Es knirscht: Zeit für eine Paartherapie für Ärzte und Pflege

Personalmangel, mehr multimorbide Patienten, mehr Dokumentationspflichten: Die Arbeitslast auf Station ist in den letzten Jahren gestiegen. Darunter leidet vielerorts auch die Stimmung in den Teams. Besonders zwischen Ärzten und Pflegekräften knirscht es. Doch wenn die Kommunikation nicht stimmt, schadet das nicht nur dem Patientenwohl, sondern kostet auch Zeit und Geld. Standardisierte Abläufe von Visiten, gemeinsame Fallbesprechungen und gemeinsame Aus-, Weiter- und Fortbildungen können helfen, die Zusammenarbeit zu verbessern.

Die einen sind zwar in der Mehrzahl, doch die anderen geben die Anordnungen und tragen die medizinische Verantwortung. Nach einer Umfrage bemängeln besonders Pflegekräfte, dass es Kommunikationsprobleme zwischen Ärzte und Pflegenden gäbe. Sie fühlen sich zudem von Medizinern wenig wertgeschätzt und bemängeln, dass diese oft Absprachen, wie etwa den Zeitpunkt der Visite, nicht einhalten. Eine ehemalige Pflegedirektorin wurde in einem Beitrag der „kma“ mit der Aussage zitiert: „Wenn Visitenstandards tatsächlich eingehalten würden, ließe sich pro Station Arbeitszeit in Höhe einer Stelle sparen.“ Die Ärztekammer Nordrhein widmet in ihrem neuen Ratgeber „Kommunikation im medizinischen Alltag“ auch der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegekräften ein Kapitel.

Die Autoren betonen darin, dass es die Führungsebene einer Klinik in der Hand habe, eine effektive und effiziente Kultur der Zusammenarbeit im Krankenhaus zu etablieren, zum Beispiel durch klare Rollendefinitionen und Verantwortlichkeiten. Es müsse verhindert werden, dass Kommunikation und Kooperation aufgrund von Zeitdruck immer mehr verkommt.

Die Paartherapie:

  • Stellenwert der Visite erhöhen: Sie ist der wichtige Moment, in dem Pflegepersonal und Ärzte gemeinsam mit Patienten sprechen und ihr Fachwissen einbringen können. Pflegende sollten deshalb eingeladen sein, ihren Teil beizutragen.
  • Unpünktlichkeit vermeiden
  • Teambesprechungen als „Jour fixe“ nutzen, um strukturelle Probleme zu besprechen. An diesen Besprechungen sollten auch die Führungskräfte (Chefarzt, Oberärzte) teilnehmen. Ziel ist, die direkte Kommunikation zu ermöglichen, damit eine fachliche Zusammenarbeit zu leben und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit im Interesse der Patienten zu fördern.
  • Wertschätzung der Arbeit durch aktives Zuhören
  • Teamarbeit/Teamgeist fördern, u.a. durch gemeinsame Feiern und Aus-, Weiter- und Fortbildungen
  • Jeweilige Kompetenzen respektieren und im Sinne des Patienten einsetzen. Pflegende kümmern sich zum Beispiel einer Untersuchung zufolge eher um die Ängste und Sorgen von Patienten und Angehörigen, Ärzte eher um die Behandlung.

Quellen:

 

srh/KWM

2 Kommentare auf “Es knirscht: Zeit für eine Paartherapie für Ärzte und Pflege”

  1. Michaela sagt:

    Hallo danke für die Tipps als Paartherapie. Ist da grundsätzliche Problem aber nicht auch die Konkurrenz um Einnahmen und die Verwirtschaftlichung der Gesundheit und dass ein endloses Optimieren als möglich gehalten wird? Brauchen wir vielleicht wieder ein ganz anderes Konzept welches den Patienten und nicht die Gewinnmarge im Fokus hat.

    • KWM–Redaktion sagt:

      Liebe Michaela,
      Danke für Deine Nachricht. Der zunehmende Kostendruck, der auf den Kliniken lastet, wirkt sich auch auf die Arbeit und den Umgang des Personals untereinander aus. Da hast Du sicher recht! Umso wichtiger ist es, „die jeweiligen Kompetenzen zu respektieren und im Sinne des Patienten einsetzen“. Dieser „paartherapeutische Hinweis“ rückt den Patienten meines Erachtens Mittelpunkt, also an den rechten Platz.
      Mit freundlichen Grüßen
      Deine KWM Redaktion

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