Erfahrungswissen sichern: Wie weit sind Sie?

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Wie gut sind Sie auf den Generationenwechsel vorbereitet? Haben Sie die kritischen Wissensträger in Ihrem Haus schon identifiziert? Sichern Sie das wertvolle Erfahrungswissen der bald ausscheidenden Baby Boomerbereits prozessbegleitend oder bevorzugen Sie einmalige Interviewverfahren? Und wie zufrieden sind insbesondere die jüngeren Mitarbeiter mit der Visualisierung der dokumentierten Wissensschätze? Vermutlich können die betreffenden Fachkräfte noch gar nichts dazu sagen, weil noch gar kein Wissen gesichert wurde. Ein fataler Fehler! Wer vor dem demografischen Wandel die Augen verschließt, in der Hoffnung, dieses Schreckgespenst ungesehen vorbeihuschen zulassen, der täuscht sich. Die Verrentungswelle wird kommen. Und wer nicht vorbeugt, der verliert nicht nur sein langjähriges Personal, sondern muss neben seiner Belegschaft auch das immaterielle Kapital der Klinik ganz neu aufbauen.

360.000 Mitarbeiter scheiden aus deutschen Kliniken aus

Laut Statistischem Bundesamt geht die Zahl der potenziell erwerbstätigen Menschen bis 2050 um 30 Prozent zurück. Der Geburtenknick nach der Generationder Baby Boomer führt also dazu, dass rein quantitativ nicht ausreichend junge Fachkräfte nachkommen. Das heißt: Es droht eine riesige Mitarbeiterlücke. Übertragen auf das Gesundheitswesen bedeutet das: Von den heute in deutschen Krankenhäusern beschäftigten 1,2 Millionen Arbeitnehmern werden nur 840.000 übrigbleiben. Allerdings nur dann, wenn die Kliniken – wo irgend möglich – neues Personal rekrutieren. Anderenfalls sinkt die Beschäftigungsquote noch deutlich unter den statistisch prognostizierten Wert.

Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten …

Fest steht: Das Mitarbeiterniveau wird deutlich sinken. Auch allen politischen Bestrebungen zum Trotz. Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Die Digitalisierung kann helfen, zum Beispiel durch smarte Assistenten oder intelligente Prozesssteuerung, die noch verfügbaren Ressourcensoweit zu optimieren, dass der Versorgungsauftrag weiterhin erfüllt werden kann.

… der Wissensverlust lässt sich vermeiden

Während das Gesundheitssystem dem Ressourcenschwund mehr oder weniger ausgeliefert ist, kann – und muss – es an anderer Stelle jedoch aktiv werden, um Patientensicherheit und Behandlungsqualität auch über den Generationenwechsel hinaus zu gewährleisten. Es ist verheerend genug, dass die Krankenhäuser bereits ab 2020 tausende Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden müssen. Ruinös wird es allerdings dann, wenn die Verantwortlichen die Chance verpassen, vorab das wertvolle Erfahrungswissen der künftigen Pensionäre zu sichern. Die Gelegenheit bietet sich genau jetzt – anderenfalls nehmen es die Vertreter der Generation 50plus mit in Rente.

Auch der Verweis auf knappe Ressourcen, Zeit- oder Geldnot kann von der Dringlichkeit systematischer Wissenssicherung nicht ablenken.Werden die Erfahrungen der älteren Mitarbeiter nämlich nicht bewahrt, steigen Ressourcen-, Zeit- und Geldmangel in schwindelerregende Höhen.

Wissensträger identifizieren, Verlustrisiko priorisieren, Erfahrungen sichern

Wissenssicherung beginnt mit der Identifikation kritischer Wissensträger – und das sind im Mikrokosmos Krankenhaus mit Sicherheit einige. Es folgt eine Priorisierung. Wessen Wissen muss zuerst gesichert werden? Wo droht eine unmittelbare Wissensabwanderung. Gradmesser kann hierfür unteranderem der voraussichtliche Renteneintritt sein. Anschließend beginnt der Prozess, das implizite Know-how der Mitarbeiter zu explizieren. Dafür gibt esspezielle Interviewmethoden, die vor allem das personengebundene Know-how zunächst vom Wissensträger lösen, um es dann mit Hilfe von Visualisierungstechniken so aufzubereiten, dass auch die nachfolgenden Generationen davon profitieren.

Wissensförderliche Rahmenbedingungen als Wegbereiter

Voraussetzung, dass Wissenssicherung gelingt, ist allerdings die grundlegende Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen überhaupt zu teilen. Wissensförderliche Rahmenbedingungen in Form einer Wissenskultur sind daher der wichtigste Schritt, um auf vorhandenes Know-how auch künftig zugreifen zukönnen.

nl/KWM
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