Digitales Entlassmanagement

Digitales Entlassmanagement

© Thieme & Frohberg GmbH

Ein digitales Entlassmanagement kann anhand automatischer Abgleiche und Abläufe für Entlastung im Krankenhausalltag sorgen.

Per Knopfdruck zum passenden Nachversorger

An einen Krankenhausaufenthalt schließt sich oft eine Nachsorge an. Beispielsweise ambulante oder stationäre Reha- oder Pflegemaßnahmen. Seit 2017 haben Patienten einen rechtlichen Anspruch auf ein entsprechendes Entlassmanagement. Doch Koordination und Durchführung binden wertvolle Ressourcen bei den Sozialdiensten. Ein Grund dafür ist, dass Anschlussbehandlungen noch immer überwiegend telefonisch recherchiert und vereinbart werden. Das bringt die ohnehin knappen Ressourcen der Klinikmitarbeiter an die Grenze des Machbaren. Und oft darüber hinaus. Denn die Auslastung der Nachversorgern ist hoch und die Suche nach freien Plätzen entsprechend aufwändig. Ein digitales Entlassmanagement kann hier auch kurzfristig für enorme Entlastungen sorgen und quasi per Knopfdruck verfügbare Angebote mit dem individuellen Bedarf abgleichen und anfragen.

Durchschnittlicher Aufwand von 2,5 Stunden pro Patient

Das Entlassmanagement umfasst einen langen und vor allem komplexen Prozess, der bereits mit dem Aufklärungsgespräch des Patienten beginnt. Vor allem jedoch die Suche nach dem passenden Nachversorger gestaltet sich oftmals schwierig und kostet vor allem wertvolle Arbeitszeit. Für die mehr als 19 Millionen Patienten[1], die jährlich in deutschen Krankenhäusern behandelt werden, bedeutet das einen Gesamtaufwand von 50 Millionen Stunden bzw. 100.000 Arbeitstagen.[2] Das sind durchschnittlich mehr als 2,5 Stunden pro Patient.

Neben den Erläuterungen zu Formblättern und Fragen zum Datenschutz sind es die mitunter dutzenden Telefonate, die der meist dünn besetzte Sozialdienst führen muss, um passende Plätze und deren Verfügbarkeit zu evaluieren und abzustimmen.

Digitale Lösungen reduzieren den Aufwand auf ein Minimum

Genau hier setzen digitale Lösungen für das Entlassmanagement an. Sie machen Telefonate komplett überflüssig und automatisieren den gesamten Rechercheprozess. Dazu greift die IT-Lösung zunächst auf das Krankenhaus-Informationssystem (KIS) zu und erstellt für den Patienten mit Nachsorgebedarf ein anonymisiertes Profil. Es beinhaltet unter anderem die Form der erforderlichen Anschlussbehandlung – also zum Beispiel stationäre Pflege oder ambulante Reha – und die konkreten Anforderungen. Außerdem lässt sich insbesondere der Suchradius angeben, sodass ausschließlich Einrichtungen in einem Umkreis von 20, 50 oder 100 km in die Recherche einbezogen werden.

Nach der Definition des Patientenprofils erfolgt die Abfrage auf Knopfdruck. Möglich wird das mittels sektorenübergreifender Schnittstellen bzw. cloud-basierter Plattformen. Ein hinterlegter Algorithmus gleich anschließend die Anforderungen mit den verfügbaren Angeboten ab und präsentiert die Ergebnisse – idealerweise aufbereitet in Form eines Rankings. So wie wir es von Google kennen, erscheinen die verfügbaren Plätze mit der höchsten Übereinstimmung ganz oben, weitere folgen mit abnehmender Relevanz.

Selbstlernende Systeme erkennen individuelle Präferenzen

Aufgrund selbstlernender Algorithmen ist es sogar möglich, dass das System die Trefferliste auf Basis zurückliegender Vorgänge und der dort präferierten Parameter oder Anbieter eigenständig anpasst – und damit den Prozess weiter optimiert sowie beschleunigt.

nl/KWM

Quellen:

[1] https://www.dkgev.de/themen/versorgung-struktur/entlassmanagement/

[2] https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/buerokratischer-super-gau/


Lesen Sie gerne auch unseren Beitrag darüber, wie Wissensmanagement den Krankenhausalltag entlasten kann.

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