Dr. Google fordert Ärzte und Patienten zur Teamarbeit auf

Gesundheitsrecherche im Internet© Gina Sanders/adobe.stock.com

© Gina Sanders/adobe.stock.com

Patienten informieren sich und hinterfragen die Empfehlungen ihres Arztes. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung ist der Anteil der Bürger, die sich in den vergangenen zwölf Monaten im Internet zu Gesundheitsthemen informiert haben, von 2001 bis heute von 65 auf 88 Prozent gestiegen. Auch der „Patienten-Radar 2018“ des MedTech-Unternehmens vitabook belegt diese Entwicklung. 60 Prozent der hierfür 2000 befragten Bundesbürger gaben an, sich mit ihren Ärzten auf Augenhöhe zu sehen.

Wo suchen Patienten nach Informationen?

Die Mehrheit der Patienten finden im Netz die für sie erforderlichen Antworten auf ihre Fragen: 52 Prozent sind immer oder meistens zufrieden mit den Suchergebnissen, nur drei Prozent selten zufrieden, ergab die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Die beliebteste Informationsquelle sind hierbei Online-Lexika. 72 Prozent recherchieren in erster Linie hier. Danach folgen die Internetseiten von Krankenkassen (49 Prozent) und Gesundheitsportale (42 Prozent). Webseiten von Ärzten und Krankenhäusern rangieren mit 39 Prozent auf dem vierten Platz.

Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis

Dementsprechend sind Ärzte oft mit Patienten konfrontiert, die sich vorab eine Meinung gebildet haben und sich nicht bevormunden lassen möchten. 60 Prozent gehen, laut Bertelsmann-Studie, auf die selbst recherchierten Infos ein. Aber nur 40 Prozent verweisen von sich aus auf gute Quellen im Netz. Nur etwa 20 Prozent ermutigen Patienten, sich selbst zu informieren. 14 Prozent raten sogar davon ab. Die Mehrheit der Mediziner nimmt das zunehmende Informationsbedürfnis ihrer Patienten demnach zur Kenntnis, bestärkt sie jedoch nicht darin, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Angst vor dem Verlust der eigenen Kompetenz und Reputation ist noch sehr präsent. Umgekehrt scheuen sich 30 Prozent der befragten Patienten davor, mit dem Arzt über ihre Internetrecherche zu sprechen; 25 Prozent erklären sogar, Angst davor zu haben, ihr Gegenüber zu verärgern. Daran sieht man, dass sich auch die Patienten noch an ihre neue „Selbstbestimmung“ gewöhnen müssen.

Persönliche Daten sammeln und verwalten

Unternehmen wie vitabook begrüßen diese Entwicklung. Als Anbieter digitaler Gesundheitskonten unterstützen sie Patienten dabei, Diagnosen, Befunde, Laborberichte und Röntgenbilder zu sammeln und eigenverantwortlich zu verwalten. Ein solches Konto ermöglicht es, unkompliziert eine zweite Meinung bei einem anderen Arzt einzuholen oder den Arzt zu wechseln, weil dem neuen Behandler das Online-Konto mit den notwendigen Informationen einfach zur Verfügung gestellt werden kann. Umgekehrt haben die Ärzte alle notwendigen Daten schnell zur Hand und können sich rasch einen Überblick über den Gesundheitszustand des Patienten verschaffen. Doppelte Untersuchungen entfallen. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch Zeit, die in die weitere Behandlung und schnelle Genesung des Patienten investiert werden kann.

Wissensaustausch als Basis für eine bessere Gesundheitsversorgung

Der Erfolg einer Institution wird in Zukunft maßgeblich davon abhängen, dass Wissen dort zur Verfügung steht, wo es gebraucht wirdGleichermaßen geht es zukünftig auch in der Arzt-Patienten-Beziehung darum, verständlich miteinander zu kommunizieren, Wissen zu teilen und sich mit den jeweiligen Ansichten vorurteilsfrei auseinander zu setzen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. (s. auch Beitrag „Dr. Google: Freund oder Feind?“)

Quellen:
Studie: Halbgötter in Weiß – das war einmal, Pressemeldung vitabook vom 24.1.2018
Bertelsmann-Studie: Patienten schätzen Google als „Zweitmeinung“ zum Arzt, ÄrzteZeitung online vom 26.1.2018

cp/KWM
Bildquelle: © Gina Sanders/adobe.stock.com

 

Ein Kommentar auf “Dr. Google fordert Ärzte und Patienten zur Teamarbeit auf”

  1. A.Medoma sagt:

    88 Prozent informieren sich im Internet zu Gesundheitsthemen – das ist schon echt viel! Früher gings einfach zum Hausarzt und der hat seinen Patient dann bei Bedarf zum Facharzt, z. B. zum Dermatologen oder zum Frauenarzt nach Zürich, Dübendorf oder Winterthur, geschickt. Wahrscheinlich ist der Grund dafür nicht nur, dass die Menschen ihrem Arzt nicht mehr vertrauen… Aber in Zeiten, wo man so leicht an Informationen kommt, sehen es viele als Vorteil, gut vorbereitet zur Sprechstunde beim Hausarzt in Dübendorf oder Wangen-Brüttisellen zu gehen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar