Elektronische Patientenakte: Chancen und Risiken aus Sicht von Fachärzten

Ab dem 1. Januar 2021 müssen die Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung stellen. Bis dahin muss sichergestellt sein, dass die Daten nicht von Unberechtigten abgegriffen oder missbraucht werden können. Im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) äußerten sich Experten zu Problemen der Datensicherheit. Sie thematisierten aber auch die Vorteile der ePA für die Patientenversorgung.

Eine bessere fächer- und sektorenübergreifende Versorgung

„Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein wichtiges Arbeitsinstrument, um zielgerichteter und besser diagnostizieren und behandeln zu können“, sagt Dr. med. Thomas Möller, Kongresspräsident DKOU 2019 des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). „Wir können aus der elektronischen Patientenakte entnehmen, unter welchen Begleiterkrankungen Patienten leiden und Befunde wie Röntgenbilder oder Laborberichte direkt einsehen. Dadurch ist es möglich, diese Befunde bei der Diagnose und Behandlung zu berücksichtigen“, so der niedergelassene Orthopäde und Unfallchirurg Möller. Auch belastende Doppel- und Mehrfachuntersuchungen ließen sich so vermeiden und Therapien besser organisieren. „Sie wäre ein großer Schritt sowohl für die interdisziplinäre als auch für die stationäre und ambulante Vernetzung.“

Datensicherheit muss gewährleistet sein

„Eine entsprechende Akte sollte allerdings vollständig, nicht manipulierbar und sicher sein,“ sagt er. Internationale Fälle von Datenraub hätten gezeigt, wie vulnerabel die Datensicherheit sei. Derzeit gäbe es hierzulande keine Notfallstrategie gegen Datenraub, Datenlecks und Datenmissbrauch, so Möller weiter. Zuletzt kursierten im September frei zugängliche Patientendaten im Netz, darunter auch 13.000 Datensätze aus Deutschland.

Zugriffsrechte kontrollieren statt einschränken

Auch die Frage nach den Zugriffsrechten ist noch offen. Sie soll in einem eigenen Datenschutzgesetz geregelt werden. Statt den Zugriff auf die elektronische Patientenakte einzuschränken, könnte der Zugriff nach Ansicht von Möller möglicherweise auch kontrolliert werden. Das würde bedeuten, dass jeder Aufruf von Befunden und Daten mit Datum, Name des Zugreifers und Anlass registriert und in der elektronischen Patientenakte vermerkt wird. Fehlverhalten würde so auffallen.

Gefahr einer Re-Identifizierung bei Datenspenden

Um die Versorgungsforschung voran zu treiben, begrüßt der BVOU auch die Datenspende. Dabei stellen Patienten ihre Gesundheitsdaten anonym und unentgeltlich für die medizinische Forschung zur Verfügung. Hinsichtlich der tatsächlichen Anonymität hat jedoch vor Kurzem eine Studie Bedenken geweckt. Die Untersuchung im Fachmagazin Nature legte offen, dass sich jeder Amerikaner über fünfzehn Datenpunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,98 Prozent identifizieren lässt. Obwohl Personendaten anonymisiert werden, besteht offensichtlich die Gefahr, dass Studienteilnehmer mit technisch einfachen Mitteln re-identifiziert werden, so Möller. In einer kleinen Stichprobe genügten oft schon das Geschlecht, die Postleitzahl und das Geburtsdatum einer Person, um sie mit hoher Sicherheit zu erkennen. „Wir sehen hier eine Aufgabe, die im Konsens gelöst werden muss, die uns aber keinesfalls den Blick auf Zukunftschancen versperren sollte “, so der niedergelassene Orthopäde und Unfallchirurg aus Speyer.

[contentbox headline=“Terminhinweis:“ type=“gray“]Der DKOU findet vom 22. bis 25. Oktober 2019 in Berlin statt. Um auf die Brisanz des Datenschutzes hinzuweisen, ist auch ein „Demo-Live-Hack“ auf Sicherheitsdaten geplant, zu dem die Veranstalter Interessierte einladen. Ein Experte aus Tübingen demonstriert, wie einfach es ist, veraltete Systeme zu attackieren, Daten über Phishing-Mails abzugreifen, ein WLAN-Netz lahmzulegen oder Schadsoftware über USB-Sticks oder Wechseldatenträger zu installieren. Interessierte erhalten hier einen Einblick in die Tricks der Angreifer und die Sicherheitslücken der Systeme.

Live Hacking! Angriffe erleben – Sensibilität steigern
Donnerstag, 24.10.2019, 14:30 Uhr-16:00 Uhr, Messe Berlin, Raum: Paris 1[/contentbox]

Quelle:
www.dkou.org

cp/KWM

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.