E-Teaching ist mehr als analoger Wein in digitalen Schläuchen

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©Thieme & Frohberg GmbH

Schon bei Präsenzveranstaltungen sind lange Monologe und Frontalunterricht kontraproduktiv – und können einen Seminartag zum nicht enden wollenden Schulungsmarathon werden lassen. Bei digitalen Lernformaten sind die Auswirkungen noch fataler. Zudem wirken auch Auflockerungen nicht so wie bei einem Vor-Ort-Event. Die althergebrachten Präsenzfolien nur eins zu eins auf Online-Formate zu übertragen, ergänzt durch kurzen Small Talk via Kamera, geht am eigentlichen Sinn des E-Teachings – und dem damit verbundenen Wissenserwerb – folglich weit vorbei.

Spot on, Kamera läuft – Sie sind im Fokus

Von wegen im Digitalen steht man nicht im Mittepunkt. Das Gegenteil ist der Fall: Wer auf digitalen Kanälen Wissen vermittelt, der muss die Augen der Teilnehmer immer auf sich wissen. Selbst dann, wenn man sein Gegenüber nicht ständig im Blick hat. Das bedeutet: Das Outfit muss genauso sorgfältig gewählt sein wie bei einer Präsenzveranstaltung. Zudem gilt es, die Umgebung rechtzeitig in Augenschein zu nehmen: Wer aus dem Home-Office agiert, arbeitet wahlweise in Küche, Wohnzimmer oder dem heimischen Büro – und gewährt damit den Teilnehmern einen exklusiven Einblick in die eigene Privatsphäre. Daher sollte man vorab prüfen, welchen Ausschnitt genau das Publikum einsehen kann. Alternativ bieten die meisten Online-Seminar-Tools die Möglichkeit, einen individuellen Hintergrund zu erstellen und einblenden zu lassen.

Vorsicht, geringere Aufmerksamkeitsspanne!

Bei Online-Formaten ist die Aufmerksamkeitsspanne deutlich geringer als bei Präsenzveranstaltungen. Zudem sind die Teilnehmer wesentlich mehr Ablenkungen unterworfen – ohne dass der Seminarleiter sie stets im Blick hat. Wer schreibt nebenbei E-Mails? Checkt seine Nachrichten auf dem Handy? Oder arbeitet nebenbei an einer eigenen Präsentation? Während Sie per Kamera-Check durchaus prüfen können, ob noch jeder an seinem Platz ist, liegen alle computerbasierten Aktivitäten außerhalb Ihrer Reichweite. Deshalb gilt es bei Online-Formaten umso mehr, das Wissen in besonders kleinen, leicht verdaulichen Häppchen zu vermitteln.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kollaboration

Das beste Mittel gegen Seminar-Langeweile und Weiterbildungs-Dämmerschlaf liegt in der aktiven Einbindung der Teilnehmer. Das beginnt bereits bei der Begrüßung. So kann man das Publikum auffordern, den eigenen Standort auf einer interaktiven Karte zu markieren oder kurze Umfragen zum Kennenlernen und als Warm-up einbinden: Wer macht lieber am Meer Urlaub und wer in den Bergen? Der drückt wahlweise die Taste 1 oder 2. Wer sitzt im Home-Office, wer am Büro-Rechner? Und wie ist das Wetter gerade bei den über das ganze Land (und ggf. darüber hinaus) verstreuten Teilnehmern? So entsteht ein Zugehörigkeitsgefühl – ein Wir-Gedanke, der alle gemeinsam durch den Tag trägt.

Und auch während der Wissensvermittlung gilt es, immer wieder Rückfragen zu stellen. Das können fachliche Fragen sein, aber auch kurze Abstimmungen, aus denen sich Tendenzen ableiten lassen, die wiederum ein gemeinsames Mindset unterstützen und unterstreichen, warum heute alle in einem Boot sitzen und sich zu einem bestimmten Thema weiterbilden.

Digitale und analoge Medien einbeziehen

Chats und Umfrage-Tools lassen sich dabei genauso integrieren wie analoge Medien: Kleine Skizzen auf Papier oder ein Schlagwort auf einer Karteikarte – wer weiß, dass er kurz darauf aufgefordert wird, seine Unterlagen in die Kamera zu halten, der wird sich engagieren und mitmachen. Und wer vorausahnt, dass es mehrerer solcher Aktivitäten geben wird, der ist voll bei der Sache – und nicht mit seinem Mail-Postfach beschäftigt.

Die Interaktion ist es also, die den digitalen „Kit“ darstellt. Daher gilt es, kollaborativ zu arbeiten. Und kollaborativ zu lernen. Das kann sogar soweit gehen, dass man die Kaffeepause virtuell stattfinden lässt oder am Ende des Weiterbildungstages noch ein gemeinsames After-Work-Bier vor dem Rechner trinkt.

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