Digitaler Reifegrad: Checkliste soll Kliniken bei Einschätzung helfen

Digitalisierung in der Klinik © Kalim/Adobe.Stock.com

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Wie hoch würden Sie den digitalen Reifegrad Ihrer Klinik einschätzen? Und woran würden Sie ihn bemessen? Hilfe bei der Beantwortung dieser Fragen soll schon bald eine Checkliste bieten, die der Marburger Bund gemeinsam mit dem Bundesverband der Gesundheits-IT – bvitg e.V. gerade erarbeitet. Der Startschuss für die Kooperation fiel in der letzten Woche auf der conhIT in Berlin.

Mithilfe der strukturierten Checkliste sollen Krankenhäuser in Zukunft ihren Digitalisierungsgrad bestimmen und dadurch konkrete Verbesserungspotenziale mit entsprechenden Handlungsempfehlungen ermitteln können. Erklärtes Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist es, klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten ein handhabbares Online-Befragungstool zur Verfügung zu stellen. Damit sollen sie in Zukunft nicht nur ihre IT-Nutzung, sondern auch die Nutzbarkeit (Usability) und den praktischen Nutzen von eHealth-Lösungen in klinischen Prozessen erfassen und bewerten können.

Dabei geht es nicht nur um die (anonyme) Erfassung belastbarer Daten, sondern vor allem darum, dem klinischen Anwender eine unmittelbare Möglichkeit zur Selbsteinschätzung und Ableitung von konkreten Handlungsempfehlungen zu bieten, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Kooperationspartner.

Verbesserungspotenzial ist nach Meinung von Medizinern hoch

Ärztinnen und Ärzte sollen besser in die Lage versetzt werden, das Nutzenpotenzial von IT im Krankenhaus bewerten zu können. Nach einer Ad hoc-Umfrage des Marburger Bundes im Jahr 2017 unter rund 1.800 angestellten Ärztinnen und Ärzten sind 80 Prozent der Klinikärzte der Meinung, dass durch die Digitalisierung die ärztliche Arbeit im Krankenhaus verbessert werden kann. Allerdings sind nur 19 Prozent von ihnen mit der IT-Ausstattung am Arbeitsplatz zufrieden. Den meisten fehlt es im Krankenhaus an benutzerfreundlichen Geräten und Computerprogrammen.

„Wir wollen Licht ins Dunkel der Materie bringen und den digitalen Reifegrad der Krankenhäuser aus der Perspektive der Nutzer betrachten. Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern sollen mit der Checkliste die Möglichkeit bekommen, im Detail zu beschreiben, wie die derzeitigen Rahmenbedingungen aussehen und wie klinische Prozesse durch Digitalisierung zum Nutzen von Anwendern und Patienten verbessert werden können“, begründete Dr. Peter Bobbert, Bundesvorstandsmitglied des Marburger Bundes, die gemeinsame Initiative.

Datenerhebung erfolgt anonym

Die Checkliste wird nicht kommerziell genutzt. Gemeinsames Ziel ist es, den Weg für eine moderne digitale Struktur in deutschen Krankenhäusern aufzuzeigen, die die Basis für eine zukunftsfähige, leistungsstarke und auf den Menschen ausgerichtete Medizin darstellt. Die über die Checkliste ermöglichte Datenerhebung wird von Anfang an anonymisiert erfolgen, so dass keine Rückverfolgung auf die beteiligten Kliniken oder auf die ausfüllenden Personen möglich ist. Die Ergebnisse der Befragung sollen zudem wissenschaftlich aufbereitet werden. Perspektivisch soll auf Grundlage der Erhebung ein umfassendes Benchmarking-Modell für die Gesundheits-IT in Krankenhäusern entstehen. Die Arbeiten an der Checkliste sollen bis Herbst 2018 abgeschlossen sein, um danach in die Phase der Befragung eintreten zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema „Digitaler Klinikalltag“ im folgenden Beitrag:
Ärzte müssen mit IT-Entwicklungen Schritt halten! Aber wie?

Quellen:
Marburger Bund und bvitg erarbeiten Checkliste zum digitalen Reifegrad der Krankenhäuser, gemeinsame Pressemeldung von Marburger Bund und bvitg vom 17.4.2018
MB-Umfrage: MB-Umfrage Digitales Krankenhaus: große Hoffnungen, ernüchternde Realität, Pressemeldung des Marburger Bundes vom 14.12.2017

cp/KWM
Bildquelle: © Kalim/Adobe.Stock.com

 

 

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