sind Ambient Assisted Living (AAL) Systeme, die darauf abzielen, gesundheitsbeeinträchtigte Menschen im Alltag zu unterstützen. „So können Aktivitäten und Notwendigkeiten im Alltag der Pflegebedürftigen mithilfe von AAL registriert und pflegerische Maßnahmen darauf abgestimmt werden […]“ [2]. Dabei zu beachten ist, Pflegende schon früh in den Umstellungsprozess miteinzubeziehen und entsprechend zu schulen, die favorisierten Systeme hinsichtlich qualitativer Mindeststandards und Praxistauglichkeit zu überprüfen und die Frage, wie mit anfallenden sensiblen Daten umzugehen ist. Auch die Kompatibilität mit anderen bereits eingesetzten Systemen sollte berücksichtigt werden.

Distanz überwinden und Versorgung sichern

Bei Telecare (oder Telenursing) steht die pflegerische Versorgung via Internet im Fokus. Das können gemeinsame Online-Sprechstunden zwischen Arzt, Pflegenden und Pflegebedürftigen sein, die Übermittlung kontinuierlich erfasster Vitalwerte oder die Beurteilung von z. B. Wunden und die Notwendigkeit einer persönlichen Versorgung. In eher weniger besiedelten Gegenden kann so die professionelle Versorgung verbessert werden, weil Pflegende bedarfsorientierter planen und handeln können. Die Herausforderungen liegen hierbei insbesondere in der eher mangelhaften technischen Infrastruktur (Breitbandversorgung) ländlicher Gebiete. Des Weiteren sollte der Einsatz von Telecare ergänzend wirken – für die Pflege wichtige nonverbale Ausdrucksformen und Berührungen im persönlichen Kontakt sind nach wie vor unverzichtbar.

Die Vision von der Roboterunterstützung

Dieser Bereich der technischen Unterstützung für die Pflege steckt vergleichsweise in den Kinderschuhen. Roboter in der Pflege sind noch nicht marktreif und ihre Effektivität ist aktuell nicht bewiesen. In der Vision vom Pflegeroboter sorgen diese für physische Entlastung und übernehmen Routineaufgaben. Neben der Lagerung Pflegebedürftiger sind auch Transportroboter für z. B. Essen, Wäsche, und Medikamente, smarte Pflegewagen für das autonome Auffüllen von Materialien oder robotische Reinigungssysteme denkbar. Haus- oder kuscheltierähnliche Roboter können auch eingesetzt werden, um Demenzerkrankte anzuregen. Allerdings sind der Effekt und die Angemessenheit im Demenzbereich noch zu klären. Für die vorangegangenen Einsatzmöglichkeiten von Robotern in der Pflege gilt es, einen barrierefreien Zugang sicherzustellen und dementsprechend haftungsrechtliche Aspekte zu klären [2].

Lesen Sie hier mehr zu Magnet Hospitals.

Quellen:

[1] Bundesministerium für Gesundheit: Pflegequalität

[2] Initiative neue Qualität der Arbeit: Digitalisierung in der Pflege

jb/KWM

Hinterlassen Sie einen Kommentar