Digitalisierung und Wissensmanagement – Krankenhaus 4.0

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Digitalisierung im Krankenhaus

Das Thema Digitalisierung spielt im Gesundheitswesen eine besondere Rolle. Kliniken und Krankenhäuser sind als wissensintensive Institutionen auf ein gutes Wissensmanagement angewiesen. Die Digitalisierung stellt Einrichtungen dabei vor neue Herausforderungen, bietet jedoch auch ungeahnte Möglichkeiten. Dr. Matthias Zuchowski ist Medizinstrategischer Leiter des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) in Stuttgart und widmet sich dieser Thematik mit viel Engagement. Er leitet u.a. eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Gesundheitsökonomie und ist als Beirat in Projekten der Robert Bosch Stiftung aktiv. Dr. Zuchowski beschäftigt sich mit Wissensmanagement und Digitalisierung in verschiedenen Bereichen seiner alltäglichen Arbeit und Forschung. Er sieht enge Verbindungen zu Qualitätsmanagement und weiß um die Chancen und Hürden bei der Weiterentwicklung.

Entwicklung im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ändert sich stetig, ebenso wie die Medizin selbst. Der Entwicklungsstand deutscher Kliniken unterscheidet sich dabei aktuell noch stark voneinander. Längst nicht jedes Krankenhaus arbeitet z.B. schon mit digitalen Krankenakten. Viele Gesundheitsorganisationen leben hingegen noch sehr analog. Dabei ist gerade die Digitalisierung ein ausschlaggebender Faktor für die sektorenübergreifende medizinische Versorgung. Digitale Prozesse ermöglichen und vereinfachen die abteilungs- und standortübergreifende Arbeit an einem gemeinsamen Ziel. Und ein zentrales Ziel aller Krankenhausmitarbeiter ist stets das Patientenwohl. Für die bestmögliche medizinische Versorgung des Patienten ist eine transparente, schnelle und zuverlässige Informationsvermittlung essenziell. Digitalisierung greift dieser Informations-, Wissens- und Datenübermittlung unter die Arme und unterstützt die Optimierung einzelner Prozesse. So ist eine handschriftliche Patientenakte beispielsweise nur für einen Mitarbeiter und an einem Standort zeitgleich verfügbar. Anhand einer digitalen Patientenakte hingegen, können die beteiligten Ärzte und Pflegekräfte flexibel auf die benötigten Daten zugreifen.

Wissensmanagement und Qualitätsmanagement

Analoge Informationen werden durch Digitalisierung für mehrere Mitarbeiter und verschiedene Standorte gleichzeitig erreichbar. Das ist eine wichtige Wandlung, die vom Gesundheitssystem insgesamt, vor allem aber durch die Krankenhausleitungen der einzelnen Institutionen Unterstützung fordert. Dr. Zuchowski sieht die Aufgabe der Geschäftsführung im Krankenhaus daher verstärkt auch darin, die Kollegen und Mitarbeiter in der Weiterentwicklung ihrer Prozesse zu fördern. Das beinhaltet auch die digitale Weiterentwicklung innerhalb der Institution, die daraus resultierenden neuen Möglichkeiten und deren bestmögliche Nutzung. Prozessoptimierung und Qualitätsmanagement (QM) haben dabei eine starke Verbindung zu Wissensmanagement. Der Arzt und Gesundheitsökonom des RBK-Stuttgart weist deutlich auf die gemeinsamen Schnittstellen aus QM, Wissensmanagement und Prozessmanagement hin. Das gilt ebenso für die zugrunde liegenden Systeme. Ob Dokumentenmanagement-, QM- oder Wissensmanagement-System – ein klares Ziel sollte sein, die Systeme zusammen zu führen und beispielsweise in einem gemeinsamen Portal abzubilden.

Notwendig sind dafür kollaborativ und berufsübergreifend erarbeitete Leitlinien, die in den Verfahrensanweisungen des Krankenhauses aufgegriffen werden. Solche Leitlinien helfen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die Praxis zu übertragen. „Wissenschaftliche Leitlinien in Hausleitlinien zu übersetzen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“, versichert Dr. Zuchowski.

Digitalisierung braucht Zusammenarbeit

Die Relevanz der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist offensichtlich. „An diesem Thema sollten alle mitarbeiten. Das ist in großen Organisationen nicht leicht. Die Mitarbeiter sind in ihrem Arbeitsalltag eng eingebunden und wir möchten sie nicht davon abhalten, sich Zeit für ihre Patienten zu nehmen. Wir müssen stattdessen eine Lösung schaffen, die ihnen Arbeit abnimmt und die sie einlädt, mitzuarbeiten.“, beschreibt Dr. Zuchowski die Situation. Wissensmanagement ist ein Thema für alle und benötigt die Unterstützung jedes Einzelnen. Und die Mitarbeiter werden die Weiterentwicklung noch stärker unterstützen, wenn sie sehen, dass der Prozess für ihre alltägliche Arbeit relevant ist.

Vielen Dank für die wertvollen Einblicke in gelebtes Wissensmanagement im Robert-Bosch-Krankenhaus.

 


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