Erfahrungswissen: Die Generation 50plus aktiv einbinden

Kollegen © nyul – Fotolia.com

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Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind derzeit knapp zwei Drittel der Beschäftigten über 55 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer liegt bei etwa 45 Jahren. Tendenz steigend. Das bedeutet: Das Gros der Fachkräfte geht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in Rente. Gerade im Gesundheitswesen zieht das einen – vielerorts fast schon existenziellen – Personalmangel nach sich. Mindestens genauso gravierend ist aber der drohende Wissensverlust. Kliniken sind folglich gut beraten, die Generation 50plus aktiv einzubinden und so einer unkontrollierten Wissensabwanderung rechtzeitig entgegenzuwirken.

Es droht ein unkontrollierter Wissensverlust

Nicht nur das Gesundheitswesen ist betroffen. Die gesamte Wirtschaft sieht der Gesellschaft mit immer tiefer werdenden Sorgenfalten beim Altern zu. Und dennoch bleiben viele untätig. Dabei ist es bereits kurz vor zwölf: Bis 2060 wird sich laut Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der potenziell erwerbsfähigen Menschen um 30 Prozent verringern. Das klingt zwar noch wie Zukunftsmusik, allerdings erfolgt die anstehende Pensionierungswellte schubweise. Die erste große Zäsur gibt es bereits 2020. Dann gehen die ältesten Vertreter der geburtenstarken Babyboomer in den Ruhestand.

Wer bis dahin untätig zusieht, der wird dann dem wertvollen Erfahrungswissen seiner langjährigen Mitarbeiter nachtrauern – und viel Geld und Zeit investieren müssen, um die verlorenen immateriellen Werte wieder neu aufzubauen.

Generationentandems, Job Sharing und Beraterverträge

Viel geschickter, effizienter und wirtschaftlicher ist es daher, die Generation 50plus – die sogenannten Silver Ager – schon jetzt aktiv einzubinden und den Wissenstransfer an die jüngeren Mitarbeiter einzuläuten. In der Praxis haben sich dabei insbesondere Generationentandems bewährt. Dabei arbeiten jeweils eine frisch ausgebildete Fachkraft und ein langjährig Beschäftigter zusammen. So geht, fast nebenbei, wertvolles Erfahrungswissen auf die Nachwuchskraft über. Diese kann dem älteren Kollegen gleichzeitig bei IT-Fragen helfend zu Seite stehen und Digitalkompetenzen weitergeben. In der Wirtschaft gehören solche Tandems vielerorts längst zum Alltag. In Krankenhäusern leider noch nicht. Ein Chefarzt, der sich mit dem Absolventen ganz vertraut austauscht und ihm beratend zur Seite steht? Unvorstellbar! Zumindest bis jetzt.

Eine abgewandelte Form des bewährten Generationentandems ist eine spezielle Form des Jobsharings. Dabei teilen sich ein junger und ein älterer Mitarbeiter eine Vollzeitstelle – mit den gleichen Mehrwerten wie bei einem Tandem. Hinzu kommt allerdings, dass der ältere Mitarbeiter dadurch zusätzlich entlastet wird. Statt 100 Prozent arbeitet er nur noch 50 Prozent. Trotz Halbtagsstelle kann er seinen Posten und seine Verantwortung behalten. Im Sinne der Reputation ist das für viele immens wichtig. Gleichzeitig gewinnt er mehr Zeit für Hobbys oder die Familie.

Und wenn das Rentenalter dann doch vor der Tür steht? Der Ruhestand muss kein Abschied für immer sein. Viele top-qualifizierte Ärzte sind weit über ihre Pensionierung hinaus körperlich und geistig fit und hoch motiviert. Und auch wenn sie nicht mehr im OP selbst Hand anlegen, so können sie ihren jüngeren Kollegen dennoch helfend zur Seite stehen. Ein Beratervertrag macht das möglich.

Auf die richtige Klinikkultur kommt es an

Damit sich solche Konzepte noch rechtzeitig realisieren lassen, bedarf es aber Unterstützung seitens des Klinikmanagements. Zunächst müssen die Verantwortlichen entsprechende Beschäftigungsmodelle – im Sinne einer lebensphasenorientierten Personalpolitik – konzipieren und etablieren. Und dann sollten sie, zumindest in der Anfangsphase, kontinuierlich begleitet werden. Denn die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt ist nicht immer einfach. Auch weil dafür bisherige Hierarchien und starre Strukturen aufgebrochen und neue Führungskonzepte erforderlich sind. Genau das ist aber eine der größten aktuellen Herausforderungen, die tief in das Wissensmanagement hineinreicht, ebenso wie der Transfer des wertvollen Erfahrungswissen von den bald ausscheidenden Silver Agern hin zur jungen Generation Y.

nl/KWM
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