Elektronischer Medikationsplan: Ärzte und Apotheker bewerten Zusammenarbeit positiv

Elektronischer Medikationsplan © BillionPhotos.com/Adobe.stock

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Seit 2016 haben Patienten, die länger als 28 Tage mehr als drei ärztlich verordnete Arzneien einnehmen, einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan. Ziel ist es, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen. Dafür ist es wichtig, dass Ärzte und Apotheker bei der Verordnung von Medikamenten enger zusammenarbeiten. Ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt hat untersucht, ob die Bearbeitung eines elektronischen Medikationsplans durch beide Berufsgruppen machbar und zielführend ist. Laut einer Untersuchung in der Fachzeitschrift „DMW“ bewerteten beide Seiten die Zusammenarbeit als positiv und wichtig für die Qualität eines Medikationsplans.

Nur wenige nutzen den Medikationsplan bisher

Im Medikationsplan legt der Arzt fest, welche Medikamente der Patient erhalten soll. Der Apotheker überprüft dann in einer Medikationsanalyse, ob die einzelnen Wirkstoffe sich vertragen. Bisher existiert der Medikationsplan nur auf dem Papier. Der Patient erhält ihn vom Arzt und kann ihn dann beim Apotheker vorzeigen, was derzeit selten geschieht. Die Zustimmung des Patienten vorausgesetzt, sollen Arzt und Apotheker Daten künftig elektronisch austauschen können. Sowohl Ärzte als auch die Apotheker prüfen die Gesamtmedikation nach pharmazeutischen und medizinischen Gesichtspunkten auf mögliche Risiken und tauschen sich bei Bedarf dazu aus.

Aufgabenzuteilung findet auf beiden Seiten Zuspruch

In der PRIMA-Studie („Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung“) haben in Sachsen und Thüringen zwölf Apotheken und Arztpraxen die neuen elektronischen Medikationspläne getestet. Nach der Beseitigung anfänglicher technischer Probleme äußerten sich die Teilnehmer überwiegend positiv. Darauf weist Dr. Christiane Eickhoff von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in der „DMW“ hin. Insgesamt 60 Prozent stimmten den Abläufen insgesamt zu. Etwa 80 Prozent der Ärzte und 63 Prozent der Apotheker waren mit den ihnen zugedachten Aufgaben zufrieden. Die meisten Ärzte waren damit einverstanden, dass die Apotheker ihre Verordnungen vor dem Hintergrund der Gesamtmedikation der Patienten noch einmal abschließend prüfen.

Chance für eine bessere Zusammenarbeit

Beide Seiten betrachteten den elektronischen Medikationsplan als Chance für eine bessere fachliche Zusammenarbeit: 70 Prozent der Ärzte erklärten, sie würden durch die Zusammenarbeit mit dem Apotheker einen besseren Überblick über die Gesamtmedikation des Patienten erhalten, die die Selbstmedikation einschließt. 88 Prozent der Apotheker freuten sich über einen Wissenszuwachs zum Gesundheitszustand der Patienten. Alle befragten Ärzte und Apotheker waren am Ende der Ansicht, dass ihre Zusammenarbeit die Qualität des Medikationsplans verbessern kann. Da es im Behandlungsalltag sehr häufig sei, dass Patienten ihren ausgedruckten Medikationsplan weder bei Arzt noch beim Apotheker vorzeigten, böte die elektronische Variante große Vorteile und Chancen.

Das Modellvorhaben ARMIN, in dem dieses Pilotprojekt durchgeführt wurde, soll noch mindestens bis März 2022 fortgeführt werden. Wann der elektronische Medikationsplan eingeführt wird, steht noch nicht fest.

Noch Zukunftsmusik: Einbindung von Klinikärzten

Idealerweise sollte ein Medikationsplan über alle Versorgungssektoren hinweg zu bearbeiten und für alle Beteiligten jederzeit abrufbar sein. Das heißt, Ärzte einer Klinik haben ebenfalls Zugriff auf die Daten und geben ihre Verordnungen mit ein. Wie das aussehen kann und welche Voraussetzungen dazu geschaffen werden müssen, lesen Sie hier im Blog im Beitrag
Der elektronische Medikationsplan: Ihr nächstes Wissensmanagement-Projekt?

Quelle:
C. Eickhoff et al.:
Das Projekt PRIMA – Elektronische Erstellung und Aktualisierung von Medikationsplänen als gemeinsame Aufgabe von Ärzten und Apothekern.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; 144 (18); e114-e120

cp/KWM
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