Einheitliche Daten auf Knopfdruck: Digitale Dokumentation muss Standard werden

Standards Digitalisierung © Mathias Rosenthal/ adobe.stock.com

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Die Digitalisierung birgt laut den Analysten von Roland Berger eine „Milliardenchance“ für das Gesundheitswesen. Knapp drei Viertel der deutschen Health-Experten sehen in ihr ein hohes bis sehr Potenzial, die Patientenversorgung künftig weiter deutlich zu verbessern. Allerdings ist der Weg bis dahin noch weit. Fehlende Digitalisierung von Daten und mangelnde Vernetzung führen dazu, dass in der Studie „Gesundheit 4.0“ 68 Prozent den digitalen Reifegrad in der Gesundheitswirtschaft als gering bewerten.

Digitaler Wandel ist unumgänglich

Der digitale Wandel ist unumgänglich. Auch und gerade im Gesundheitswesen. Die Kosten in den Kliniken explodieren. Im Zuge des demografischen Wandels steigen zudem die Patientenzahlen. Aufgrund zunehmender Alterserwartung wird sich dieser Trend fortsetzen. Gleichzeitig spitzt sich der Fachkräftemangel, vor allem im medizinischen und Pflegebereich, zu. Immer weniger Personal muss immer mehr Patienten mit immer komplexeren Krankheitsbildern versorgen. Um dieser Entwicklung auch künftig standhalten zu können, bedarf es digitalisierter und weitgehend automatisierter Prozesse. Nur so wird es möglich, das Fachpersonal von administrativen Aufgaben weitgehend zu entlasten – und Ressourcen freizusetzen für die Arbeit an und mit den Patienten.

Digitalisierte Daten als erster Schritt Richtung Digitalisierung

Automatisierte Abläufe und Prozesse benötigen als Grundlage zwangsläufig einen digitalen Datenschatz. Das heißt: Patientendaten, medizinische Befunde, Gesprächsnotizen et cetera dürfen nicht papiergebunden auf dem Schreibtisch oder in Aktenordnern lagern. Die in den Unterlagen enthaltenen Informationen müssen stattdessen digitalisiert und vernetzt werden. Nur so lassen sich die Daten erschließen und mehrwertstiftend nutzen.

Orts -und zeitunabhängiger Zugriff als zweiter Schritt

Sind die Daten erst einmal digitalisiert, gilt es, sie optimal zu vernetzen. Ganz gleich ob Daten aus der Chirurgie oder der Dermatologie stammen, ob sie bei der täglichen Visite erfasst werden oder während der Physiotherapie – mit einem Mausklick sollten alle relevanten Daten zu einem Patienten beziehungsweise seinem Krankheitsverlauf abrufbar sein, idealerweise visuell aufbereitet, damit die Key Facts sofort erkennbar sind. Das bedeutet: Eine vernetzte Krankenhaus-IT muss über Schnittstellen zu allen angeschlossenen Systemen verfügen und die verfügbaren Daten kanalisieren. So wird es nicht nur möglich, den gesamten Wissensschatz abzurufen, sondern ihn auch zeit-, orts- und geräteunabhängig zugreifbar zu machen.

Das Krankenhauspersonal profitiert zum einen von einem ganzheitlichen Blick auf Patienten, Krankheitsverläufe et cetera. Zum anderen unterstützt die Vernetzung die interdisziplinäre und bestenfalls sektorenüberreifende Zusammenarbeit. So haben beispielsweise Physiotherapeuten auch die neuesten Daten aus bildgebenden Verfahren zur Hand oder können Beobachtungen von den Pflegern in ihre Arbeit mit einfließen lassen – einfach weil sie auf das Wissen ihrer Kollegen zugreifen können.

Mitarbeitermotivation als wichtigster Schritt

Daten digitalisieren, sie in IT-Systeme einspeisen und vernetzen – das ist das Grundgerüst der Digitalisierung. Davon ausgehend lassen sich Abläufe automatisieren, Prozesse optimieren und kollaboratives Arbeiten etablieren. Doch das alles funktioniert nur, wenn die neue IT von den Mitarbeitern genutzt und neue Prozesse mit Leben gefüllt werden. Damit das gelingt, müssen sie vom Sinn und Zweck der Digitalisierung überzeugt sein. Der Weg dorthin führt über eine Mitarbeiterbeteiligung. Es ist erforderlich, sie von Anfang an in den digitalen Wandel der Klinik einzubeziehen. Ihre Ideen und Anregungen sollten Gehör finden. Zudem bedarf es einer Anlaufstelle, wenn Mitarbeiter Bedenken haben – zum Beispiel Angst, im Zuge der Digitalisierung überflüssig zu werden und ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Und es braucht Key User, die mit den neuen Software-Anwendungen vertraut sind, ihre Begeisterung an das Personal weitergeben und ihnen bei Unsicherheiten mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wird Digitalisierung jedoch top-down „verordnet“, dann ergeht es elektronischen Patientenakten, Krankenhausinformationssystemen und klinikweiten Suchlösungen so wie vielen anderen Wissensmanagement-Projekten: Sie scheitern am Faktor Mensch.

nl/KWM
Bildquelle: © Mathias Rosenthal/ adobe.stock.com

 

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