E-Health: Wohin geht die Reise?

Stethoskop auf Tastatur © Ioana Davies – Fotolia.com

Ioana Davies – Fotolia.com

Digitalisierung in der Medizin? Vor allem Ärzte beäugten diesen Trend lange kritisch. Während Wirtschaft und Regierung das Thema E-Health versuchten voranzutreiben, sahen viele Mediziner die Beziehung zum Patienten gefährdet. Vom Datenschutz ganz zu schweigen. Doch es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom sind die Bedenkenträger mittlerweile in der Minderheit. Sieben von zehn Ärzten sehen in der Digitalisierung große Chancen.

Deutschland im internationalen Vergleich weit abgehängt

Im internationalen Vergleich hinkt die deutsche Medizin anderen Ländern hinterher. Zumindest wenn es um die Digitalisierung geht. E-Mails an die Patienten? Visite mit Tablet? Oder die elektronische Patientenakte? Was hierzulande vielerorts noch Zukunftsmusik darstellt oder allenfalls im Planungsstadium steckt, ist bei unseren europäischen Nachbarn häufig schon gelebte Realität. Ein Blick über die Ländergrenzen hinaus lässt erkennen, was Digitalisierung in der Medizin bedeuten kann: ein Mehr an Gesundheitsversorgung, ein Zugewinn an Zeit, ein Plus an Effizienz.

Chance erkannt, Gefahr gebannt?

Denkt man an die schwierige Versorgungslage in ländlichen Regionen oder an überfüllte Notaufnahmen in den Großstädten, wird schnell deutlich, dass künftig kein Weg an einer digitalen Unterstützung vorbeigehen kann. Auch der wirtschaftliche Druck macht es gerade in Krankenhäusern erforderlich, Prozesse neu zu definieren und mit Hilfe digitaler Unterstützung zu optimieren. Laut der Bitkom-Studie sehen 67 Prozent der Ärzte in der Digitalisierung auch eine Chance für Kostenreduktionen. Da verwundert es, dass sich die Telemedizin bisher so schwertut. Digitale Patientenüberwachung und selbst Online-Terminvereinbarungen sind mit je zehn Prozent bisher kaum im Einsatz. Die Online-Patientenakte kommt sogar nur auf neun Prozent.

Der mündige Patient als Innovationstreiber

Das soll sich nun offenbar eklatant ändern. Es herrscht Aufbruchsstimmung in der Ärzteschaft. Und die kommt nicht von ungefähr: Die Medizin hinkt dem gesellschaftlichen Wandel derzeit um Meilen hinterher. Die Patienten sind längst online. Sie informieren sich vor ihren Arztbesuchen umfassend im Internet. Sie kommunizieren elektronisch und machen digitale Gadgets zu ihren täglichen Begleitern. Die Digitalisierung umfasst mittlerweile alle ihre Lebensräume und -welten. Lediglich an der Schnittstelle zur Medizin gibt es einen Medienbruch. Noch.

Um den Bedürfnissen ihrer mündigen Patienten gerecht zu werden, sind Krankenhäuser aufgefordert zu handeln. Hinzu kommt der finanzielle Druck. Nicht zu vergessen der demografische Wandel. Um all diese Herausforderungen zu meistern, führt kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Blinder Aktionismus bringt dabei aber rein gar nichts. Der verschwendet nur Geld und wertvolle Ressourcen. Vielmehr gilt es jetzt, im Rahmen eines Wissensmanagement-Projekts diejenigen Digitalisierungsinitiativen zu definieren und zu priorisieren, die nachhaltig zu einer Verbesserung der Patientenversorgung, einer Optimierung der medizinischen Qualität und gleichzeitig zu einer höheren Wirtschaftlichkeit beitragen.

Innovative Zukunftsszenarien fordern schnelles Handeln

Neben der entsprechenden IT-Ausstattung bedarf es in den Reihen der Mediziner aber vor allem digitaler Kompetenzen, um den Wandel auf Augenhöhe begleiten und erfolgreich meistern zu können. Denn in der Praxis kommt es darauf an, adäquat mit smarten Daten und künstlichen Assistenzsystemen umgehen zu können. Glaubt man den Prognosen, gehören OP-Roboter schon in gut zehn Jahren zum Alltag. Davon geht fast jeder zweite Arzt aus. Auch 3D-Druck wird sich in der Medizin flächendeckend durchsetzen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Praxen und Krankenhäuser ihre Daten digitalisieren. Nur so wird ein virtueller Zugriff auf diesen Informationsschatz möglich. Es ist also an der Zeit, den Paradigmenwechsel nicht nur zu beschwören, sondern den Willensbekundungen auch endlich Taten folgen zu lassen. Denn in einer digitalen Welt darf gerade die so wichtige Institution Krankenhaus nicht analog bleiben.

nl/KWM
Bildquelle: © Ioana Davies – Fotolia.com

Hinterlassen Sie einen Kommentar